2. März 2020
Einfache Sprache

Beratungsfall des Monats: IGeL - Warum zahlt die Kasse nicht?

Die Krankenkasse zahlt meistens eine medizinische Untersuchung oder Therapie nicht, wenn der Beweis fehlt, ob diese tatsächlich sinnvoll ist. Ein Arzt kann aber eine solche Leistung als individuelle Gesundheitsleistung (IGeL) anbieten. Dann sollten Sie aber nach dem Sinn und Zweck dieses Angebots fragen und im Zweifelsfall erst einmal ablehnen.

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Erklärung: IGeL heißt individuelle Gesundheitsleistung. Damit sind Leistungen gemeint, für die Patienten selbst bezahlen müssen, da sie nicht von den Krankenkassen bezahlt werden. Warum das so ist erklären wir im folgenden Text.

Julia P. ist umgezogen und hat eine neue Frauenärztin. Beim ersten Besuch rät die Ärztin der 28-Jährigen eine Ultraschall-Untersuchung der Eierstöcke durchführen zu lassen – zur Krebsvorsorge. Diese Untersuchung würde aber nicht von der Krankenkasse bezahlt werden, weil es eine „IGeL“ sei, so die Ärztin. Frau P. lehnt zunächst ab und wendet sich an die VdK Patienten- und Wohnberatung Baden-Württemberg mit der Frage: „Wie kann es sein, dass meine Krankenkasse diese Untersuchung nicht bezahlt, wo doch die Ärztin mir diese Untersuchung empfohlen hat?“

Monika Müller von der VdK Patienten- und Wohnberatungsstelle in Stuttgart erklärt:
„Wenn die Kasse eine medizinische Maßnahme nicht bezahlt, dann liegt es meistens daran, dass ihr Nutzen durch medizinische Studien nicht genug belegt ist“. Geprüft wird dieser Nutzen durch den Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA). Das ist eine Organisation von Spitzenvertretern der Ärzte und Krankenkassen. Sie entscheiden, welche Untersuchungen und Behandlungen von den gesetzlichen Kassen bezahlt werden und welche nicht. „Die Krankenkassen müssen sich an diese Entscheidungen halten“, sagt Monika Müller.

Ärzte dürfen diese Untersuchungen oder Behandlungen, die als Kassenleistung abgelehnt werden, trotzdem als IGeL anbieten. Ebenso wie viele andere Untersuchungen und Behandlungen, über die der Ausschuss gar nicht oder noch nicht entschieden hat. „Daher informieren sich Patienten am besten genau, bevor sie einer Leistung zustimmen, die sie selbst bezahlen müssen“, sagt Monika Müller. Und damit gibt sie einen wichtigen Tipp.

„Die erste Anlaufstelle für Fragen ist Ihre Ärztin, welche Ihnen die IGeL angeboten hat“, erklärt Monika Müller Frau P. Und VdK-Beraterin Müller fügt noch hinzu: „Diese muss Sie als Patientin gründlich aufklären über den Nutzen der Leistung. Und sie muss die Patienten informieren ob es eine vergleichbare Leistung gibt, welche die Kasse bezahlt.

Zudem ist die Ärztin dazu verpflichtet, im Vorfeld zu informieren, was die Leistung kostet, die selbst bezahlt werden muss. Wenn die Ärztin dies nicht tue, so handele sie gegen ihren ärztliche Pflicht, betont Monika Müller. „So empfehlen es auch die Bundesärzte-Kammer und die Kassenärztliche Bundesvereinigung in einem gemeinsamen IGeL-Ratgeber“, erklärt Monika Müller.

Wichtig zu wissen

Die Krankenkasse wird mit großer Wahrscheinlichkeit eine Leistung auch bezahlen, wenn: ein bestimmtes Verfahren wirklich nötig ist und der Nutzen belegt ist.

Zum Beispiel, wenn eine Frau mit unklaren Beschwerden in die Praxis geht. Die Ärztin tastet sie zunächst ab und findet dabei etwas Auffälliges, dann kann es notwendig werden, eine Ultraschall-Untersuchung der Eierstöcke vorzunehmen. Damit soll genauer festgestellt werden, was die Ursache für die Beschwerden ist.
„Wenn es aber keine Hinweise auf Krebs gibt, bringt der Ultraschall als Vorsorge – Maßnahme keine Vorteile“, so Monika Müller. Im Gegenteil: „Durch grundloses Untersuchung kommt es immer wieder zu Fehlalarmen. Am Ende werden so bei Frauen unnötig Eierstöcke entfernt“, gibt Monika Müller zu bedenken.

Tipp:

IGeL sind nie dringend. Fordern Sie als Patientin Ihren Arzt oder Ihre Ärztin dazu auf: genau über Kosten, Nutzen und Risiken aufzuklären. Informieren Sie sich und lassen Sie sich auch von anderen Stellen beraten. Oder holen Sie sich eine ärztliche Zweitmeinung ein, bevor Sie eine Entscheidung für oder gegen eine IGeL treffen.

Weitere Informationen:

Genauere Infos zu Nutzen und Risiken einzelner IGeL-Leistungen finden Sie auf folgenden Internetseiten:

www.igel-monitor.de

Anmerkung: Auftraggeber dieser Website ist der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK).
Auch auf folgender Website erhalten Sie Infos:

www.krebsinformationsdienst.de

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