16. September 2019
Pflege-macht-arm

Roland-Sing-Appell beim VdK-Gesundheitstag 2019
„Sammeln Sie weiter Unterschriften und sprechen Sie Ihre Abgeordneten an!“

Eine gute Zwischenbilanz konnte Roland Sing auf dem VdK-Gesundheitstag 2019 am 14. September in Stuttgart ziehen.

Klare Worte von Landeschef Roland Sing zum Auftakt. | © Klaus Markl


Der Landesverbandsvorsitzende freute sich über die hohe Zahl von rund 1300 Teilnehmern, die sich trotz schönstem Spätsommerwetter in der Liederhalle versammelt hatten. Und er zeigte sich sehr erfreut über die 65 000 Unterschriften, die seit dem Start der VdK-Aktion „Pflege macht arm!“ im Februar 2019 bislang manuell und digital gesammelt worden sind.

Angesichts der enormen Brisanz des Themas, die bei der Podiumsdiskussion und allen Vorträgen der Experten deutlich wurde, rief Sing den Mitgliedern und den Mitarbeitern aus Haupt- und Ehrenamt zu:

„Die Pflegeaktion geht weiter! Und sammeln Sie auch weiterhin Unterschriften!“.

Zugleich appellierte der VdK-Landeschef an die Anwesenden, ihre Bundes- und Landtagsabgeordneten anzusprechen, wie sie die Pflegethematik sehen und wie sie die drängenden Probleme angehen wollen.

Die Unterschriftenaktion geht weiter. | © Klaus Markl

Forderungen zweigleisig verfolgen


Im Beethovensaal verdeutlichte Roland Sing erneut, dass der VdK Baden-Württemberg bewusst zweigleisig verfährt, um zu erreichen, dass insbesondere die pflegebedürftigen Heimbewohner von ihren horrenden Eigenanteilen entlastet werden. In einem ersten und wohl schneller realisierbaren Schritt geht es darum, das Land Baden-Württemberg zur Rückkehr der Investitionskosten-Förderung zu bewegen – ein Unterfangen, das bereits von Teilen der Politik, von Kommunalverbänden, von anderen Sozialverbänden und gesellschaftlichen Organisationen, aber auch vom CDU-Landesfachausschuss für Demografie unterstützt wird.

Vorsitzender Sing bezifferte die Kosten für das Land mit machbaren rund 60 Millionen Euro jährlich und sieht bei den betroffenen Menschen eine monatliche Entlastung um immerhin 150 bis 240 Euro. Wie auch der Bremer Diplom-Gerontologe Thomas Kalwitzki bestätigte, sind die Investitionskosten mit durchschnittlich 440 Euro und teils sogar über 500 Euro monatlich in Baden-Württemberg besonders hoch. Dass die gebeutelten Heimbewohner sogar noch zusätzlich mit fast 40 Euro Monat für Monat an den Kosten der Ausbildungsumlage beteiligt werden, führte zu Unmutsäußerungen im Saal.

Pflegeversicherung verfehlt Ziel von 1995


Neben Sing, Hotz und Kalwitzki bestätigte auch Adelheid von Stösser, die Erste Vorsitzende der Pflegeethik-Initiative, in ihrem Vortrag, dass die gesetzliche Pflegeversicherung ihr Ziel von einst, pflegebedürftige Menschen vor der Sozialhilfe zu bewahren, zwischenzeitlich voll verfehle. Im Rahmen der Podiumsdiskussion herrschte denn auch Einigkeit darüber, dass in einem zweiten Schritt Bundesregierung und Bundesgesetzgeber gefordert seien, die Kostenverteilung gerechter zu regeln. Es könne nicht sein, dass pflegebedürftige Heimbewohner erst Rente und Erspartes aufbrauchen müssen, um dann angesichts der monatlichen Kostenlast von durchschnittlich gut 2100 Euro im Südwesten zum Sozialfall und Taschengeldempfänger zu werden. „Das ist entwürdigend und beschämend“, sagten die Experten unisono. Dabei machte Landeschef Sing keinen Kehl daraus, dass der Sozialverband VdK eine Pflegevollversicherung favorisiert.

