9. Oktober 2018
Presse

Roland-Sing-Appell beim VdK-Gesundheitstag in Liederhalle Stuttgart

„Die hohen Belastungen für gesetzlich Versicherte, Pflegebedürftige und Patienten müssen ein Ende haben!“

Über 1000 Teilnehmer und viele Aussteller – Vorträge, Kabarett und Messe

„Seit Jahren bestimmen zunehmend hohe Belastungen für Patientinnen und Patienten durch Zuzahlungen und erhebliche Leistungsausgrenzungen das Gesundheitswesen und vor allen Dingen den Bereich der Pflege. „Dies muss ein Ende haben“, forderte der Landesvorsitzende Roland Sing beim großen VdK-Gesundheitstag am 6. Oktober in der Stuttgarter Liederhalle. Dort rief Sing die Politik dazu auf, endlich für mehr Solidarität zu sorgen. Der VdK begrüßt, dass die Zusatzbeiträge in der Krankenversicherung ab 2019 nicht mehr einseitig nur von den Versicherten getragen werden müssen. Gleichwohl kann diese lange vom VdK verlangte Rückkehr zur Parität nur ein erster Schritt sein. Ganz grundsätzlich ist zu fordern, dass die Lohn- und Gehaltsbezogenheit als Basis für die Sozialbeiträge abgelöst wird. Der VdK fordert, künftig das Gesamteinkommen zugrunde zu legen. Außerdem dürfen Infrastrukturmaßnahmen in der Pflege nicht einseitig den gesetzlich Versicherten aufgeladen werden. „Das sind gesamtgesellschaftliche Aufgaben!“, betonte Roland Sing vor über 1000 Zuhörern, die aus allen Landesteilen, teils in Bussen angereist waren. Hohe Eigenanteile, Investitionskosten und Ausbildungsumlagen dürfen nicht weiter den Pflegebedürftigen und ihren Angehörigen zugemutet werden. Sing bekräftigte erneut die VdK-Forderung, dass Investitionskosten für Pflegeeinrichtungen durch das Land zu tragen sind. Angesichts eines Beitragspolsters der privaten Pflegeversicherung von rund 30 Milliarden Euro muss ein Finanzausgleich zugunsten der gesetzlichen Pflegeversicherung her. Die zu erwartenden Kostensteigerungen durch mehr und besser bezahltes Pflegepersonal dürfen nicht einseitig zu Lasten der gesetzlich Pflegeversicherten gehen, sagte der Landesvorsitzende. In seinem Referat „Gesundheit und Pflege müssen bezahlbar sein!“ erinnerte Roland Sing auch daran, dass die mehr als 230 000 Mitglieder, die der VdK Baden-Württemberg zählt, nicht allein das Ergebnis einer guten VdK-Öffentlichkeitsarbeit sind, sondern weil viele Menschen die VdK-Hilfe brauchen und weil sie für ihre sozialrechtlichen Ansprüche kämpfen müssen.

VdK-Einsatz für bezahlbaren Zahnersatz

Den Mitgliedern und Nichtmitgliedern im Hegelsaal versicherte er, dass sich der VdK Baden-Württemberg weiterhin für bezahlbaren festsitzenden Zahnersatz für alle Versicherten einsetzen wird. Mit Blick auf Millionen Menschen, die sich festsitzenden Zahnersatz nicht mehr leisten können, verlangte Sing eine Rechtsänderung. „Denn der billigere herausnehmbare Zahnersatz macht die Nachbarzähne kaputt“, verdeutlichte der Landesvorsitzende. Ebenso erinnerte Roland Sing an die große VdK-Kampagne für eine Absenkung der Mehrwertsteuer (MwSt.) auf Arzneimittel, auf sieben Prozent, im vergangenen Jahrzehnt, die unter der Regie des im Juli verstorbenen früheren VdK-Präsidenten Walter Hirrlinger zu 2,3 Millionen Unterschriften geführt hatte. Wenngleich das Bundeskanzleramt diese Unterschriften damals ignorierte, will der VdK auch hier weiter am Ball bleiben und die Abschaffung der Mehrwertsteuer auf Arznei fordern.

