24. Juni 2019
EINFACHE SPRACHE

„Deutschland ist bei Organspende Nehmerland“

Grünsfelder VdK-Gesundheitstage behandeln aktuelles Thema –
rund 8000 Besucher bei Veranstaltung mit Reha-Messe

„Wie geht es weiter in Sachen Organspende? Kommt die Widerspruchs∙lösung, die der Bundesgesundheits∙minister Jens Spahn bevorzugt? Oder findet der Vorschlag der Fraktionen im Bundestag eine Mehrheit?“ Um dieses Thema ging es am Muttertags∙wochenende zum Auftakt der zweiten VdK- Gesundheitstage in Grünsfeld.

Karin Maag, gesundheitspolitische Sprecherin der CDU/CSU-Bundestags-Fraktion: "84 Prozent der Bundesbürger stimmen einer Organspende grundsätzlich zu, aber nur 36 Prozent gehen den Schritt zu einem Organspendeausweis." | © Seeger


Die Kreisvorsitzenden Kurt Weiland (Tauberbischofsheim) und Werner Seeger (Mergentheim) hatten mit dem Thema Gespür bewiesen. Sie waren die beiden Macher der Veranstaltung. Sie wussten, was die Menschen in den kommenden Monaten beschäftigen wird. Schließlich steht für diesen Herbst die Entscheidung im Bundestag an.
Die große VdK-Veranstaltung im Main-Tauberkreis wurde nach 2017 wieder von den beiden Kreisverbänden ausgerichtet. Sie lockte samstags und sonntags rund 8000 Besucher in die Stadthalle von Grünsfeld, ins Caritas-Seniorenheim, in die Kirche und zu weiteren Orten drinnen und draußen. Die Veranstaltung ging am Samstag offiziell los mit dem Einzug der Fanfaren Kützbrunn. Schon zuvor hatten sich die Besucher in der benachbarten Stadthalle bei 37 Ausstellern informieren können. Es waren Aussteller aus den Bereichen Gesundheit , Pflege und Reha da.
Auch die Polizei war anwesend. Sie gab wichtige Tipps zur Vorbeugung.
Und einen E-Bike-Parcours für Testfahrer gab es. Beim VdK-Stand bestimmte die große Pflegeaktion des Landesverbands das Geschehen. Zum anderen konnte man dort beim großen VdK-Gewinnspiel teilnehmen. Hierzu musste der Teilnehmer den Loszettel der Veranstaltungs∙zeitung richtig ausfüllen und auf ein wenig Losglück hoffen. Drei Frauen und ein Mann hatten einen der Rundflüge mit dem Hubschrauber gewonnen.

