8. Oktober 2018
Presse

„Die hohen Belastungen für gesetzlich Versicherte, Pflegebedürftige und Patienten müssen ein Ende haben!“

Sing erneuert Appell beim VdK-Gesundheitstag in Stuttgart

Über 1000 Teilnehmer – Vorträge, Kabarett und Messe

„Zunehmend hohe Belastungen für Patienten durch Zuzahlungen und erhebliche Leistungsausgrenzungen prägen seit Langem das Gesundheitswesen und vor allen Dingen die Pflege“, kritisierte der Vorsitzende des Sozialverbands VdK Baden-Württemberg, Roland Sing, beim großen VdK-Gesundheitstag am Wochenende in der Liederhalle Stuttgart. Vor über 1000 Zuhörern aus allen Landesteilen rief Sing die Politik dazu auf, für mehr Solidarität zu sorgen. Einmal mehr betonte Roland Sing: „Infrastrukturmaßnahmen in der Pflege sind gesamtgesellschaftliche Aufgaben!“ Er bekräftigte die VdK-Forderung, dass Investitionskosten für Pflegeeinrichtungen durch das Land zu tragen sind. Und angesichts von rund 30 Milliarden Euro auf der hohen Kante der privaten Pflegeversicherungen müsse ein Finanzausgleich zugunsten der gesetzlichen Pflegeversicherung her. Denn die zu erwartenden Kostensteigerungen in der Pflege dürften nicht einseitig zu Lasten der gesetzlich Pflegeversicherten gehen. Der Landesvorsitzende erneuerte auch die VdK-Forderung nach Abschaffung der Mehrwertsteuer auf Arznei und erinnerte an die große VdK-Kampagne aus dem letzten Jahrzehnt, als 2,3 Millionen Unterschriften gesammelt und im Bundeskanzleramt abgegeben worden waren. Im Hegelsaal machte sich Roland Sing auch für bezahlbaren festsitzenden Zahnersatz für alle Versicherten stark.

Christoph Gulde, der Vizepräsident des Landesapothekerverbands (LAV), äußerte sich ebenfalls kritisch zur vollen Mehrwertsteuer auf Medikamente. Gulde referierte in der Liederhalle auch über Arzneimittelsicherheit, über Rezeptsammelstellen im ländlichen Raum und er stellte angesichts jüngster Medikamenten-Lieferengpässe und verunreinigter Blutdrucksenker die Frage, ob es richtig sei, wenn die Produktion von Medikamentenwirkstoffen bei nur wenigen Herstellern in Asien erfolge.
Dr. Matthias Fabian, der Vizepräsident der Landesärztekammer, zeigte in seinem Referat, und anhand etlicher Beispiele, die Vorteile der Digitalisierung der Medizin auf. Er riet zur Zuversicht. Zugleich prognostizierte der Internist, dass das persönliche Vertrauensverhältnis Arzt-Patient auch weiter Bestand haben werde. Und in Sachen Telemedizin-Modellprojekte „docdirekt“ in Stuttgart und Tuttlingen sprach Dr. Fabian von guten Erfahrungen.

Dr. Christopher Hermann, der Vorstandsvorsitzende der AOK Baden-Württemberg, rief dazu auf, die Pflege als gesamtgesellschaftliche Aufgabe und Verantwortung zu sehen. Mit Blick auf „Deutschlands größten Pflegedienst – die Angehörigen“ plädierte er für einen Anspruch der pflegenden Angehörigen auf Reha alle zwei Jahre, um Burnout zu vermeiden. Der AOK-Chef warb auch für die Hausarztzentrierte Versorgung (HZV), die die AOK Baden-Württemberg seit genau zehn Jahren praktiziere. Die Lotsenfunktion der Hausärzte gelte es weiter zu stärken.

Der Internist und Diabetologe Dr. Richard Daikeler informierte darüber, dass ein gesunder Lebensstil das Risiko für die koronare Herzkrankheit um 80 bis 90 Prozent reduzieren könne. Er riet in diesem Zusammenhang zu regelmäßiger Bewegung und Ausdauersport, zu Mittelmeerküche, zur Gewichtsnormalisierung, zu klugem Umgang mit Stress und zum „Aus für das Rauchen“. Mit einer Lebensstiländerung könne man auch einen Typ-II-Diabetes in den Griff kriegen.

Privatdozent Dr. Jens Keßler sprach in der Liederhalle von der „Schmerzfreiheit als Recht des Patienten“. Er hob die interdisziplinären Aspekte der Schmerztherapie hervor und informierte darüber, dass die Schmerztherapie heute als eigenständiges Fach in der Medizin angesehen werde. In Zukunft werde es mehr und bessere Schmerzmediziner geben, prognostizierte er.
Zum Abschluss der alljährlichen VdK-Großveranstaltung brachte der Facharzt und Kabarettist Lüder Wohlenberg den Hegelsaal zum Lachen. In seine Bühnenshow unter dem Titel „Spontanheilung“ bezog er spontan auch die beiden Gebärdensprachdolmetscherinnen mit ein. So gab es für das Publikum auch einen kleinen Exkurs in Gebärdensprache.
Eine Ausstellung diverser VdK-Einrichtungen, von Rehaträgern, Sozial- und Behinderteneinrichtungen sowie von Selbsthilfegruppen hatte die VdK-Traditionsveranstaltung in der Liederhalle Stuttgart umrahmt.

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