3. Dezember 2019
Aktuelles

Internationaler Tag der Menschen mit Behinderung

Behindert und selbstbestimmt – Inklusion geht alle was an

Der Weg zu mehr Teilhabe für Menschen mit Behinderung ist noch lang nicht zu Ende. „Es gibt noch viel zu tun“, kündigt Roland Sing, Landesvorsitzender des Sozialverbands VdK Baden-Württemberg e.V. an.

Artikel 3 Abs. 3 unseres Grundgesetzes besagt, dass niemand wegen seiner Behinderung benachteiligt werden. | © VdK


Vor 25 Jahren trat das Benachteiligungsverbot in Artikel 3 des Grundgesetzes in Kraft, welches besagt, dass niemand wegen seiner Behinderung benachteiligt werden darf. Vor 10 Jahren wurde die UN-Behindertenrechtskonvention auch in Deutschland ratifiziert.

Die UN-BRK enthält 50 Artikel, in denen die allgemeinen Grundrechte ausdrücklich im Hinblick auf Menschen mit Behinderung formuliert werden. In Artikel 1 heißt es: „Zweck dieses Übereinkommens ist es, den vollen und gleichberechtigten Genuss aller Menschenrechte und Grundfreiheiten durch alle Menschen mit Behinderungen zu fördern, zu schützen und zu gewährleisten und die Achtung der ihnen innewohnenden Würde zu fördern.“

Wo stehen wir heute?


Für Menschen mit Behinderung hat sich einiges positiv entwickelt. „Dennoch hapert es auch 10 Jahre nach der Unterzeichnung der UN-BRK noch an der Umsetzung“, so Landeschef Roland Sing. Insbesondere bestehen noch zu viele Barrieren in Bahnhöfen, im ÖVPN, in Geschäften und Arztpraxen. Es fehlen aber auch noch Behinderten-Toiletten. Viel schlimmer sind jedoch die Barrieren in den Köpfen der Menschen, die beseitigt werden müssen, ist Roland Sing der Auffassung.

10 Jahre nach Unterzeichnung der UN-Behindertenrechtskonvention hapert es immer noch an der umsetzung. | © VdK


Nach wie vor werden Menschen mit Behinderung in zahlreichen Lebenslagen gegenüber gesunden Menschen benachteiligt, insbesondere in der Arbeitswelt ist dies der Fall.

„Das muss sich ändern und zwar in einem schnelleren Tempo als dem der letzten Jahre,“ fordert Sing. Wäre Barrierefreiheit ein einklagbares Recht, würden sich die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen für alle Menschen nachhaltig verbessern. Schließlich profitieren nicht nur Menschen mit Behinderung von mehr Barrierefreiheit, sondern auch Eltern mit Kinderwagen haben beispielsweise dadurch Vorteile.

Es ist außerdem ein Armutszeugnis, dass weiterhin ca. 38.000 Unternehmen in Deutschland eine Ausgleichsabgabe vorziehen, anstatt eine Person mit Schwerbehinderung einzustellen. Der Sozialverband VdK fordert deshalb eine deutlich höhere Ausgleichsabgabe wie bisher. Seit 2016 sind pro unbesetzten Pflichtarbeitsplatz zwischen 125 und 320 Euro im Monat zu bezahlen.

„Dass Menschen mit psychischer und geistiger Behinderung erst seit diesem Jahr wahlberechtigt sind und das noch nicht einmal flächendeckend in ganz Deutschland, zeigt uns doch sehr deutlich, dass wir eigentlich noch ganz am Anfang stehen,“ betont Roland Sing. In Baden-Württemberg gelten die Wahlrechtsausschlüsse nach wie vor. Wie kann das sein? Auch hier müssen die Wahlrechtssauschlüsse abgeschafft werden!

Ein genereller Wahlausschlüsse ist laut Bundesverfassungsgericht verfassungswidrig - dennoch herschen diese in Baden-Württemberg noch vor | © VdK


„Teilhabe ist noch lange nicht selbstverständlich!“ beklagte auch Werner Raab, Landesvize des Sozialverbands VdK Baden-Württemberg auf der diesjährigen VdK-Landesschulung in Heilbronn und zeigte weiterhin bestehende Diskriminierungen und Barrieren in vielen Bereichen auf.

Die UN-BRK sei zwar bei ihrer Ratifizierung im Jahr 2009 ein „Meilenstein“ gewesen, aber noch lange kein „Schlussstein“.

Um Menschen mit Behinderung in Zukunft mehr Teilhabe und vor allem Selbstbestimmung zu ermöglichen, fordert der Sozialverband VdK gegenüber der Politik:

Unter anderem Nachbesserungen beim Bundesteilhabegesetz (BTHG), aber auch beim Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG), um den Belangen von Menschen mit Behinderung Rechnung zu tragen. Schließlich gibt es fast 7,8 Millionen Schwerbehinderte in Deutschland und bundesweit hat jeder Achte, mithin 10,2 Millionen Menschen, eine amtlich anerkannte Behinderung. Werner Raab stellte denn auch klar: „Es kann jeden von uns treffen!“

Um für die Themen „Inklusion“ und „Behinderung“ bereits in der Jugend zu sensibilisieren, führt der Sozialverband VdK Baden-Württemberg e.V. seit zwei Jahren ein „Schulprojekt“ an baden-württembergischen Schulen durch.

Mit dem Sozialprojekt „Aktiv inklusiv – Gemeinsam verschieden sein“ möchte der Sozialverband VdK den sozialen Zusammenhalt in Deutschland stärken, indem er Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene spielerisch an bestimmte soziale Themen heranführt.

Wie funktioniert ein Rollstuhl? Kann ich damit überall uneingeschränkt hinfahren? Wie fühlt es sich an, blind oder taub zu sein?

Diese und viele weitere Fragen werden im Laufe des Projekttages an verschiedenen Bildungsinstituten in Baden-Württemberg anhand von entsprechenden Hilfsmitteln erfahrbar gemacht.

„Es ist wichtig, bestimmte soziale Themen bei Jugendlichen nicht nur anzusprechen, sondern auch erfahrbar zu machen, um ein besseres Verständnis gegenüber benachteiligten Personen hervorzurufen und bereits von Klein auf zu sensibilieren,“ weiß Roland Sing. „Die Rückmeldungen der Schulen bestätigen, dass dieses Projekt wichtig ist. Die Lehrer sind uns sehr dankbar, dass wir diese Themen mit Ihren Schülern angehen.“

dh

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Britta Bühler
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