Vielseitiges Programm

Kreisvorsitzender Weiland erläuterte in seiner Begrüßungsrede das zweitägige Programm. Außerdem gab es eine umfangreiche Veranstaltungs∙zeitung. Es waren 17 Experten mit ihren Fachvorträgen dabei. Sie sprachen im CARITAS Heim nebenan. Von „A“ wie Allgemeines zum Schwerbehindertenrecht bis „Z“ wie Zahn- und Mundhygiene waren die Themen in der Zeitung aufgelistet. Auch die Pflegeaktion samt der Unterschriftenliste war in der Zeitung als Veranstaltungspunkt erwähnt.
Das große Engagement das diese Veranstaltung ermöglichte, wurde von Landrat Reinhard Frank in seiner Gastrede gewürdigt. Aber auch von Bürgermeister Joachim Markert, von CDU-Landtags-Fraktionschef, Prof. Dr. Wolfgang Reinhart und von VdK-Landesgeschäftsführer Hans-Josef-Hotz. Professor Reinhart sprach von einem Glücksfall für die Region. Er verwies auf die rund 9000 Mitglieder, die die beiden Kreisverbände heute vorweisen können. Bürgermeister Markert erinnerte an das Zitat „Gesundheit ist der größte Reichtum“. Er bescheinigte den VdK-Gesundheitstagen in seiner Stadt, dass sie ganz im Trend der Zeit liegen. Und Landrat Frank sagte auch mit Blick auf die 16 Kliniken und 26 Pflegeeinrichtungen in der Region „Gesundheit ist für uns Menschen grundlegend.“
Die Besucher hörten sehr konzentriert zu, als die Stuttgarter Bundestagsabgeordnete Karin Maag das Thema Organspende behandelte. Die gesundheitspolitische Sprecherin der CDU/CSU-Bundestags-Fraktion erklärte zunächst, wie eine Organspende in Deutschland abläuft. Die Voraussetzungen sind im Transplantationsgesetz von 1997 geregelt. Darin ist zum Beispiel festgeschrieben: Zwei Fachärzte, darunter ein Neurologe müssen den Hirntod des verunglückten Spenders feststellen. Und zwar unabhängig voneinander. In diesem Gesetz ist ebenso geregelt, wer als Lebendspender unter Verwandten in Frage kommen kann. Beispielsweise Ehegatten. Doch es besteht großer und schneller Handlungsbedarf. Denn Deutschland ist bei der Organspende Nehmerland. Maag betonte dies gleich mehrfach mit Blick auf fehlende Organspendeausweise. Auf nur 797 gespendete Organe im Jahr 2017 kamen mehr als 10 000 schwerkranke Menschen, die auf der Warteliste standen. Karin Maag erklärte: 84 Prozent der Bundesbürger stimmen einer Organspende grundsätzlich zu, aber nur 36 Prozent gehen den Schritt zu einem Organspendeausweis. Aber die CDU-Gesundheitsexpertin hofft, dass die aktuelle Diskussion darüber, die Spendenbereitschaft erhöht.

Zwei Gesetzesvorschläge

Karin Maag erklärte ausführlich die beiden unterschiedlichen Gesetzentwürfe, die noch in diesem Herbst zur Entscheidung im Bundestag anstehen werden. Maag selbst hatte erst kürzlich einen Gesetzentwurf als Gegenentwurf zur Widerspruchslösung von Minister Spahn vorgelegt. Diesen Entwurf von Spahn unterstützen auch andere Abgeordnete des Bundestags, wie z. B. Karl Lauterbach von der SPD.
Zu Maags Mitstreitern gehören die Ulmer SPD-Gesundheits- und Sozialexpertin Hilde Mattheis und weitere Abgeordnete wie Annalena Baerbock vom BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, Katja Kipping von DIE LINKE und Otto Fricke von der FDP.
Diese Abgeordneten sprechen sich gegen den Spahn-Vorschlag aus: Ein fehlender Widerspruch darf zur Organentnahme führen.
Denn sie sind der Meinung, dass die Organspende grundsätzlich eine bewusste und freiwillige Entscheidung sein muss. Der Staat könne die Bürger auf die Organspende-Thematik hinweisen anlässlich des Besuchs von Ausweisstellen. Und damit eine bewusste Entscheidung für oder gegen die Organspende anregen. Dabei sollte den Hausärzten eine Beratungsfunktion zukommen. Und es soll ein bundesweites Online-Register zum Registrieren der freiwillig erteilten Zustimmung oder Ablehnung geben.
Demgegenüber sieht die Widerspruchslösung der Abgeordnetengruppe um Jens Spahn dies vor: Der Mensch soll nach seinem Hirntod grundsätzlich als Organspender zur Verfügung stehen, wenn er nicht zeitlebens seinen ausdrücklichen Widerspruch erklärt hat. Dazu soll jeder erwachsene Bürger mindestens dreimal in seinem Leben vom Staat angeschrieben werden.

Weiter ging es im Programm mit dem ausführlichen Lebensbericht von Paralymics-Siegerin Esther Weber. Die Florett- und Degenfechterin hatte als 15-Jährige einen schweren Autounfall und ist seitdem auf einen Rollstuhl angewiesen. Sie war einst für Tauberbischofsheim gestartet. Weber gab dabei auch einen Einblick in die Feinheiten ihrer Sportart. Sie leitete damit wunderbar über zur Fecht∙vorführung von Heiko Strauß aus Tauberbischofsheim und Jörg Dinkelacker aus Reutlingen.

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