28. August 2019
Presse

Statement: Pflegebedürftigkeit wird in Baden-Württemberg zunehmend zum Armutsrisiko

Am 04.06.2019 hatten Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU), Familienministerin Franziska Giffey und Arbeitsminister Hubertus Heil (beide SPD) nach fast einjährigen Beratungen die Ergebnisse der "Konzertierten Aktion Pflege" vorgestellt. Diese sehen verschiedene Maßnahmen vor, um die Situation der Pflegekräfte zu verbessern. Der Maßnahmenkatalog der "Konzertierten Aktion Pflege" beinhaltete zwar eine bessere Bezahlung der Pflegeberufe und es sollen mehr Stellen geschaffen werden – auch für Fachkräfte aus dem Ausland - jedoch lässt die Umsetzung auf Bundes- und Landesebene auf sich warten.

Der VdK fordert mehr Engagement in der Umsetzung der "Konzertierten Aktion Pflege" | © Adobe.Stock.com


Aus diesem Grund hatten am 17.06.2019 der Sozialverband VdK Baden-Württemberg e.V., der Paritätischen Wohlfahrtsverband Baden-Württemberg e.V., der Landesfrauenrat Baden-Württemberg und der Landesfamilienrat Baden-Württemberg eine gemeinsame Landespressekonferenz im Landtag veranstaltet. Das Thema war die schleppende Umsetzung des Maßnahmenpakets der „Konzertierte Aktion Pflege“ in Baden-Württemberg.

Grundsätzlich begrüßt der Sozialverband VdK Baden-Württemberg e.V. den Maßnahmenkatalog, aber wir fordern ein engagiertes politisches Handeln in der Pflege, so Werner Raab, stellvertretender Landesverbandsvorsitzender. Um eine Verbesserung in der Pflege zu erreichen, muss der Pflegeberuf dringend gesellschaftlich aufgewertet werden. Unter anderem durch höhere Löhne, gute Ausbildungs- und Weiterbildungschancen, einen adäquaten Personalschlüssel und eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Aber die Verbesserungen für Pflegekräfte dürfen nicht dazu führen, dass Pflegebedürftige noch mehr für ihre Pflege zahlen müssen als ohnehin schon, so der VdK.

Die Finanzierung der Mehrkosten muss aus Steuermitteln und aus der Pflegeversicherung sichergestellt werden. Auch fordert der Sozialverband VdK Baden-Württemberg e.V., die Leistungen der Pflegeversicherung jährlich automatisch zu dynamisieren.

Gleichwohl darf die Schaffung von stationären Pflegeangeboten nicht vernachlässigt werden – was im Übrigen eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe im Rahmen der Daseinsvorsorge ist und somit Aufgabe des Landes. Hierbei ist zugleich zu berücksichtigen, dass aufgrund des demografischen Wandels vermehrt auch Langzeit-, Kurzzeit-, Tages- und Nachtpflegeplätze in stationären Einrichtungen gerade im ländlichen Raum benötigt werden.

Denn es gibt einen zunehmenden Bedarf an Pflegeheimplätzen. Schon heute werden in Baden-Württemberg 96.181 Menschen (Stand 31.12.2017) in Heimen gepflegt, 2013 waren es noch 90.845 Personen gewesen (Quelle: Statistisches Landesamt). Außerdem sind viele Häuser und Wohnungen nicht altersgerecht und schon gar nicht barrierefrei und technische Assistenzsysteme sind noch zu selten. Dies erschwert die Pflege zuhause zusätzlich, gerade auch, wenn es sich um alleinstehende alte Menschen handelt.

Auch bestimmen zunehmend hohe finanzielle Belastungen für Pflegebedürftige nach SGB XI und erhebliche Leistungsausgrenzungen weiterhin die Pflege. Aktuell liegt der Eigenanteil für Pflegeheimkosten im Bundesdurchschnitt bei 1.831 Euro pro Monat. Die Mehrkosten für bessere Bezahlung und mehr Personal dürfen nicht dazu führen, dass die Eigenanteile von Pflegebedürftigen weiter steigen. Sie führen vor allem im stationären Bereich dazu, dass immer mehr Pflegeheimbewohner Hilfe zur Pflege beantragen müssen. In Baden-Württemberg ist die Zahl der Empfänger von Hilfe zur Pflege nach SGB XII auf 27.770 angestiegen (Stand 2017). Pflege darf nicht arm machen! Der Sozialverband VdK Baden-Württemberg e.V. fordert: Das Land muss pflegebedürftige Heimbewohner bei den auf sie umgelegten Investitionskosten entlasten!
Unterstützen Sie unsere Forderungen mit Ihrer Unterschrift und setzen Sie sich für eine gerechte und angemessene Pflegeversorgung im Alter ein.

- von Silvan Siefert, Referent für Sozialpolitik und Sozialrecht -

PFLEGE MACHT ARM!

Der Sozialverband Baden-Württemberg e.V. fordert: Das Land muss pflegebedürftige Heimbewohner bei den Investitionskosten entlasten!

Ihre Stimme zählt!

Soll das Land die Investitionskosten für Pflegeheime übernehmen?


Alle Infos zur Aktion!

Silvan Siefert

VdK-Themen
Pflegebedürftigkeit wird zunehmend zum Armutsrisiko. Der Sozialverband VdK fordert von der Landesregierung in Baden-Württemberg eine finanzielle Entlastung der Pflegeheimbewohner.
VdK-Gesundheitstag 2018
Weitere Informationen zum Gesundheitstag erhalten Sie unter diesem Link.
VdK-Themen
Rentner mit Gehstock
Der Sozialverband VdK ist für Ältere ein kompetenter Ratgeber im Rentenrecht. Hier finden Sie hilfreiche Tipps und Informationen rund um die Themen Rente und Leben im Alter.
VdK-Themen
Junger Mann im Rollstuhl an seinem Arbeitsplatz
Wir treten für das gleichberechtigte Miteinander von Menschen mit und ohne Behinderung ein. Hier finden Sie aktuelle Informationen und nützliche Tipps rund um die Themen Behinderung und Barrierefreiheit.
VdK-Themen
Demente Seniorin mit Sohn
Der Sozialverband VdK setzt sich für eine menschenwürdige Pflege ein, die die individuellen Bedürfnisse der Betroffenen und deren Angehörigen sichert.
VdK-Themen
Krankengymnastik
Wir beraten unsere Mitglieder zum Thema gesetzliche Krankenversicherung. Hier finden Sie nützliche Informationen, unsere Forderungen sowie Positionen rund um das Thema Gesundheit.
VdK-Themen
Umgekipptes Glas mit Geldmünzen
Von Armut und sozialer Ausgrenzung sind besonders Kinder, Senioren, Alleinerziehende und Langzeitarbeitslose betroffen. Der VdK kämpft für soziale Gerechtigkeit in der Gesellschaft.

Datenschutzeinstellungen

Wir setzen auf unserer Website Cookies ein. Einige von ihnen sind notwendig, während andere uns helfen, unser Onlineangebot zu verbessern.

  • Notwendig
  • Externe Medien
Erweitert

Hier finden Sie eine Übersicht über alle verwendeten Cookies in externen Medien. Sie können Ihre Zustimmung für bestimmte Cookies auswählen.