Engagierte Diskussion: Roland Sing tauscht mit Thomas Kalwitzki und Adelheid von Stösser (beide im Vordergrund) wichtige Argumente aus, SWR-Redaktionsleiter Axel Graser (hinten links) moderiert. | © Klaus Markl

Für „Solidarische Versicherung“ der Gesamtbevölkerung


Und an die Adresse der Politiker, die hier eine fehlende Finanzierbarkeit monieren, erneuerte er die langjährige VdK-Forderung, gesetzliche und private Pflegeversicherung zusammenzulegen und die Beitragsbemessungsgrenze der Pflegeversicherung der gesetzlichen Rentenversicherung anzugleichen. Sing verwies auf bereits 34 Milliarden Euro, die die private Pflegeversicherung aufgrund ihrer günstigeren Mitgliederstruktur mit besserverdienenden und gesünderen Menschen auf der hohen Kante hat und betonte abermals: „Dieses Nebeneinander von zwei Systemen macht in der heutigen Zeit und bei gleichen Leistungen keinen Sinn. Dies ist auch verteilungspolitisch ungerecht!“

Entlastung der Angehörigen begrüßt


Abschließend konnte er den Mitgliedern bereits einen ersten wichtigen sozialpolitischen VdK-Erfolg in Sachen Pflege vermelden. Denn ab 2020 sollen Söhne und Töchter von Heimbewohnern, die „Hilfe zur Pflege“, also Sozialhilfe beziehen, erst ab einem Jahreseinkommen von 100 000 Euro vom Sozialamt herangezogen werden können. Dies sieht das sogenannte Angehörigenentlastungsgesetz vor, das Mitte August vom Bundeskabinett verabschiedet wurde. Nur zu gut kennen Roland Sing und seine Mitstreiter aus den VdK-Vorständen pflegebedürftige Menschen, die wegen des bisherigen Angehörigenregresses beschämt sind oder von vornherein den Gang zum Sozialamt scheuen.

Bildergalerie vom VdK-Gesundheitstag 2019

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  • Landesverbandsgeschäftsführer Hans-Josef Hotz führte sehr engagiert ins Thema ein.
    Landesverbandsgeschäftsführer Hans-Josef Hotz eröffnete die VdK-Gesundheitstage
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  • Roland Sing: „Wir wären ein schlechter Sozialverband, wenn wir ‚Pflege macht arm!‘ einfach hinnehmen würden.“
    Roland Sing, Landesvorsitzender des Sozialverbands VdK Baden-Württemberg e.V. am Rednerpult
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  • Die Unterschriftenaktion geht weiter.
    Aktionsflyer und Unterschriftenliste "Pflege macht arm"
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  • Auch Referent Thomas Kalwitzki hielt die Zuhörer in seinem Bann.
    Thomas Kalwitzki ist Diplom-Gerontologe an der Uni Bremen,
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  • 1300 Teilnehmersind aus ganz Baden-Württemberg in die Liederhalle Stuttgart für den VdK-Gesundheitstag 2019 angereist.
    Publikum beim VdK-Gesundheitstag 2019 im Beethovensaal
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  • Adelheid von Stösser startete mit einem bedrückenden Praxisbeispiel; rechts im Bild die beiden Gebärdensprachdolmetscherinnen Sabrina Hausmann und Sabine Gebhard.
    Adelheid von Stösser in der Liederhalle beim VdK-Gesundheitstag 2019
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  • Die Teilnehmer der Podiumsdiskussion: (v.l.n.r.) Moderator Axel Graser (SWR-Redaktionsleiter), VdK-Landeschef Roland Sing, Referentin Adelheid von Stösser, die Vorsitzende der Pflegeethik Initiative, und Diplom-Gerontologe Thomas Kalwitzki von der Universität Bremen
    Podiumsdiskussion beim VdK-Gesundheitstag 2019
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  • Podiumsdiskussion vor interessiertem Publikum im Saal und auf der Empore.
    Podiumsdiskussion mit Blick auf 1.300 Teilnehmer des VdK-Gesundheitstags 2019
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  • 1.300 Teilnehmer verfolgten sechs Fachvorträge und eine Podiumsdiskussion.
    Dame im Rollstuhl im Beethovensaal während des VdK-Gesundheitstages 2019
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  • Großer Andrang beim VdK-Stand im Foyer: VdK-Referent Dr. Silvan Siefert (hinten Mitte) informierte.
    Viele Besucher am VdK-Stand im Foyer der Liederhalle
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  • Beeindruckende Kulisse auch für den Landesvorsitzenden Roland Sing.
    Roland Sing mit Blick auf 1.300 Teilnehmer des VdK-Gesundheitstages 2019
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  • 1300 Mitglieder und Gäste im Beethovensaal der Liederhalle.
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(Der Bericht über das Nachmittagsprogramm samt weiteren Bildern folgt in Kürze.)

Weitere Informationen:


Alle Informationen zur aktuellen Pflegeaktion des Sozialverbands VdK Baden-Württemberg e.V. sowie die Online-Abstimmung finden Sie hier:


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