VdK-Gesundheitstag

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  • Roland Sing
    Roland Sing
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  • Dr. med. Richard Daikeler
    Dr. med. Richard Daikeler
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  • Dr. med. Matthias Fabian
    Dr. med. Matthias Fabian
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  • Christoph Gulde
    Christoph Gulde
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  • Dr. Christopher Hermann
    Dr. Christopher Hermann
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  • Hans-Josef Hotz
    Hans-Josef Hotz
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  • Dr. Jens Keßler
    Dr. Jens Keßler
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  • Dr. Christopher Hermann, Vorstandsvorsitzender der AOK Baden-Württemberg mit VdK-Chef Roland Sing.
    Dr. Christopher Hermann, Vorstandsvorsitzender der AOK Baden-Württemberg mit VdK-Chef Roland Sing.
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  • Lüder Wohlenberg, Arzt und Kabarettist
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  • Einen VdK-USB-Stick gab’s beim Glücksrad am Stand des Landesverbands zu ge-winnen.
    Einen VdK-USB-Stick gab’s beim Glücksrad am Stand des Landesverbands zu ge-winnen.
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  • Auch „VdK-Reisen“ war beim Gesundheitstag 2018 präsent; Mitarbeiterin Durdane Incani-Sözalan informiert Landesvorstandsmitglied Wolfgang Latendorf.
    Auch „VdK-Reisen“ war beim Gesundheitstag 2018 präsent; Mitarbeiterin Durdane Incani-Sözalan informiert Landesvorstandsmitglied Wolfgang Latendorf.
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  • Aus dem Grenzgebiet zum Landkreis Würzburg angereist: VdK-Ortschef Sven Hock von Wittighausen-Messelhausen mit Ehefrau.
    Aus dem Grenzgebiet zum Landkreis Würzburg angereist: VdK-Ortschef Sven Hock von Wittighausen-Messelhausen mit Ehefrau.
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  • VdK-Partner seit 50 Jahren und bei vielen VdK-Events präsent: Die ERGO hier beim Gesundheitstag 2018.
    VdK-Partner seit 50 Jahren und bei vielen VdK-Events präsent: Die ERGO hier beim Gesundheitstag 2018.
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  • Interessierte Mitglieder aus Karlsruhe und Tübingen.
    Interessierte Mitglieder aus Karlsruhe und Tübingen.
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Der Vizepräsident des Landesapothekerverbands (LAV), Christoph Gulde, sicherte im Hegelsaal dem VdK die volle Unterstützung der Apothekerschaft in Sachen MwSt.-Absenkung zu. Gulde wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass der Staat an einem teuren Krebsmedikament für 90 Tage weit über 1000 Euro an MwSt. kassiere. Mit Blick auf bekannt gewordene Medikamenten-Lieferengpässe bei Ibuprofen und verunreinigte Blutdrucksenker sagte der Referent: „Die Gesellschaft muss sich fragen, ob es der richtige Weg ist, wenn die Produktion von Medikamentenwirkstoffen bei nur wenigen Herstellern in Asien erfolgt. 80 Prozent aller Wirkstoffe kämen nicht mehr aus Europa. Christoph Gulde erinnerte auch daran, dass es schon seit dem Jahr 1241 Apotheken in Deutschland gibt. Deren Zahl habe bis zum Jahrtausendwechsel zugenommen. Seit 2004 sei ein Rückgang zu verzeichnen. So gebe es in Stuttgart statt 150 noch 110 Apotheken. Gleichwohl ist sich der LAV-Vizepräsident sicher, dass es den Menschen, den Apotheker in der Apotheke, auch weiterhin geben werde. Im Schnitt 24 Apotheken kommen in Deutschland auf 100 000 Einwohner, in Dänemark nur sieben, im EU-Durchschnitt aber 31. Wenngleich es ländliche Gegenden gebe, wo die letzte Apotheke im Ort geschlossen wurde, so könnten die zwischenzeitlich eingerichteten analogen und die digitalen Rezeptsammelstellen wertvolle Hilfe leisten. Und diese bestehenden Angebote würden von den Einwohnern der Gemeinden auch angenommen, bestätigte Gulde.

