2. März 2020
Einfache Sprache

DRV-Regionalzentrum Mannheim im Gespräch: VdK-Referenten bei Deutscher Rentenversicherung – Neues und Änderungen im Jahr 2020

Die nordbadischen Juristinnen und Juristen der VdK-Sozial-Rechtsschutz gGmbH Baden-Württemberg kamen unlängst aus dem DRV-Regionalzentrum (RZ) Mannheim zurück. Sie hatten eine Fülle von Fachinformationen erhalten.

Rentenrechtliche Informationen aus erster Hand im RZ Mannheim. | © DRV Mannheim

Juristinnen und Juristen der VdK-Sozial-Rechtsschutz gGmbH vertreten oft Mitglieder – auch in rentenrechtlichen Streitfällen. Auch Bezirksgeschäftsführer Bernhard Gschwender und der Mannheimer Kreisvorsitzende Helmut Gaa hatten an der Fortbildung teilgenommen. Und mit dabei war auch Stellvertreter Hans Stöcklin.

Das Rentenrecht ist kompliziert und es gibt auch immer wieder Änderungen.
Die Tagung widmete sich deshalb dem sogenannten Rentenpakt der Großen Koalition der Bundesregierung. Rentenberater Thomas Tallafuß erläuterte ihn. Ebenso informierte er über die Kommission „Verlässlicher Generationen-Vertrag“, die derzeit Vorschläge dazu macht: es soll ein angemessenes und bezahlbares Rentenniveau der Zukunft erarbeitet werden.

Erklärung: das Rentenniveau ist eine Größenordnung von Zahlen in Prozent. Es geht um das Verhältnis des Durchschnitts-Entgelts zur Standart-Rente. (Es geht nicht um die Rente der einzelnen Person!)
Das Durchschnitts-Entgelt berechnet sich aus dem Durchschnitts-Einkommen aller Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Deutschland.
Mit Standart-Rente meint man: Jemand hat 45 Jahre lang immer den Durchschnittslohn verdient und kann ohne Abschläge in Rente gehen.
Zurzeit ist das Rentenniveau bei 48,16 Prozent.

Die Vorschläge der Kommission sollen im Sommer 2020 der Öffentlichkeit gezeigt werden. Denn die derzeitigen „Haltelinien“ für den Beitragssatz und das Rentenniveau sind erstmal nur bis zum Jahr 2025 sichergestellt. Es bedeutet, dass das Rentenniveau von derzeit 48,16 Prozent nicht unter 48 Prozent sinkt. Der Beitragssatz soll gleichzeitig nicht über 20 Prozent steigen.

Erklärung: Der Beitragssatz zur gesetzlichen Rente wird zu gleichen Teilen von Arbeitgeber und Arbeitnehmer bezahlt. Das ist immer ein bestimmter Prozentsatz des Lohns oder des Gehalts.

Die Stabilität der Altersvorsorge nutzt der ganzen Gesellschaft. Deshalb gibt es einen erhöhten Zuschuss aus Steuergeldern.
Seit Langem bestimmen die Diskussionen um das künftige Renten-Eintrittsalter sowie die Höhe des Rentenniveaus der gesetzlichen Rente das rentenpolitische Geschehen. Auf der Tagung wurde deshalb klargestellt: Das Rentenniveau bildet nur das Verhältnis ab zwischen dem durchschnittlich erzielten Einkommen aller Versicherten im Erwerbsleben zur sogenannten Standart-Rente. Das heißt, der berechneten Rente nach 45 Versicherungsjahren bei stets erzieltem Durchschnittsverdienst. Es bildet nicht die individuelle Rente ab.

Erklärung: die individuelle Rente ist der Betrag, den ein einzelner Rentner oder eine Rentnerin erhält. Diese Beträge sind höchst unterschiedlich.

Weiter wurde auch klargestellt, dass das Rentenniveau in „netto vor Steuern“ ausgewiesen wird. Es berücksichtigt die Sozialausgaben, aber nicht die Steuern.
Thomas Tallafuss erinnerte in diesem Zusammenhang an die Rentenreform der Jahre 2001 und 2004. Sie haben dazu geführt, dass das Rentenniveau sinkt. Neueste Berechnungen der DRV gingen von einer Absenkung auf 44,3 Prozent im Jahr 2030 aus.

Und weitergehende Berechnungen anderer Quellen zeigten, dass das Rentenniveau nach dem Jahre 2030 weiter sinken werde, ohne weitere Reformen. Von etwa 42 Prozent im Jahr 2040 sei die Rede.

Mannheims stellvertretender VdK-Kreisvorsitzender Hans Stöcklin, Kreisvorsitzender Helmut Gaa und die VdK-Sozialrechts-Referentinnen Christine Parthier, Pia Schömer und Claudia Vogt (von links). | © DRV Mannheim

Die DRV-Tagung thematisierte auch die sogenannte Mütterrente II, die seit Januar 2019 gilt und mit weiteren Verbesserungen einhergeht. Danach wird für jedes Kind, das vor 1992 geboren ist, ein halbes Jahr zusätzlich bei der Rente angerechnet. So erhöhen sich die monatlichen Rentenbezüge um bis zu 16,02 Euro in den alten Bundesländern. 15,35 Euro sind es in den neuen Bundesländern. Hierfür ist ein besonderer Antrag nicht notwendig. Auch hier wurde daran erinnert, dass mit dem Begriff „Mütterrente“ eine bessere Anerkennung von Erziehungszeiten für Kinder, die vor 1992 geboren wurden, gemeint ist. Denn sie waren früher nur mit maximal einem Jahr Kinder-Erziehungszeit berücksichtigt worden. (Stattdessen gibt es für Kinder, die ab Januar 1992 geboren wurden, schon seit Längerem drei Jahre.)

Seit dem 1. Juli 2014 wurde mit der „Mütterrente I“ ein zweites Jahr Kinder-Erziehungszeit dem Rentenkonto gutgeschrieben und 2019 mit der „Mütterrente II“ ein weiteres halbes Jahr berücksichtigt. Damit sind pro vor 1992 geborenem Kind bis zu zweieinhalb Jahre Kinder-Erziehungszeit möglich. Dies bedeutet einen weiteren Schritt in Richtung Gleichstellung mit den später geborenen Kindern. Dies verlangt der VdK seit Langem von der Politik.

EM-Renten

Viele Zahlen und Jahreszahlen gibt es auch beim Thema Erhöhung der Zurechnungszeit bei der Erwerbsminderungs-Rente (EM-Rente) zu beachten.
Wenn die EM-Rente ab Januar 2019 begonnen hat, wird die Zurechnungszeit auf 65 Jahre und acht Monate angehoben. Ab 1. Januar 2020 steigt diese Zeit nun schrittweise auf 67 Jahre bis 2031. Dies sorgt für höhere EM-Renten. Denn die Zurechnungszeit stellt erwerbsgeminderte Menschen so, als hätten sie in dieser Zeit mit ihrem bisherigen durchschnittlichen Einkommen weitergearbeitet. Und als hätten sie Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung gezahlt.

Von dieser Ausweitung der Zurechnungszeit werden nach Schätzungen jedes Jahr rund 170 000 Menschen profitieren. Allerdings gilt das nur für Neurentner und nicht für die Erwerbsgeminderten, die schon länger EM-Rente beziehen. Auch das kritisiert der VdK bei der Politik.

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