1. Februar 2020
VdK-Zeitung

DRV-Regionalzentrum Mannheim im Dialog

Mit einer Fülle von Fachinformationen kehrten unlängst die nordbadischen Juristinnen und Juristen der VdK Sozialrechtsschutz gGmbH Baden-Württemberg, die Mitglieder unter anderem in rentenrechtlichen Streitfällen vertreten, aus dem DRV-Regionalzentrum (RZ) Mannheim zurück.

Rentenrechtliche Informationen aus erster Hand im RZ Mannheim. | © DRV Mannheim

Auch Bezirksgeschäftsführer Bernhard Gschwender und der Mannheimer Kreisvorsitzende Helmut Gaa samt Stellvertreter Hans Stöcklin nahmen an der hochkarätigen Fortbildungsveranstaltung der Deutschen Rentenversicherung (DRV) teil. Schließlich ist das Rentenrecht nicht nur eine komplizierte Materie, sondern es stehen auch immer wieder Änderungen an. Die Tagung widmete sich deshalb dem sogenannten Rentenpakt der Großen Koalition (GROKO), den Rentenberater Thomas Tallafuss erläuterte. Ebenso informierte er über die Kommission „Verlässlicher Generationenvertrag“, die derzeit Vorschläge für ein angemessenes und bezahlbares Rentenniveau der Zukunft erarbeitet und voraussichtlich im März 2020 der Öffentlichkeit präsentiert. Denn die im Koalitionsvertrag vorgesehenen „Haltelinien“ für Beitragssatz und Rentenniveau stellen zunächst einmal nur bis 2025 sicher, dass das Rentenniveau von derzeit 48,16 Prozent nicht unter 48 Prozent sinkt und der Beitragssatz gleichzeitig nicht über 20 Prozent steigt. Und da die Stabilität des Systems der Altersvorsorge der ganzen Gesellschaft nutzt und als gesamtgesellschaftliche Aufgabe angesehen wird, gibt es einen erhöhten Zuschuss aus Steuergeldern.

Rentenniveau

Seit langem bestimmen Diskussionen um das künftige Renteneintrittsalter sowie die Höhe des Sicherungsniveaus der gesetzlichen Rente das rentenpolitische Geschehen. Auf der Tagung wurde denn auch klargestellt, dass „Rentenniveau" nicht die individuelle Rente und deren prozentuale Höhe im Vergleich zum individuellen Lohn oder Ähnliches meint! Vielmehr bildet das Rentenniveau das Verhältnis zwischen dem durchschnittlich im Erwerbsleben von allen Versicherten erzielten Einkommen zur sogenannten Standartrente ab – also der (statistischen) Rente nach 45 Versicherungsjahren bei stets erzieltem Durchschnittsverdienst. Des Weiteren wurde klargestellt, dass das Rentenniveau „netto vor Steuern“ ausgewiesen wird. Es berücksichtigt noch die Sozialausgaben, aber nicht die Steuern. Tallasfuss erinnerte in diesem Zusammenhang an die Rentenreformen der Jahre 2001 und 2004, die dazu geführt hatten, dass das Rentenniveau sinkt. Aktuelle DRV-Berechnungen gingen von einer Absenkung auf bis zu 44,3 Prozent in 2030 aus. Und weitergehende Berechnungen anderer Quellen zeigten, dass das Rentenniveau – ohne weitere Reformen – nach dem Jahr 2030 weiter sinken werde. Von etwa 42 Prozent in 2040 sei die Rede.