Vorteile der Digitalisierung für Patienten

Auch Dr. Matthias Fabian, der Vizepräsident der Landesärztekammer, der über die „Medizin 4.0, Kollege Computer und Co.“ referierte, ist sich sicher, dass trotz aller Neuerungen im Zuge der Digitalisierung das persönliche Vertrauensverhältnis Arzt-Patient Bestand haben werde. Er riet dazu, zuversichtlich zu sein und nicht nur „Schwarz und Weiß“ zu sehen. Dank der Digitalisierung, die wie überall in der Gesellschaft, vor der Medizin nicht Halt macht, könnten heute viele Menschenleben gerettet oder Krankheiten besser geheilt werde. So kämen Krankenwägen dank GPS schneller zum Erkrankten oder Verunglückten und Rettungssanitäter könnten sich aufgrund der Digitalisierung in der Klinik Anweisungen für die konkrete Hilfe vor Ort holen und ihrerseits die Klinik über den einzuliefernden Patienten und dessen Symptome vorab informieren. Dr. Fabian wies darauf hin, dass ein Schlaganfall noch Ende der 1980er-Jahre ein schwerer Schicksalsschlag gewesen sei. Dagegen könne man heute, auch dank der Computertomografie besser diagnostizieren und zielgerichteter behandeln. Ebenso seien Computer nötig, um beispielsweise die extrem vielen Daten bei einzelnen Krebserkrankungen und deren genetische Zusammenhänge auszuwerten. Mit Blick auf die jüngsten Telemedizin-Modellprojekte „docdirekt“ in Stuttgart und Tuttlingen (die VdK-Zeitung und das VdK-Gesundheitsmagazin berichteten) sprach der Internist von guten Erfahrungen und prognostizierte eine Ausdehnung auf ganz Baden-Württemberg. Auch Menschen im Alter 70+ seien bei „docdirekt“ dabei. Und dort, wo es beim Patienten keinen PC gebe, könne die Arzthelferin ein Tablet mitbringen und so die Telemedizin nutzbar machen.

Plädoyer für gemeinsames Handeln

Dr. Christopher Hermann, der Vorstandsvorsitzende der AOK Baden-Württemberg, sprach sich dafür aus, „die Dinge gemeinsam nach vorne zu bringe“. Der von einzelnen Personengruppen für sich erzielte Vorteil könne bei so existenziellen Fragen wie Pflege und Gesundheit nur kurzfristiger Natur sein. Dr. Hermann rief dazu auf, die Pflege als gesamtgesellschaftliche Aufgabe und Verantwortung zu sehen. Überhaupt: „Pflege ist keine Schande!“ betonte er. Mit Blick auf „Deutschlands größten Pflegedienst – die Angehörigen“ sagte er, dass sich die AOK dafür einsetzen werde, dass pflegende Angehörige alle zwei Jahre in Reha gehen können, um Burnout zu vermeiden, und nicht nur alle vier Jahre. Der AOK-Chef warb auch für die Hausarztzentrierte Versorgung (HZV), die die AOK Baden-Württemberg seit genau zehn Jahren praktiziert: „Die Hausärzte tragen die Versorgung. Sie behalten den Überblick“. Deren Lotsenfunktion gelte es zu stärken. Zugleich zeigte Christopher Hermann Verständnis für die heutigen Ärzte, die nicht mehr wie ein „Hausarzt alter Schule“, den es immer seltener gebe, leben wollten. Stattdessen könne man neue Konzepte entwickeln, beispielsweise Ärztezentren, wo man auch in Teilzeit arbeiten könne. Auch auf die stationäre Versorgung kam Dr. Hermann zu sprechen. Wenngleich manche Schließung eines kleinen Krankenhauses vor Ort auf Kritik stoße, so müsse man doch bedenken, dass es eine hochqualifizierte medizinische Versorgung aus vielerlei Gründen nur in großen Klinikzentren geben könne. Auch eine Forsa-Studie vom Januar 2018 habe gezeigt, dass 84 Prozent der Baden-Württemberger bei planbaren Operationen lieber in ein großes Krankenhaus wollten. Gleichwohl müsse die medizinische Versorgung überall gesichert werden, hob der Referent hervor und lobte in diesem Kontext ausdrücklich die Landesregierung.

Hinweis der Redaktion: Über das Nachmittagsprogramm mit den beiden Arztvorträgen zur Herz-Kreislauf-Thematik von Dr. Richard Daikeler und zur Schmerzproblematik von Privatdozent Dr. Jens Keßler wird in Kürze ausführlich berichtet, außerdem über das kulturelle Programm-Highlight der VdK-Großveranstaltung mit dem Arzt und Kabarettisten Lüder Wohlenberg, der die Lachmuskeln der 1000 Zuhörer strapazierte.


