1. November 2019
VdK-Zeitung

Ein Jahr landesweite VdK-Wohnberatung in der Praxis: Ehrenamtliche Beratungsteams tagten in Stuttgart

Eine positive Bilanz zogen 24 VdK-Wohnberaterinnen und Wohnberater unlängst bei ihrem Meeting in Stuttgart. Das Treffen im Hotel Maritim diente insbesondere dem Erfahrungsaustausch dieser ehrenamtlichen Mitarbeiter. Schließlich gibt es bereits seit 2018, mithin gut einem Jahr, das erweiterte Wohnberatungsangebot des VdK Baden-Württemberg.

Seit 1995 als VdK-Wohnberaterin aktiv: Ulrike Werner. | © VdK


Denn: Mit dem demografischen Wandel einher, geht der Bedarf an barrierefreien oder zumindest seniorengerechten Wohnungen. Doch daran besteht überall Mangel. So schätzt der Landes-Demografiebeauftragte Thaddäus Kunzmann, dass allein in Baden-Württemberg in den nächsten 20 Jahren rund 486 000 barrierefreie Wohnungen benötigt werden, um älteren Menschen, auch Hochbetagten sowie pflegebedürftigen Personen, das selbstbestimmte Leben in den eigenen vier Wänden zu ermöglichen – so wie sich das die allermeisten Zeitgenossen wünschen.

Angefangen hatte alles mit einem Aufruf in der VdK-Zeitung. Um das VdK-Wohnberatungsangebot in ganz Baden-Württemberg anbieten zu können, brauchte es weitere Beraterinnen und Berater – aus allen Landesteilen. Dank der großen Re-sonanz meldeten sich viele an ehrenamtlicher Wohnberatung interessierte Mitglieder. Zwischenzeitlich haben 40 Interessenten an den Wohnberater-Grundschulungen teilgenommen. Diese Schulungen werden vom Sozialverband VdK Baden-Württemberg in Kooperation mit der Wohnberatung des Deutschen Ro-ten Kreuzes, dem DRK-Kreisverband Stuttgart, angeboten.

Die langjährige DRK-Wohnberaterin Anja Schwarz nahm denn auch an dem Treffen im Maritim teil. In ihrem Eingangsreferat zeigte Schwarz interessante neue technische Hilfen, die für Ratsuchende zunehmend an Bedeutung gewinnen werden. So gibt es ganz neu den sogenannten Tremorlöffel, der es Menschen mit starkem Tremor (Anmerkung der Redaktion: Muskelzittern) ermöglicht, selbstständig zu essen. Viele weitere Beispiele bezogen sich auf die Umwandlung der Wohnung in ein „Smart Home“. Mit Hilfe von Abschaltautomatiken für Wasser und Strom, Bewegungssensoren und vielem mehr, gibt es etliche individuelle Lösungen, um das Leben mit Behinderung oder bei altersbedingten Einschränkungen besser meistern zu können. Referentin Schwarz betonte dabei, dass die Technik einschätzbar, bedienbar, anpassbar und bezahlbar sein müsse. „Ihre Begeisterung für das Thema sprang auf die Teilnehmerinnen und Teilnehmer über“, berichtete VdK-Patienten- und Wohnberaterin Monika Müller der Redaktion.

VdK-Sozialpolitik-Leiter Stefan Pfeil skizzierte die Entwicklung dieses neuen Ser-viceangebots des Landesverbands. Schon lange sei man sich im Sozialverband VdK der großen Bedeutung des Themas bewusst gewesen. Daher gab es bereits seit 1995, zunächst in Radolfzell und Balingen, und später auch in Freudenstadt, Freiburg und Heilbronn regionale VdK-Wohnberatungsangebote, die teils weiterhin existieren. Doch die Praxis habe gezeigt, so Pfeil, dass der Bedarf überall zunimmt, weil viele Menschen, ob behindert oder betagt, nicht in barrierearmen Wohnungen leben, was die soziale Teilhabe erschwert und in nicht wenigen Fällen zu dauerhaften Heimaufenthalten führt. Folgerichtig nahm der VdK Baden-Württemberg im Anschluss an die bundesweite VdK-Kampagne „Weg mit den Barrieren!“ den Ausbau einer landesweiten Wohnberatung in Angriff.

