Einfache Sprache

Handy-Technik für Blinde – Fluch und Segen

Winfried Specht vom Blinden-und Sehbehindertenverband Baden-Württemberg im Gespräch mit der VdK-ZEITUNG

Winfried Specht vom Blinden-und Sehbehindertenverband Baden-Württemberg | © Priya Bathe

Alltagsunterstützende Assistenzlösungen (AAL) sind in aller Munde. Bei Smartphones gibt es sie für sehbehinderte Menschen schon eine Weile.
Die VdK-ZEITUNG sprach mit Winfried Specht. Er ist stellvertretender Vorsitzender des Blinden-und Sehbehindertenverbands Württemberg.

Welche Bedeutung hat das Smartphone für sehbehinderte Menschen?
Telefonieren war und ist für sehbehinderte Menschen schon immer wichtig gewesen.
Als die Handys aufkamen, da war die SMS eine Neuerung. Sehbehinderte Menschen konnten damit aber erstmal nichts anfangen.

Das war eine Neuerung, aber mit dem Smartphone kam noch viel Technik dazu.
Ja, je komplizierter ein Gerät wurde, desto höher waren die Einschränkungen für Menschen mit Sehbehinderung und Blinde. Aber zum Glück hat dann ein Anbieter ein Programm für Menschen mit Sehbehinderung und Blinde entwickelt. Das ist ein Programm, das einem die Benutzeroberfläche und den Bildschirm seines Smartphones vorliest. So hatte man eine Stimme, die einem erzählt, welches Programm man gerade aufgerufen hat.

Wann wurden diese Dienste bereitgestellt?
Das war bei Smartphones etwa 2009. Seitdem kann jedes Gerät sofort nach dem Einschalten die verpassten Anrufe oder die Uhrzeit mit einer digitalen Stimme ansagen. Das sind nur ein paar Beispiele. Die Stimme spricht, wenn ich mit dem Finger auf eine entsprechende Stelle tippe. Oder wenn ich über den Bildschirm wische.

Als Sehende ist es etwas schwer für mich das zu verstehen. Erklären Sie doch mal, wie ich eine Telefonnummer mit der Technik auf dem Handy finde.
Wenn ich in das Telefonbuch gehe! Sobald ich mit dem Finger auf das Telefonsymbol tippe, wird mir mitgeteilt: „Telefonbuch“. Dann weiß ich, dass ich dort drücken muss. Im Telefonbuch kann ich durch eine Streichbewegung den Kontakt auswählen und mir die Nummer aussuchen. Mit einem Doppelklick kann ich sie anrufen.

Wurden Sehbehinderte bewusst von der Mobilfunkindustrie beworben?
Nein. Durch die Technik des Smartphones entsteht eher der Eindruck, dass wir nun die ‚eierlegende Wollmilchsau‘ haben. Und dass die Technik nun zum Alleskönner macht. Zum Beispiel, dass man keine Fahrzielangabe mehr in der U-Bahn durch eine Stimme braucht. Man hätte ja das Handy. Aber da bin ich anderer Meinung. Denn es gibt viele Menschen, die erst im Alter von 60 und 70 Jahren eine Sehbehinderung bekommen. Die hatten davor vielleicht mit Technik nicht so viel am Hut. Für sie sollte die bisherige Gewohnheit so bleiben. Wie das Beispiel der Fahrzielangabe in der U-Bahn.

Sie sprechen es an. Blinde oder Sehbehinderte trauen sich manchmal nicht an Smartphones. Was raten Sie denen?
Man kann in jedem Mobilfunkladen einfach ein Gerät ausprobieren oder es sich zeigen lassen. Es gehört aber auch Geschicklichkeit dazu. Wenn bestimmte Bewegungen eingeschränkt sind, kann das schon ein wenig Übung bedeuten, bis man mit dem Smartphone sicher ist. Aber wir vom Blinden-und Sehbehindertenverband zeigen das auch gerne mal bei uns im Verein, ganz in Ruhe. Und wir geben auch Tipps. Wer jedoch nur ein Handy zum Telefonieren nutzen möchte, kann trotzdem noch auf Geräte mit einer Sprachausgabe zurückgreifen.

Welche Bedeutung geben Sie diesem Mobilfunkassistenten in Ihrem eigenen Leben?
Die Technik ist vorwiegend ein Segen für mich als Mensch mit Sehbehinderung.
Aber es geht ja auch um das Zwischenmenschliche. Ich möchte doch auch gerne die Verkäuferin in einem Laden fragen, wenn ich aus 20 Teesorten wählen muss.

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Specht!

Das Gespräch führte Priya Bathe von der Abteilung Marketing und Kommunikation des VdK Baden-Württemberg.

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