vor 4 Tagen
Presse

VdK-Landesvorsitzender Roland Sing zum Jahreswechsel 2018/2019:

„Baustellen in Rente und Pflege angehen!“

Ausgewogene Sozialpolitik wichtig für sozialen Frieden

Dank an VdK-Ehren- und Hauptamt für vielfältige Arbeit

Liebe Mitglieder des VdK Baden-Württemberg,

für den Sozialverband VdK war 2018 ein ganz besonderes Jahr. Unser langjähriger Präsident Walter Hirrlinger hat uns im Alter von 92 Jahren für immer verlassen. Wir sind ihm dauerhaft und unendlich dankbar für seinen Einsatz und sein soziales Engagement für die Menschen, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen. Die Trauerfeier für Präsident Walter Hirrlinger hat sein Wirken und seinen Einsatz für soziale Gerechtigkeit nachhaltig sichtbar gemacht.

Das Jahr 2018 war ein arbeitsreiches, aber auch ein sehr erfolgreiches Jahr. Schließlich konnte unter anderem erreicht werden, dass ab dem 1. Januar 2019 die gesetzliche Krankenversicherung wieder zu gleichen Teilen zu finanzieren ist und dies auch allen Rentnerinnen und Rentnern zugutekommt. Hinzu kommt, dass es Verbesserungen im Bereich der Pflege gibt, insbesondere für Pflegekräfte.

Nach wie vor gilt es, die Koalitionäre dazu zu bewegen, die „Soziale Spaltung“ zu stoppen. Der Sozialverband VdK fordert einen Kurswechsel und setzt deshalb seine gleichnamige Kampagne „Soziale Spaltung stoppen!“ fort. Unsere Kernforderungen sind zu wiederholen:
„Die Rente muss zum Leben reichen!“; „Gesundheit und Pflege müssen bezahlbar sein“; „Altersarmut muss aktiv bekämpft werden!“; „Behinderung darf kein Nachteil sein!“; „Wohnen muss bezahlbar sein“ und „Vermögen muss besser und gerechter verteilt werden!“

Die Koalitionäre sind gewillt Verbesserungen zu erreichen, müssen sich aber an den Forderungen des Sozialverbands VdK messen lassen. Insbesondere das beschlossene Rentenpaket 2018 zur Stabilisierung des Rentenniveaus bei 48 Prozent, die Verbesserung bei der Mütterente, bei der Erwerbsminderungsrente lassen die richtigen Schritte erkennen, die uns dennoch nicht weit genug gehen. Als größter Sozialverband Deutschlands vermissen wir auch die Beteiligung an der eingesetzten Rentenkommission. Dies hält uns aber nicht davon ab, von den dort Beteiligten Weitsicht bis mindestens 2040 zu fordern, um das Rentenniveau generationengerecht und nachhaltig zu sichern.

Eine große Herausforderung wird die zukunftsfeste Finanzierung und Organisation der Pflegeversicherung sein. So schön Sofortprogramme dort sind, müssen die Lösungsansätze doch grundlegender sein. Ein Solidarausgleich der privaten Pflegeversicherung zugunsten der gesetzlichen Pflegeversicherung wäre ein Anfang. Wir halten es für falsch vor diesem Hintergrund, den Pflegebeitrag für die gesetzliche Pflegeversicherung um 0,5 Prozent zum 1. Januar 2019 zu erhöhen.

Altersarmut verhindern

Es gibt weitere Themen für die wir mit Vehemenz eintreten müssen. Es gilt für kommende Generationen Altersarmut zu verhindern. Daher verlangen wir eine Heraufsetzung des Rentenniveaus auf mindestens 50 Prozent. Ebenso müssen wir in Sachen Erwerbsminderungsrente (EM-Rente) weiter am Ball bleiben. Für die sogenannten Bestandsrentner muss es ebenfalls Verbesserungen geben. Und die unsäglichen Abschläge in Höhe von 10,8 Prozent auf die eh schon geringen EM-Renten müssen endlich abgeschafft werden. Sie führen zur Armut der betroffenen Bezieher. Nicht ohne Grund hat das Bündnis gegen Altersarmut in Baden-Württemberg, das jetzt 32 Organisationen umfasst und bei dem der VdK Baden-Württemberg seit Anbeginn maßgeblich mitwirkt, diese und weitere Forderungen zur Armutsprävention aufgegriffen. Denn ohne einen Kurswechsel in der Sozialpolitik geht die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinander. Mithin schwindet der soziale Friede, drohen gewaltsame Auseinandersetzungen und auch Hass auf Minderheiten – heute Flüchtlinge, morgen ausländische Mitbürger, dann Menschen mit Behinderung, chronisch Kranke, Pflegebedürftige, Ältere – nicht auszudenken, wie es weitergehen könnte, wenn nicht gegengesteuert wird.

Bezahlbaren Wohnraum schaffen

2019 wird sich der Sozialverband VdK weiter gezielt für eine soziale Wohnungspolitik einsetzen, denn fehlender bezahlbarer Wohnraum birgt nicht nur sozialen Sprengstoff, sondern führt auch dazu, dass immer häufiger die soziale Infrastruktur der Städte gefährdet ist. Denn wie sollen Pflegekräfte, Krankenschwestern, Busfahrer, Erzieher, Lehrer, Verkäuferinnen und weiteres qualifiziertes Personal gewonnen werden können, wenn es diesen Menschen kaum möglich ist, in der Stadt ihres Arbeitsplatzes oder in umliegenden Gemeinden eine bezahlbare Wohnung zu finden.

Problematisch ist auch, dass barrierefreie und altersgerechte Wohnungen fehlen. Daher bin ich sehr froh, dass der VdK Baden-Württemberg 2018 dank engagierter ehrenamtlicher Mitarbeiter jetzt landesweit eine Wohnberatung anbieten kann. Mittlerweile ergänzen 30 Beraterinnen und Berater unser hauptamtliches Angebot. Für diesen Einsatz danke ich Ihnen sehr herzlich.

Für Menschen einsetzen

Mein großer Dank gebührt den vielen Vorstandsmitgliedern in unseren rund 1200 Orts- und Kreisverbänden, die jahrein jahraus wertvolle örtliche Betreuungsarbeit leisten, Sprechstunden, Veranstaltungen und Ausflüge organisieren und so vielen Menschen eine soziale Heimat bieten. Ebenso richte ich meinen Dank an unsere hauptamtlichen Kräfte, beispielsweise an die mehr als 50 Sozialrechtsreferenten und deren Mitarbeiter. Sie sorgen dafür, dass unsere Mitglieder auch zu ihrem Recht kommen – was die alljährlichen Millionen an Nachzahlungen eindrucksvoll bezeugen. Daher kommt es auch nicht von ungefähr, dass wir in diesem Sommer die markante 230 000er-Mitgliedermarke überschreiten konnten. Auch sonst kann sich unser Mitgliederserviceangebot, seit Jahren konsequent ausgebaut, sehen lassen. Hier sind ebenfalls Ideen und Engagement gefragt. Und, ob im Haupt- oder im Ehrenamt – wir müssen auch stets den Spagat zwischen Erhalt und Weiterentwicklung, Tradition und Fortschritt, analoger und digitaler Welt, Jung und Alt oder auch langjährigen und neuen VdK-Mitgliedern schaffen – eine verantwortungsvolle, zugleich sehr spannende Aufgabe!

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine schöne Advents- und Weihnachtszeit, erholsame Tage zwischen den Jahren und für das Jahr 2019 Gesundheit, Elan, Zufriedenheit und Erfolg!

Ihr Roland Sing
Landesverbandsvorsitzender

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