Auch Gruppenarbeit und Erfahrungsaustausch waren beim Meeting angesagt. Dabei wurde schnell klar, dass die ehrenamtlichen Mitarbeiter in den rückliegenden Monaten vielfältige Erfahrungen im Rahmen der Beratungstätigkeit in Wohnungen und Häusern sammeln konnten. Auch die Zusammenarbeit mit dem VdK-Hauptamt wurde dabei erörtert. So fungiert insbesondere die seit gut 22 Jahren beim VdK als hauptamtliche Fachkraft beschäftigte Wohnberaterin Ulrike Werner seit 2017 als Dreh- und Angelpunkt der neu organisierten Wohnberatung. Das heißt, sie nimmt Anfragen von Mitgliedern, die ihre Wohnungen anpassen wollen, entgegen und gibt sie an den örtlich zuständigen ehrenamtlichen Wohnberater weiter. Dieser vereinbart einen Termin bei dem Ratsuchenden, um sich das Wohnumfeld anzuschauen. Über die besprochenen Vorschläge wird ein Bericht erstellt, welcher dann wieder über das Hauptamt ans anfragende Mitglied versandt wird.

„Die Anbin-dung des Ehrenamts an das Hauptamt wird als sehr wichtiges Qualitätsmerkmal eingestuft“, betonte Werner. Die konstruktive Kritik aller Beteiligten habe aufgezeigt, was sich bereits bewährt habe, in welchen Bereichen Unterstützung für das Ehrenamt von Nöten sei und was in der Organisation noch verbessert werden könne, fasste Ulrike Werner die Diskussion im Plenum zusammen. So wünschen sich die Wohnberater schnellere Wege zwischen Haupt- und Ehrenamt, deutlich kürzere Bearbeitungszeiten für die Beratungsberichte sowie häufigere Treffs zum Erfahrungsaustausch untereinander. Des Weiteren wurde eine Intensivierung der Öffentlichkeitsarbeit zur Bekanntmachung dieses landesweiten VdK-Wohnberatungsangebots angeregt. (Anm. der Red.: Im September schaute das SWR-Fernsehen dem Heilbronner VdK-Wohnberater Herbert Kurz über die Schulter. Kurz beriet eine an Multiple Sklerose (MS) erkrankte Frau, die ihre Erdgeschosswohnung „MS-tauglich“ machen lassen will.)

Abschließend dankte Abteilungsleiter Pfeil im Namen des Landesverbands allen Wohnberaterinnen und Wohnberatern für ihre sehr engagierte und verlässliche Mitarbeit. „Die positiven Rückmeldungen haben uns gezeigt, dass der Erfahrungsaustausch des Wohnberatungs-Teams ein wichtiger Baustein in der Zusammenarbeit und ein wesentliches Element zur Qualitätssicherung darstellt“, so Stefan Pfeil. Zugleich hob er hervor, dass sich die ehrenamtliche VdK-Wohnberatung nach wie vor in der Aufbauphase befindet. „Die zunehmende Zahl der Anfragen zeigt, dass sich der VdK Baden-Württemberg hier für ein wichtiges Projekt mit großem Zukunftspotential entschieden hat“, brachte Sozialpolitikleiter Pfeil die Bedeutung des Angebots auf den Punkt. Zwischenzeitlich hat der Landesverband personell die Wohnberatung aufstocken können und Beraterin Monika Müller steht mit mehr Arbeitszeit für Ratsuchende bereit.

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An einer ehrenamtlichen Wohnberatertätigkeit interessierte Frauen und Männer, die sich in eine bedeutsame und zukunftsweisende VdK-Beratungsarbeit einbringen möchten, können sich an Ulrike Werner wenden. Die hauptamtliche VdK-Wohnberaterin koordiniert zentral die Anfragen von Mitgliedern für einen Beratungstermin aber auch die Aufnahme neuer Ehrenamtler in das VdK-Wohnberatungsteam.

Kontakt: Ulrike Werner, Patienten- und Wohnberatung, Sozialverband VdK Baden-Württemberg, Telefon (0 77 32) 92 36 36, E-Mail: u.werner@vdk.de

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