11. September 2014
VdK-Themen

Nur Gedächtnisstörungen oder schon Demenz?

Vortrag der Alzheimer-Gesellschaft beim VdK Löchgau

Ein Thema, welches vielen älteren Menschen auf den Nägeln brennt, behandelte unlängst der VdK Löchgau gemeinsam mit dem ortsansässigen Krankenpflegeförderverein und dem Förderverein Kleeblatt-Pflegeverein Löchgau: „Mein Kopf lässt mich manchmal im Stich – nur Gedächtnisstörungen oder doch schon eine Demenz?“ Die drei Organisationen konnten Sylvia Kern, die Geschäftsführerin der Alzheimer Gesellschaft Baden-Württemberg, verpflichten. Die renommierte Referentin lockte denn auch mehr als 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer in den Saal des Martin-Luther-Hauses. Auch Löchgaus Bürgermeister Robert Feil war gekommen. Er schilderte die Pläne seiner Gemeinde in Sachen Seniorenarbeit und informierte über den Ausbau des Kleeblatt-Pflegeheims.

Dann sprach Sylvia Kern zur Thematik „Nur Gedächtnisstörungen oder schon Demenz?“ Sie verwies auf die zunehmende Vergesslichkeit mit steigendem Alter. Daher sorgten sich viele Menschen um ihr Gedächtnis. Deshalb setzte sich die Referentin in ihrem Vortrag auch mit der Frage auseinander, „Wann und wie lange sind Gedächtnisstörungen ‚normal’?“, und „Ab wann müssen wir über eine beginnende Demenzerkrankung wie Alzheimer nachdenken?“ Die Alzheimer-Geschäftsführerin redete sogleich Klartext und betonte: „Vogel-Strauß-Politik nützt hier jedenfalls nichts – wir müssen uns mit dem Thema Vergesslichkeit aktiv auseinandersetzen!“ Schließlich sei das Leben mit einer Demenzerkrankung nicht nur ein großer Einschnitt, sondern auch eine gewaltige Herausforderung für den Betroffenen, für die Angehörigen und für das gesamte Umfeld. Zunächst herrsche meist Rat- und Hilflosigkeit und im weiteren Verlauf oftmals eine zunehmende Überforderung. Der Alltag werde zur ständigen Herausforderung, oft begleitet von einer immer stärkeren sozialen Isolation. „Aber muss das so sein? Oder können wir auch lernen, unser Bild von Menschen mit Demenz zu verändern und offener und besser damit umzugehen?“, fragte Kern die Zuhörer.

Menschen mit einer Demenzerkrankung werden künftig immer mehr zu unseren Familien und zu unserem Alltag dazugehören, gab die Geschäftsführerin zu bedenken und betonte, dass es jeden treffen könne, wenn er nur alt genug werde. Sie verwies auf derzeit rund 1,4 Millionen Betroffene in Deutschland und auf 184 000 Demenzkranke in Baden-Württemberg. Nach Schätzungen könnte es bis zum Jahr 2050 eine Verdoppelung der Erkrankungszahlen geben. Sie verwies auf die verschiedenen Demenzformen, das Absterben von Nervenzellen und das Verschwinden von „Lebenstagebüchern“. Bei Alzheimer, häufigsten Demenzerkrankung, seien viele Bereiche auffällig gestört: Zunehmende Vergesslichkeit, neues Lernen sei kaum noch möglich, zunehmende Orientierungsstörungen bezüglich Zeiten, Orten und Personen, gestörtes Denken und Urteilsvermögen, gestörtes Erkennen und Sprachbeeinträchtigungen sowie Auffälligkeiten beim praktischen Handeln.

Sodann erläuterte die Expertin die drei Phasen von Alzheimer – erstens die „Merkwürdige Phase“, zweitens die „Schwierige Phase“ und drittens die „Traurige Phase“. In der ersten Phase komme es zu Vergesslichkeit, Anzeichen von Verwirrtheit, zu Vitalitätsverlust, sozialem Rückzug und Problemen im Alltag wie beispielsweise beim Autofahren oder bei dem Umgang mit Geld. Auch zeigten sich Persönlichkeitsveränderungen. In der zweiten Phase nähmen diese Störungen zu und zudem gebe es ein „schwieriges“ Verhalten, motorische Unruhe und die Selbstständigkeit der betroffenen Menschen sei stark eingeschränkt. In der dritten Phase seien die Erkrankten völlig abhängig, hinzu kämen totaler geistiger und am Ende auch körperlicher Verfall mit Bettlägerigkeit und einer starken Schwächung des Immunsystems. Die häufigste Todesursache sei dann eine Lungenentzündung, so Referentin Kern. Sie verwies auch darauf, dass die Alzheimer-Diagnose meist einen Schock bewirke aber zugleich auch eine Erleichterung bedeute. Und sie beklagte, dass es immer noch zu wenig Wissen rund um Demenz und speziell um Alzheimer gebe. Außerdem hob die Expertin hervor, dass es „den“ Dementen nicht gebe. Schließlich habe jeder Mensch seine individuelle Persönlichkeit und Biografie. Außerdem gebe es ja die verschiedenen Phasen von Demenz, die unterschiedlichen Formen von Demenz, die Sonderfälle wie speziell junge Menschen mit Demenz oder auch die besondere Situation der allein lebenden Menschen mit Demenz.

Sylvia Kern gab in ihrem umfangreichen Vortrag auch wichtige Tipps, wie Angehörige und andere Menschen mit den Betroffenen umgehen sollten. Wichtig seien beispielsweise Zuneigung und Respekt, denn: „Das Herz wird nicht dement.“ Wichtig sei, so Kern, die Betroffenen zu fördern, aber nicht zu überfordern, Spaß und Lebensfreude zu fördern, Rituale und Beschäftigung zu pflegen. Und die Führung solle freundlich aber bestimmt sein. Zugleich sollten die Angehörigen kurze, klare Sätze, langsam sprechen, Blickkontakt pflegen und die Betroffenen auch nicht mit mehreren Botschaften auf einmal überfordern. Auch Ironie und Abstraktionen seien zu vermeiden, da die Erkrankten dies nicht mehr verstehen könnten.

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