VdK-Gesundheitstag 2018 – Nachmittagsprogramm

Dr. Richard Daikeler: „Koronare Herzkrankheit zu 80 bis 90 Prozent auf Lebensstil zurückzuführen!“ Auch wertvolle Infos über Schmerzmedizin beim VdK-Gesundheitstag
Novum 2018: Kabarettistisches Medizinprogramm von Lüder Wohlenberg auf Hegelsaal-Bühne

„Rund 2,7 Milliarden mal schlägt das Herz in einem Menschenleben und pumpt dabei 220 Millionen Liter Blut. Diese Pumpe bedarf der Pflege!“, betonte Dr. Richard Daikeler beim VdK-Gesundheitstag 2018 im Oktober in der Stuttgarter Liederhalle. Der Sinsheimer Internist und Diabetologe war erneut vom Landesverband für einen medizinischen Fachvortrag einer VdK-Großveranstaltung verpflichtet worden. Er rief die gut 1000 Zuhörer im Hegelsaal eindringlich dazu auf, den Hauptrisikofaktoren für Herz-Kreislauferkrankungen mehr Beachtung zu schenken: dem hohen Blutdruck, der Zuckerkrankheit (Diabetes), dem Bewegungsmangel, dem Stress, dem Übergewicht und hierbei insbesondere dem viszeralen Bauchfett, sprich schädlichen Bauchspeck, sowie dem Rauchen. 80 bis 90 Prozent der Fälle von koronarer Herzkrankheit seien auf den Lebensstil und solche Risikofaktoren zurückzuführen, so Dr. Daikeler. Der Mediziner lenkte den Blick auch zurück auf die Frühmenschen, die als Jäger und Sammler über 120 000 Generationen hinweg täglich rund 15 bis 19 Kilometer (Männer) zu Fuß zurückgelegt hatten, die Frauen ebenfalls rund neun Kilometer. Demgegenüber würden im heutigen Computerzeitalter, das erst eine Generation umfasst, von den Büromenschen nur noch rund 300 bis 700 Meter am Tag zurückgelegt, gab der Diabetologe zu bedenken. Mehr Bewegung sei daher dringend geboten. Richard Daikeler riet Rauchern eindringlich dazu, mit ihrem Laster aufzuhören und erwähnte in diesem Zusammenhang auch, dass es seit der Einführung von Rauchverboten in Gaststätten vor elf Jahren deutlich weniger Herzinfarkte gibt. Denn: „Wer mit dem Rauchen aufhört, halbiert sein Herzinfarktrisiko“.

Dr. Daikeler, der eine Diabetologische Schwerpunktpraxis betreibt, wies in seinem Fachvortrag darauf hin, dass der Diabetes, der einen Risikofaktor für Herz-Kreislauferkrankungen darstellt, heute sehr gut behandelbar sei. Auch Fettstoffwechselstörungen, ein weiterer Risikofaktor, seien gut behandelbar. Da ein gesunder Lebensstil die koronare Herzkrankheit um 80 bis 90 Prozent reduziere, plädierte Dr. Daikeler für einen gesunden Lebensstil mit regelmäßiger Ausdauerbelastung, Mittelmeerküche, Gewichtsnormalisierung, klugem Umgang mit Stress und mit einem klaren „Aus für das Rauchen!“.

Schon der tägliche halbstündige stramme Spaziergang zeige positive Effekte. Und in Sachen Ernährung sagte der Facharzt: „Die neue Tellermitte sollte das Gemüse sein!“ Auch Obst, frische Kräuter, Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte, magere Milchprodukte, zweimal pro Woche Fisch, Oliven-, Raps- oder auch Sonnenblumenöl, anstelle von eher ungünstigem Palmöl sollten in der Küche zum Einsatz kommen – und wenig Fleisch, „wenn dann am besten Huhn“.
Auch auf die positiven Auswirkungen von Ausdauersport ging Dr. Daikeler näher ein und nannte hier Körpergewicht, Blutdruck-, Blutzucker- und Blutfettwerte aber auch die wichtige Sturzprophylaxe. Wer allerdings eine 30-jährige Sportpause hinter sich habe, sollte vor dem Start seines Sportprogramms einen Check beim Arzt durchführen lassen, gab Dr. Richard Daikeler zu bedenken.

