2. Dezember 2019
VdK-Zeitung

Bentele: „Wir brauchen mehr Anstrengungen für viele Menschen“ - VdK-Präsidentin spricht in Karlsruhe zu zehn Jahren Inklusion

„Zehn Jahre UN-Behindertenrechtskonvention – was hat sie für behinderte Menschen bewirkt?“, lautete im Herbst das Thema einer Großveranstaltung, zu der VdK-Kreisverband Karlsruhe und der Beirat für Menschen mit Behinderung der Stadt eingeladen hatten. Im vollbesetzen Festsaal der Karlsburg in Karlsruhe-Durlach als Hauptrednerin mit dabei war Verena Bentele, die seit Mai 2018 amtierende Präsidentin des VdK Deutschland, vormalige Behindertenbeauftragte der Bundesregierung und zwölfmalige Paralypicssiegerin im Biathlon.

Landesvize Werner Raab, Präsidentin Verena Bentele, Kreischef Norbert Schmidt und Stadträtin Renate Rastätter (von links). | © Wilfried E. Becker/VdK

Im Beisein von VdK-Landesvize Werner Raab, der moderierte, von Kommunalpolitikern, Mitgliedern der Behindertenbeiräte, Verantwortlichen und Experten aus Sozial- und Behindertenbereich sowie etlichen VdK-Mitgliedern umriss Bentele die aktuelle Situation der Menschen mit Behinderung in Bund und Land und in Karlsruhe. Für ihr Impulsreferat erntete sie viel Beifall. „Es ist alles da, um Benachteiligungen zu verhindern, aber in der Praxis stellen sich Hürden auf“, sagte die VdK-Präsidentin. Als Haupthindernis im Alltag sieht Bentele etwa den Streit, wer Hilfsmittel, Assistenzen oder andere Leistungen bezahlen soll. In der Sozialhilfe sieht Verena Bentele „nicht die angemessene Quelle für Teilhabe“. Die 37-Jährige bekannte, dass ihr das Thema oft den Schlaf raube. Bentele forderte denn auch: „Wir brauchen mehr Anstrengungen für viele Menschen – auch für Ältere oder Frauen und Männer mit Erziehungsaufgaben“.

VdK-Präsidentin Verena Bentele bei ihrer vielbeachteten Rede. | © Wilfried E. Becker/VdK

Die Karlsruher Grünen-Stadträtin Renate Rastätter, vormals Landtagsabgeordnete, sieht in der Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen (UN-BRK) den „wichtigsten Meilenstein auf dem Weg zur Teilhabe“. „Inklusion in der Schule statt Sonderschul-Pflicht“ – diese Einsicht habe sich, so Raststätter, erst ab 1996 mit vier Schulversuchen in Baden-Württemberg entwickelt. Alle Kinder und die Pädagogik hätten davon profitiert. Nun sei es notwendig, die Inklusion in der Bildung besser zu gestalten und nötige Mittel und Finanzen bereit zu stellen.

Werner Raab hatte später die Aufgabe, die Fragerunde zum Bentele-Vortrag zu moderieren. Auch Ex-MdL Rastätter, Karin Kuschner von der Ergänzenden Unabhängigen Teilhabeberatung (EUTB) sowie Beate von Malottki vom Karlsruher Behindertenbeirat stellten sich den Fragen des interessierten und engagierten Publikums. Was die Teilhabe von Menschen mit Behinderung betrifft, so sieht Kuschner in der Einführung des neuen persönlichen Budgets für Menschen mit Behinderung noch viel Potential. Es bedürfe noch viel Beharrlichkeit, um die Interessen und Bedürfnisse der Menschen mit Behinderung durchzusetzen, betonte Beate von Malottki vom Karlsruher Behindertenbeirat und nannte als Beispiel die Neugestaltung des Karlsruher Marktplatzes mit einem kontrastreichen Leitsystem.

Renate Rastätter verwies noch auf die Kompetenz der Mitglieder dieses Behindertenbeirats. Ein wichtiges Teilhabe-Thema sei die Bereitschaft von Arbeitgebern, Menschen mit Behinderung zu beschäftigen. Die Rednerinnen und Redner waren sich denn auch einig, bei Nichterfüllung der Schwerbehindertenbeschäftigungsquote höhere Abgaben verpflichtend festzuschreiben. Doch Werner Raab gab auch zu bedenken: „Das reicht nicht aus. Es muss etwas Vorgehen in den Köpfen derer, die Entscheidungen treffen“. Bevor Verena Bentele sich verabschiedete, verriet sie noch, dass sie immer mal wieder in Karlsruhe zu Besuch ist. Und durch Mitabiturienten kennt sie auch die Studienbedingungen am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) für Menschen mit Behinderung. Die schätze sie sehr.

Schlagworte Inklusion

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