4. Februar 2016
VdK-Themen

Barrieren abbauen, BEM praktizieren, behutsam mit sich umgehen

VdK-Obleutekonferenz tagte in Heilbronn

Mit einem intensiven und anspruchsvollen Programm konnte die zweitägige VdK-Obleutekonferenz im Spätherbst im Heilbronn aufwarten. Für die mehr als 50 Obleute der Menschen mit Behinderung und der Schwerbehinderten-Vertrauenspersonen gab es etliche interessante Vorträge, viel Erfahrungsaustausch und wichtige Neuigkeiten. So hatte der Referent für Sozialpolitik beim Landesverband, Stefan Pfeil, den ehrenamtlichen Behindertenvertretern schon eine Vorabinformation zur neuen VdK-Kampagne „Weg mit den Barrieren!“ mitgebracht. Diese bundesweite Kampagne ergänze, so Pfeil, die bereits vom VdK Baden-Württemberg in den letzten Monaten und Jahren unternommenen Maßnahmen zum Abbau von Barrieren wie beispielsweise die VdK-Zeitung zum Hören am Telefon, die VdK-Satzung mit Erläuterungen in sogenannter Einfacher Sprache, die Wahl von Kreisverbandsbeauftragten für Barrierefreiheit und AAL (Alltagsunterstützende Assistenzlösungen) oder auch die Kooperationen mit Architektenkammer, Mieterbund und Sparkassenverband.

Nicht weniger aktuell war der Vortrag von Frank Stroh, dem Heilbronner Kreisvorsitzenden. Er verwies auf die in Heilbronn sehr erfolgreiche Mitgliedergewinnung durch mehr als 20 „Soziallotsen“, die in zwölf Sprechstunden Ratsuchende begleiteten. Ebenso informierte er über die neue VdK-Wohnberatungsstelle in Heilbronn und die diesbezügliche Kooperation mit der Kreishandwerkerschaft.

Mit den Aufgaben, Schwerpunkten und Schwierigkeiten der Schwerbehindertenvertretung im Betrieb befasste sich Frank Lukas vom Integrationsamt. In der Diskussion wurde dann bemängelt, dass für Gehörlosendolmetscher keine Kosten übernommen und dass hier sehr unterschiedliche Leistungen in verschiedenen Bundesländern erbracht würden.

Die beiden Landesobleute Karin Koletzko (Behinderte/Mitte) und Joachim Steck (Schwerbehinderten-Vertrauenspersonen/links). | © VdK

„Arbeitsunfähig und ausgesteuert? Krankengeld und Rehabilitation – Möglichkeiten der gesetzlichen Krankenversicherung“ hieß der Vortrag von Eugen Hägele, Leiter des AOK-Kundencenters in Schwäbisch Hall. In Baden-Württemberg würden jährlich in mehr als 100 000 Fällen Krankengeld in Höhe von insgesamt 568 Millionen Euro ausgezahlt, was etwa fünf Prozent der Gesamtausgaben ausmache. Das Krankengeld-Fallmanagement betreffe neben der Betreuung Hilfe bei Formalitäten, bei der Vermittlung zeitnaher Arzttermine, bei der Herstellung von Kontakten zu Selbsthilfegruppen sowie Hilfe bei Wiedereingliederung und Arbeitsversuch. Insgesamt gehe es um die schnellere und vollständige Genesung in Zusammenarbeit mit Ärzten, Medizinischem Dienst und Arbeitgebern.

Mit der beruflichen Teilhabe trotz Krankheit und Behinderung und den Möglichkeiten der Arbeitslosenversicherung befasste sich Jutta Landvogt, Reha-Beraterin der Arbeitsagentur Stuttgart. Sie beschrieb sehr praxisnah die vorrangig zu erbringenden Leistungen und die Abgrenzung zu anderen Kostenträgern sowie die von Arbeitgebern zu erbringenden Leistungen und die Besonderheiten im Zusammenspiel mit den Jobcentern.

Sodann erläuterte Thilo Präger von der Deutschen Rentenversicherung Baden-Württemberg (DRV) anhand eines Beispiels das Spektrum der Möglichkeiten zur Eingliederung sowie die versicherungsrechtlichen Voraussetzungen für DRV-Leistungen. Präger wies insbesondere darauf hin, dass das Alter grundsätzlich kein Kriterium sei, dass es aber zu Abstufungen beim Arbeitsplatz kommen könne.

Wie das Betriebliche Eingliederungsmanagement (BEM) beim Staatstheater Stuttgart praktiziert wird, zeigte dessen Schwerbehindertenvertreter Johannes Egerer auf. Als ehemaliger Solist ist der Referent seit zehn Jahren Leiter der Stabsstelle Sozialreferat und zwischenzeitlich auch Vorsitzender des Personalrats dieses Unternehmens mit über 1350 Mitarbeitenden. Seit 2005 gebe es dort eine Dienstvereinbarung, die das BEM bei der Stabsstelle ansiedelt und ihm einen zentralen Stellenwert einräume. Denn ein leistungsfähiges Personal als Kapital der Firma könne nur erreicht werden, wenn die Binnenstruktur von der Leitung über die Vorgesetzten einer ethischen Verpflichtung zu einem sozialen Unternehmen folge. Dies seien, so Egerer, Voraussetzungen für den Leistungsstandard des Theaters. Anhand von Beispielen verdeutlichte er die Arbeit: Eine türkische Reinigungskraft wird zur Bürohilfe, eine Tänzerin nach verschiedenen Praktika wieder Tänzerin, ein Bühnenarbeiter geht in den Besucherservice, eine über 50-jährige Ballettpädagogin macht, finanziert von der DRV, eine Schneiderlehre. Konfliktmanagement, Änderung der Arbeitsumgebung, Coaching, Vereinbarkeit von Familie und Beruf durch Einrichtung eines Kindergartens oder auch ein Seminarprogramm zur Burn-out-Prophylaxe, zu Kommunikation und Leitungsverantwortung seien weitere Aufgaben. Alle Mitarbeitenden sollten unter Berücksichtigung ihrer Beeinträchtigung und Fähigkeiten eingesetzt werden. Denn das BEM sei zum Scheitern verurteilt, wenn es lediglich der Herstellung von Rechtssicherheit für den Arbeitgeber diene, ist Johannes Egerer überzeugt.

Mit dem Thema „Resilienz – Wege aus der persönlichen Krise“ befasste sich Heidi Schanbacher, die Leiterin des Sozialreferats der Landesbank Baden-Württemberg.
Das Sozialreferat sei zuständig für rund 11 000 Mitarbeiter inklusive derer, die in den 130 Filialen der Baden-Württemberg-Bank beschäftigt seien. Sie riet, dazu, die Widerstandsfähigkeit durch Achtsamkeit und durch behutsames Umgehen mit sich selbst zu stärken.

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