Mütterrente II

Die DRV-Tagung thematisierte auch die sogenannte Mütterrente II, die seit Januar 2019 gilt und mit weiteren Verbesserungen einhergeht. Danach wird für jedes Kind, das vor 1992 geboren ist, ein halbes Jahr zusätzlich bei der Rente angerechnet. So erhöhen sich die monatlichen Rentenbezüge um bis zu 16,02 Euro in den alten Bundesländern (15,35 in den neuen), wobei ein besonderer Antrag nicht notwendig ist. Auch hier wurde daran erinnert, dass mit dem Begriff „Mütterrente“ eine bessere Anerkennung von Erziehungszeiten für Kinder, die vor 1992 geboren wurden, gemeint ist. Denn sie waren früher nur mit maximal einem Jahr Kindererziehungszeit berücksichtigt worden. (Stattdessen gibt es für Kinder, die ab Januar 1992 geboren wurden, schon seit Längerem drei Jahre.) Seit dem 1. Juli 2014 wurde mit der „Mütterrente I“ ein zweites Jahr Kindererziehungszeit dem Rentenkonto gutgeschrieben und 2019 mit der „Mütterrente II“ ein weiteres halbes Jahr berücksichtigt, so dass insgesamt pro vor 1992 geborenem Kind bis zu zweieinhalb Jahre Kindererziehungszeit möglich sind. Dies bedeutet einen weiteren Schritt in Richtung Gleichstellung mit den später geborenen Kindern, was der VdK seit Langem von der Politik verlangt.

v.l.n.r.: Mannheims Kreisvize Hans Stöcklin, Kreisvorsitzender Helmut Gaa mit den VdK-Sozialrechtsreferentinnen Christine Parthier, Pia Schömer und Claudia Vogt. | © DRV Mannheim

Bessere Absicherung bei Erwerbsminderungsrenten

Viele Zahlen und Jahreszahlen gilt es auch beim Thema Erhöhung der Zurechnungszeit bei der Erwerbsminderungsrente (EM-Rente) zu beachten. Wenn die EM-Rente ab Januar 2019 begonnen hat, wird die Zurechnungszeit auf 65 Jahre und acht Monate angehoben. Ab 1. Januar 2020 steigt diese Zeit nun schrittweise auf 67 Jahre bis 2031. Dies sorgt für höhere EM-Renten, denn die Zurechnungszeit stellt erwerbsgeminderte Menschen so, als hätten sie in dieser Zeit mit ihrem bisherigen durchschnittlichen Einkommen weitergearbeitet und Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung gezahlt. Von dieser Ausweitung der Zurechnungszeit werden Schätzungen zufolge jedes Jahr rund 170 000 Menschen profitieren – allerdings nur Neurentner und nicht die Erwerbsgeminderten, die schon länger EM-Rente beziehen! Auch dies ist ein VdK-Kritikpunkt an die Adresse der Politik.

Ausweitung der Midi-Job-Grenze

Der GROKO-Rentenpakt regelt auch eine neue Midi-Job-Grenze, die seit Juli 2019 insbesondere Geringverdiener betrifft und besserstellt. Wer bisher zwischen 450,01 Euro und 850 Euro verdiente, zahlte nur einen reduzierten Beitrag zur Rentenversicherung, erwarb dafür aber auch nur entsprechend geringere Rentenansprüche. Die Neuregelung verlängert nun den sogenannten Übergangsbereich von 450,01 Euro bis 1300 Euro. In diesem Bereich sozialversicherungspflichtig Beschäftigte zahlen einen reduzierten Sozialversicherungsbeitrag. Neu ist jedoch, dass diese verringerten Rentenbeiträge zukünftig nicht mehr zu geringeren Rentenansprüchen führen. Hier gehen Schätzungen von bis zu 3,5 Millionen Menschen aus, die von dieser Neuregelung profitieren können.

Viele praktische Informationen hatte Claudia Forster, die Leiterin der Sachbearbeitung, für die VdKler parat. Sie stellte das vielfältige Leistungsspektrum des Regionalzentrums vor. Schließlich können sich dort Versicherte und Arbeitgeber beraten lassen. Neben der Beratung zu den diversen Renten, gibt es auch Auskünfte rund um Prävention und Reha sowie in Sachen Altersvorsorge. Gerade diesem Service, bei der DRV „PROSA“ – also „Pro Sicherheit im Alter“ genannt, kommt besondere Bedeutung zu. Denn man kann sich sowohl zur gesetzlichen Rente als auch zur betrieblichen und zur privaten Altersvorsorge beraten lassen.

Keine Tagung ohne das Thema Digitalisierung. Dem widmete sich Florian Schaffer, der Leiter der Auskunft und Beratung. Er verwies unter anderem auf die gegenwärtige Umstellung auf digitale Aktenführung und er sprach die Pilotprojekte in Sachen „Videoberatung“ in Ludwigsburg und Mosbach an.

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