Für einen weiteren hochinteressanten medizinischen Fachvortrag hatte der VdK Baden-Württemberg Privatdozent (PD) Dr. Jens Keßler, gewinnen können. Der Oberarzt an der Klinik für Anästhesiologie im Zentrum für Schmerztherapie und Palliativmedizin der Universität Heidelberg stellte sogleich klar: „Schmerzfreiheit ist ein Recht des Patienten“. Daher werde die Schmerzmedizin mittlerweile als eigenständiges Fach gesehen und entsprechend beim Medizinstudium berücksichtigt. PD Dr. Keßler zeigte sich denn auch zuversichtlich, dass es bald mehr und bessere Schmerzmediziner geben werde. Er riet auch dazu, Schmerztherapie interdisziplinär zu betreiben. Neben den Medikamenten, könnten hier noch Lokalanästhesieverfahren, operative Verfahren, physikalische Maßnahmen, die Neurostimulation aber auch psychosoziale Maßnahmen, zudem ergänzende Maßnahmen wie beispielsweise Akupunktur, Biofeedbacktraining oder Ernährungsberatung in Frage kommen.

Außerdem müsse man neben den biologischen Faktoren stets auch soziale und psychische Faktoren berücksichtigen, zeigte Jens Keßler am Fall eines 56-jährigen Familienvaters mit chronischen Rückenschmerzen und einem Bündel an Problemen und Folgeproblemen anschaulich auf – wie Schonhaltung, Adipositas, Ein- und Durchschlafstörung, leichte Reizbarkeit, Probleme bei der Partnerschaft, sozialer Rückzug bezüglich Freundeskreis und Ehrenamt, Zukunftsängste und finanzielle Sorgen sowie Antriebslosigkeit. In einem solchen Fall brauche es auch psychosoziale Maßnahmen wie Patientenedukation, Schmerzbewältigungsstrategien, Entspannungsverfahren oder auch Psychotherapie. Hilfreich könnten zugleich die Stressreduktion und die Musiktherapie sein. Mit der Musiktherapie habe man beispielsweise in der Palliativversorgung gute Erfahrungen gemacht, informierte PD Dr. Keßler. Abschließend gab er den mehr als 1000 Zuhörern der VdK-Traditionsveranstaltung einen Vers des Dichters Eugen Roth mit auf den Weg:

„Der Weise sagt uns unerbittlich,
Der Schmerz veredle und sei sittlich.
Jedoch er straft sich Lügen glatt,
Sobald er selber Bauchweh hat“.

Dann war die Bühne frei für Lüder Wohlenberg, den Facharzt für Radiologie, Kabarettisten und Moderator in Funk und Fernsehen. Mit Wohlenbergs Bühnenprogramm „Spontanheilung“, dem kulturellen Programm-Highlight des Nachmittags, bestritt der Sozialverband VdK Baden-Württemberg Neuland bei seinem Gesundheitstag. Nach Vorträgen mit sozialpolitischen und sozialrechtlichen Inhalten, mit vielen medizinischen Fakten, Studienergebnissen und ärztlichen Ratschlägen ging es jetzt ganz heiter in der Stuttgarter Liederhalle zu. Denn der Arzt mit dem markanten plattdeutschen Vornamen Lüder nahm den Medizinbetrieb auf die Schippe und sorgte für viele Lacher im Saal. So demonstrierte der frühere Notarzt mit einem Augenzwinkern auch Erste-Hilfe-Maßnahmen und Herzdruckmassagen. Kleine Ausflüge in die Politik konnte sich der Künstler, der als „der Polit-Mediziner unter den Kabarettisten“ gilt, ebenfalls nicht verkneifen. Die Landtagswahlen in Bayern und Hessen und der Politikbetrieb in Berlin in den Sommermonaten 2018 boten auch reichlich Stoff dazu.

Hier finden Sie die Vorträge als Download:

© VdK
© Dr. Christopher Hermann
© Dr. med. Richard Daikeler
© PD Dr. Jens Keßler
© Christoph Gulde

Pressemitteilungen:

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Roland Sing
„Zunehmend hohe Belastungen für Patienten durch Zuzahlungen und erhebliche Leistungsausgrenzungen prägen seit Langem das Gesundheitswesen und vor allen Dingen die Pflege“, kritisierte der Vorsitzende des Sozialverbands VdK Baden-Württemberg, Roland Sing, beim großen VdK-Gesundheitstag am Wochenende in der Liederhalle Stuttgart. | weiter
08.10.2018
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05.10.2018

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05.10.2018
Der Arzt und Künstler Lüder Wohlenberg hatte so seine Anmerkungen zum Medizinbetrieb. | © Priya Bathe/VdK
Auch Erste Hilfe samt Herzmassage wurde von Lüder Wohlenberg mit Augenzwinkern thematisiert. | © Priya Bathe/VdK
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