20. Februar 2017
VdK-Themen

Nachlese: Gehörlosenjugendfestival in Fellbach

Gleichberechtigte Teilhabe und Inklusion mit Gebärdensprache eingefordert

Einsatzfreude pur: das Organisationsteam des Gehörlosenjugendfestivals 2016 mit Festivalleiterin Iris Rommel (mittlere Reihe, Zweite von links); nicht im Bild Salome Gutwein. | © Deutsche Gehörlosen-Jugend e.V.

Im Herbst 2016 stand die Schwabenlandhalle in Fellbach bei Stuttgart ganz im Zeichen der gehörlosen Jugend. Dort öffneten zum dritten Mal die Türen des Gehörlosenjugendfestivals. Das alle vier Jahre veranstalte Festival startete vor zehn Jahren unter dem Motto „Alt und Jung – gemeinsam vorwärts!“ in Frankfurt. Es folgte das Festival 2011 in Berlin unter dem Motto „Bildung mit Gebärdensprache? Pandabären stark!“ und schließlich 2016 das Fellbacher Event unter dem Motto „Inklusion mit Gebärdensprache“.

„Es ist ein kulturelles Angebot für gebärdensprachlich orientierte Kinder und Jugendliche, das von der Deutschen Gehörlosen-Jugend ausgerichtet wird“, betonte Festivalleiterin Iris Rommel gegenüber der VdK-Zeitung. Die „Wilde Löwenjugend“ (WLJ) aus Stuttgart war 2016 Ausrichter in der Schwabenlandhalle. Ziel des zweitägigen Jugendfestivals ist in erster Linie die gleichberechtigte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Es geht darum, ein Bildungsangebot für gehörlose, schwerhörige, taubblinde und andere gebärdensprachlich orientierte Kinder und Jugendliche anzubieten. Die Hauptsprache der Veranstaltung war logischerweise die Deutsche Gebärdensprache. Wie Rommel gegenüber der Redaktion bemängelte, sei es trotz der Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen bis jetzt nicht gelungen, für gehörlose junge Menschen ein vielfältiges kulturelles Bildungsangebot seitens der hörenden Mehrheitsgesellschaft bereitzustellen. Dieses Bildungsdefizit will man denn auch mit dem Festival ausgleichen. Außerdem wollen die Festivalmacher durch die anwesenden Gebärdensprachdolmetscher eine Brücke zwischen Hörenden und Gehörlosen schließen.

Auf der Veranstaltung in Fellbach unter der Schirmherrschaft der Bundesbehindertenbeauftragten Verena Bentele traten zahlreiche Künstler auf, die die Vielfältigkeit der Kultur und der Gebärdensprache aufzeigten. Und speziell für gehörlose Kinder wurde ein buntes Programm mit Poesie, Theater, Musik und Sport angeboten. Ebenso gab es interessante Referate und Workshops. Zu den Höhepunkten zählten hier die politischen Vorträge wie „AFD – eine umstrittene Partei“, „Terror – kein Alptraum sondern Wirklichkeit“ aber auch Vorträge zur Identitätsbildung wie „Deaf Gain“. Dieser soziologische Begriff vereint Fähigkeiten, Stärken, Ausdruck in Mimik und Gestik sowie neuartige Formen der Darstellungskunst. Und Deaf Gain zeigt die vielen Fähigkeiten von gehörlosen Menschen auf. Denn zum Leidwesen der Betroffenen wird noch zu oft vom „Kann-nicht Prinzip“ ausgegangen. In ihren Grußworten bekundeten Vertreter der Deutschen Gehörlosen-Jugend ihren Stolz auf die Gemeinschaft und auf den Zusammenhalt der gehörlosen jungen Menschen. Kinder und Jugendliche hätten endlich wieder die Chance, Bildung in Deutscher Gebärdensprache zu erleben und zu genießen, hoben die Veranstalter hervor.

Auch eine Preisverleihung gehörte in Fellbach zum Festivalprogramm: Auf der Abschlussfeier übergab die Leitung der Deutschen Gehörlosen-Jugend ihren traditionellen Jugendpreis. Er würdigt Personen, die sich aktiv für die Rechte gehörloser Kinder und Jugendlicher und für deren Bildungsangebote stark gemacht haben. 2016 gehörten Doris Goldschmidt, Andreas Sailer und Lars Neuhaus zu den Preisträgern. Dass die Nachwuchsförderung wichtig ist, brachten Vertreter des Präsidiums des Deutschen Gehörlosen-Bunds zum Ausdruck. In den Schulen bleibe oftmals nicht die Zeit, die gesamte Vielfalt der Gehörlosengemeinschaft anzubieten, wurde auch kritisch angemerkt. Verena Bentele lobte das Engagement der vorwiegend ehrenamtlich tätigen Teammitglieder. Und sie bestärkte jeden Einzelnen darin, gemeinsam für eine gerechte und gleichwertige Gesellschaft zu kämpfen. Die Bedürfnisse in Sprache und Kultur sollten erfüllt werden und sie sollten gelebt werden können, so die Behindertenbeauftragte der Bundesregierung. Zum Abschluss der gelungenen Veranstaltung ging ein besonderes Dankeschön ans Organisationsteam, das neben den jeweiligen hauptberuflichen Verpflichtungen seiner Mitglieder über zwei Jahre hinweg das „Jugendfestival 3“ in Fellbach vorbereitet hatte. „Sie haben ihre Ideen und Kreativität eingebracht, viel Zeit und Energie geopfert, damit am Ende dieses tolle Jugendfestival entstehen konnte“, strich Iris Rommel gegenüber der VdK-Zeitung heraus.

VdK-Themen
Rentner mit Gehstock
Der Sozialverband VdK ist für Ältere ein kompetenter Ratgeber im Rentenrecht. Hier finden Sie hilfreiche Tipps und Informationen rund um die Themen Rente und Leben im Alter.
VdK-Themen
Krankengymnastik
Wir beraten unsere Mitglieder zum Thema gesetzliche Krankenversicherung. Hier finden Sie nützliche Informationen, unsere Forderungen sowie Positionen rund um das Thema Gesundheit.
VdK-Themen
Umgekipptes Glas mit Geldmünzen
Von Armut und sozialer Ausgrenzung sind besonders Kinder, Senioren, Alleinerziehende und Langzeitarbeitslose betroffen. Der VdK kämpft für soziale Gerechtigkeit in der Gesellschaft.
VdK-Themen
Demente Seniorin mit Sohn
Der Sozialverband VdK setzt sich für eine menschenwürdige Pflege ein, die die individuellen Bedürfnisse der Betroffenen und deren Angehörigen sichert.

Datenschutzeinstellungen

Wir setzen auf unserer Website Cookies ein. Einige von ihnen sind notwendig, während andere uns helfen, unser Onlineangebot zu verbessern.

  • Notwendig
  • Externe Medien
Erweitert

Hier finden Sie eine Übersicht über alle verwendeten Cookies in externen Medien. Sie können Ihre Zustimmung für bestimmte Cookies auswählen.