Einfache Sprache

Digitalen Nachlass vererben

Wer heute ein Testament aufsetzt, sollte auch an den digitalen Nachlass denken. Wir haben Iris Scholz gefragt, was das ist und wie dieser den Erben zugänglich gemacht wird. Iris Scholz ist Freiburger Fachanwältin für Erbrecht und geprüfte Testaments-Vollstreckerin (DVEV).
VdK-Zeitung: Frau Scholz, was versteht man eigentlich unter digitalem Nachlass?
Iris Scholz: Wenn eine Person verstirbt, geht der gesamte Nachlass auf die Erben über. Dazu gehört der Nachlass aus greifbaren Gegenständen wie Konten, Grundstücke. PKW, Hausrat und so weiter. Heutzutage hat in der Regel der Verstorbene auch noch ein Leben im Internet geführt. Er kann mit Behörden und Geschäftspartnern E-Mails ausgetauscht haben. Er kann ein Online-Konto geführt haben. Und online Versicherungsverträge angeschlossen haben. Er kann Verkäufe im Internet abgewickelt haben und Konten wie Pay Pal benutzt haben.
Erklärung der Übersetzerin: Pay Pal ist ein bestimmter Bezahlservice.
Er kann auch digitales Geld, wie Bitcoins erworben haben. Oder er hat einfach ein Facebook-Profil erstellt.
Die Daten kann der Erbe nur in Besitz nehmen, wenn sie auf einem PC oder Stick sind. Wenn die Daten aber außerhalb auf einem fremden Server gespeichert sind, sind sie nicht in der Kontrolle des Erben.
Die Daten, zu denen man nur über das Einloggen auf einem fremden Server gelangen kann, nennt man digitalen Nachlass.
VdK-Zeitung: Warum ist es heute so wichtig, den digitalen Nachlass gut auffindbar zu hinterlassen?
Scholz: Die Erben haben die Pflicht den Nachlass ordnungsgemäß zu verwalten und abzuwickeln. Geschäftsbeziehungen laufen heute zunehmend elektronisch. Die Vertragsunterlagen, Rechnungen und Forderungskonten werden nur noch als E-Mail versendet. Da kann es sein, dass die späteren Erben von bestimmten Vermögenswerten gar keine Kenntnis erhalten. Aber auch von offenen Rechnungen und Zahlungsverpflichtungen des Erblassers hat der Erbe dann keine Kenntnis. Denn die Rechnungen sind ja nicht im Briefkasten gelandet, sondern nur als E-Mail verschickt worden. Deshalb ist es wichtig, dass der Erblasser zu seinen Lebzeiten eine Übersicht über seine Geschäftsbeziehungen im Internet hinterlässt. Gerade, weil die Erben innerhalb von sechs Wochen die Entscheidung treffen müssen, ob sie die Erbschaft annehmen oder ausschlagen.
VdK- Zeitung: Was sollte ich im Vorfeld machen, damit meine Erben nicht eines Tages ratlos vor dem Computer sitzen?
Scholz: Ich empfehle eine Aufstellung anzufertigen, in der ich all meine Benutzerkonten festhalte. Denn der Zugriff auf die digitalen Daten und Vermögenswerte ist immer mit einem Passwort geschützt. Deshalb sollte ich meinen Erben auch noch die dazugehörigen Benutzernamen und Passwörter zur Verfügung stellen. Die Passwörter sollten dabei sicher hinterlegt werden, dass sie nicht von unbefugten Dritten missbraucht werden können. Zum Beispiel von einem Einbrecher. Hier empfehle ich, eine Liste zu erstellen, die auf einem USB-Stick abgespeichert wird. Und dann an einem sicheren Ort verwahrt wird. Wichtig ist es, die Liste immer wieder mal auf den neuesten Stand zu bringen.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist dieser: Es gab Dienste, wie zum Beispiel Facebook, die dem Erben keinen Zugang zum Benutzerkonto erlaubt haben. Auch, wenn der Erbe den Benutzernamen und das Passwort kannte. Aber das ist jetzt durch das Urteil des Bundesgerichtshofs geklärt: Digitale Daten können jetzt von Erben geerbt werden. Umgekehrt gilt: Wenn ich nicht möchte, dass meine Erben Zugriff auf meine digitalen Inhalte bei Facebook erhalten, dann muss ich das in einem Testament ausdrücklich bestimmen. Und auch, wer ansonsten das Zugriffsrecht erhalten soll. Ich kann aber auch einen Testamentsvollstrecker bestimmen mit dieser Aufgabe: bestimmte Inhalte zu löschen, damit die Erben diese nicht bekommen.
VdK-Zeitung: Wo finde ich Checklisten oder Hilfestellungen, um meinen digitalen Nachlass zu ordnen?
Scholz: Inzwischen gibt es unterschiedliche Passwortmanager. Zum Beispiel Keepass, Sedo oder Passwortdepot. Mit denen kann man die verteilten Benutzernamen und Passwörter verwalten. Wenn ein Todesfall eingetreten ist, ohne dass der Erblasser seinen Nachlass geordnet hat, gibt es diese Möglichkeit:
Man kann sich an unterschiedliche Beratungsstellen wenden für Verbraucher. Aber auch Bestattungsinstitute bieten einen Service dafür.
VdK-Zeitung: Was können Anwälte leisten?
Scholz: Rechtsanwälte können behilflich sein. Und zwar, bei der Sortierung der Vermögensverhältnisse. Und bei der Erstellung einer Bestandsaufnahme über das Vermögen. Das ist dann die Grundlage für die Vermögensrechte. Auch hier sind Fachanwälte für Erbrecht behilflich. Anwälte können aber auch dabei helfen:
Wenn der Erbfall bereits eingetreten ist und die Erben nicht wissen, was zu tun ist.
Und auch an diesen Fall sollte man denken: dass man wegen Krankheit, Alter oder eines Unfalls seine eigenen Angelegenheiten nicht mehr selbst regeln kann. Für diesen Fall sollte man eine Vorsorgevollmacht errichten. Am besten mit der Person des Vertrauens. Sie kann dann die Erledigung der Angelegenheiten übernehmen.
Hier sollte man auch dafür sorgen, dass der Bevollmächtigte das digitale Vermögen verwalten kann.
In diesem Fall ist dann wieder die Kenntnis von Benutzerkonten, Benutzername und Passwort erforderlich.
(Fragen zur Vorsorgevollmacht beantwortet die Patientenberatung, siehe Kasten auf Seite II).
VdK-Zeitung: Vielen Dank für das Interview, Frau Scholz!
Die Fragen stellte Priya Bathe, Mitarbeiterin des VdK-Landesverbands.

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