5. Oktober 2020
Beratungsfall des Monats

Kommen Sie besser durch die dunkle Jahreszeit mit Vitamin D-Kapseln?

Immer im Herbst machen die Firmen viel Werbung für Vitamine und Nahrungsergänzungsmittel. In Nahrungsergänzungsmitteln sind Stoffe, die der Körper zum Leben braucht. Wer möchte nicht gerne munter und gelassen durch die dunkle Jahreszeit kommen? Zurzeit sind die Menschen noch unsicherer, denn sie haben Angst vor dem Coronavirus und der Covid-19-Erkrankung.

Die VdK-Patientenberaterin Greta Schuler berät unabhängig und neutral. | © visupixel/David Vogt

Frau Sybille P. hat in einem Magazin gelesen, dass Vitamin D-Mangel der Grund für Immunschwäche*, Depression und Haarausfall sein kann. Bisher hat sie nur gewusst, dass die wichtigste Aufgabe von Vitamin D ist, die Knochen und Zähne gesund zu erhalten. Jetzt erfährt sie aus dem Artikel: Die Haut bildet mit Hilfe von Sonnenlicht Vitamin D. Wenn der Mensch älter wird, funktioniert das nicht mehr so gut. Soll Frau P. also doch ein Vitamin D-Präparat im Reformhaus oder in der Apotheke kaufen? Sie ist unsicher. Deshalb fragt sie telefonisch bei der VdK Patienten- und Wohnberatung in Stuttgart nach. Schließlich ist Frau P. 64 Jahre alt. Sie arbeitet als Grafikerin am Schreibtisch bei künstlichem Licht. Außerdem ernährt sie sich meistens vegetarisch.

*Begriffserklärung "Immunschwäche": Normalerweise ist ein Mensch gesund. Dafür sorgt das Immunsystem. Es hat die Aufgabe, Viren und Krankheitserreger vom Menschen fern zu halten. Ist das Immunsystem schwach, kann es sich zum Beispiel nicht mehr gegen Grippeviren wehren und der Mensch wird krank.
Wenn ein Mensch sehr häufig krank ist, sprechen die Ärzte davon, dass dieser Mensch eine Immunschwäche hat. Dann muss der Arzt schauen, wie er helfen kann, damit das Immunsystem sich wieder erholt und der Mensch wieder genauso gesund wird vorher.


Die VdK-Patientenberaterin Greta Schuler sagt: Gesunde ältere Menschen, die abwechslungsreich essen und sich an der frischen Luft bewegen, müssen normalerweise keine Nahrungsergänzungsmittel oder Vitamine einnehmen. Vitamin D ist etwas Besonderes. Deshalb müssen Sie aufpassen, wenn Sie es einnehmen. Bei uns nehmen die Menschen nur etwa 10 bis 20 Prozent Vitamin D über die Nahrung auf. 80 bis 90 Prozent bildet sich Vitamin D in der Haut mit Hilfe von UVB-Licht. Daher ist es wichtig, täglich mindestens 30 Minuten Sonnenstrahlen auf die Haut kommen zu lassen.

„Wer nicht mehr in der Sonne spazieren gehen kann, setzt sich in der kühleren Jahreszeit gut eingepackt mit einer dicken Jacke und einer Decke in die Sonne“, rät Frau Schuler. Die Haut älterer Menschen bildet weniger Vitamin D. Deshalb empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) vor allem Seniorinnen und Senioren über 65: Nehmen Sie kleine Mengen Vitamin D ein. Aber sprechen Sie vorher mit Ihrem Hausarzt. Vitamin D befindet sich besonders in fettem Fisch, Eigelb und Leber. Deshalb sollen Menschen, die vegan oder vegetarisch leben, dem Arzt erzählen, wie sie sich ernähren.

Lassen Sie Ihr Blut untersuchen. So können Sie vorher klären, ob Sie Vitamin D brauchen. Außerdem sollte die Arztpraxis oder die Apotheke überprüfen:

1. Verträgt sich das Vitaminpräparat mit anderen Medikamenten?
2. Vertragen die Menschen das Vitaminpräparat besser, wenn sie es zu einer anderen Zeit einnehmen als die anderen Medikamente?

Tragen Sie die regelmäßige Einnahme in einen Plan (Medikationsplan) ein. Eine Kommission des Bundesamts für Verbraucherschutz und des Bundesinstituts für Arzneimittel hat bereits 2017 festgestellt: Mehr als 20 Mikrogramm Vitamin D sind in Nahrungsergänzungsmitteln nicht sinnvoll. Wer zu viel Vitamin D nimmt, bekommt vielleicht außerdem Kopfschmerzen, Übelkeit, Störungen im Calciumstoffwechsel oder sogar Schäden an den Nieren.

Schützt Vitamin D vor einer Corona-Infektion? Zu dieser Frage hat das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) am 25. Mai 2020 etwas gesagt. Greta Schuler zitiert diese Meldung: „Es sind dem BfR keine Studien bekannt, die belegen, dass die Einnahme von Vitamin-D-Präparaten vor einer Infektion mit diesem Virus beziehungsweise der Auslösung der Erkrankung schützt".

Das bedeutet, das Bundesinstitut für Risikobewertung sagt:
1. Es gibt keine wissenschaftlichen Untersuchungen zu der Frage.
2. Vitamin D schützt nicht vor der Infektion mit dem Virus.
3. Vitamin D schützt nicht davor, dass Menschen an dem Virus erkranken.

Die VdK-Patientenberaterin sendet Sybille P folgende Unterlagen zu:
1. Informationen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE)
2. Ein Infoblatt der Verbraucherzentrale zum „Sonnenvitamin D“
3. Einen Artikel aus dem Öko-Test-Journal
4. Einen Vergleich von Vitamin D-Präparaten.

Sie rät Frau P., beim nächsten Arztbesuch dem Arzt zu sagen, warum sie Angst vor Vitamin D-Mangel hat.

VdK-Tipp:

Fördern Sie die Vitamin D-Produktion des Körpers mit täglichen kleinen Sonnenbädern. Halten Sie zum Beispiel im Winter die unbedeckten Unterarme und Hände in die Sonne. Das können Sie im Büro oder zuhause am Fenster machen. Wenn Sie sich länger in der Sonne aufhalten, denken Sie daran, sich genug vor der Sonne zu schützen. Achten Sie bei der Ernährung auf fetthaltigen Seefisch wie Lachs, Makrele, Sardinen, Hering aber auch auf Eier und Pilze.

Sie denken Sie haben einen Vitamin D-Mangel? Dann sprechen Sie mit Ihrem Hausarzt. Bewegen Sie sich an der frischen Luft. Sport oder Übungen aus Tai Chi, Qi Gong oder Yoga helfen, Muskeln, Knochen und Immunsystem zu stärken. Das Solarium ist nicht zu empfehlen. Denn das hilft dem Körper nicht, körpereigenes Vitamin D zu bilden. Stattdessen erhöhen Sie das Risiko, Hautkrebs zu bekommen.

bü / Übersetzung: Anja Lützen

Schlagworte Vitamin-D | Mangelernährung | Patientenberatung | Beratungsfall des Monats | Greta Schuler | Immunschwäche

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