8. November 2017
Einfache Sprache

„Wir wollen erzählen und nicht bewerten“

Kirsten Erhardt und Kirsten Jakob berichten in ihrem barrierefreien Blog vom Alltag mit ihren Kindern mit Down-Syndrom.

Erklärung: Down-Syndrom ist eine biologische Veränderung bei der Zellteilung, die am Anfang einer Schwangerschaft entsteht. Dabei wird die Anzahl der Zellen verändert.

© VdK

Kirsten Erhardt und Kirsten Jakob haben einen Blog, also ein digitales Tagebuch.
Es hat den Namen „zwischen Inklusion und Nixklusion“.
Da berichten die beiden Frauen über ihre Erfahrungen mit Inklusion. Aber auch mit Ausgrenzung.
Der barrierefreie Blog in einfache Sprache wurde seit dem Start im Herbst 2016 sehr gut angenommen. Die beiden Mütter konnten mehr als 110 000 Klicks für ihren Blog verzeichnen.
Die Blogadresse ist: https://kirstenmalzwei.blogspot.de
Der Name des Blogs kommt von den beiden Vornamen. Die Frauen nennen sich selbst auch „Kirsten 1 und Kirsten 2“.
Sie haben sich kennen gelernt über die Landesarbeitsgemeinschaft Baden-Württemberg-gemeinsam leben und gemeinsam lernen.
Wir haben mit den beiden Frauen über ihre Beweggründe und ihre Erfahrungen gesprochen.

? Wie kam es zu der Blogidee?
Kirsten 1 (K1)
Wir haben viel mit unseren Kindern und in der Beratung erlebt und machten nichts daraus. Das hat mich umgetrieben. So ist mir die Idee zu kleinen Geschichten gekommen. Einfach und zu einem Punkt zusammengefasst.
Kirsten 2 (K2)
Ich habe so bei mir gedacht: Wer will das denn lesen? Aber es wollen viele lesen!
K1
Ich glaube, wir erreichen viele Menschen, die nicht mehr über große theoretische Erläuterungen reden wollen, wie in den Talk-Sendungen.
? Um was geht es in Ihren Geschichten?
K2
Wir versuchen über Geschichten zu schreiben, die in Wirklichkeit passiert sind. Oder so ähnlich abgelaufen sind. Wir wollen zeigen, was im Alltag mit Kindern mit Behinderung und deren Eltern passiert. Und zwar, im Blick auf Inklusion oder Ausgrenzung. Wir wollen keinesfalls einzelne Menschen, Lehrkräfte oder Schulen in die Pfanne hauen. Es geht uns darum, wie die Betroffenen es erleben und sehen.
Kurz und knapp und ohne Wertung.
K1
Wir wollen erzählen und vor allem wirken lassen. Jeder Leser macht mit der Geschichte was er will. Alles andere wäre belehrend. Es gibt nicht „die Behinderten“.
? Ihre Geschichten werden mit „DER JUNGE oder DAS MÄDCHEN“ erzählt, warum so unpersönlich?
K1
DER JUNGE und DAS MÄDCHEN sind Namen für unterschiedliche Kinder mit Behinderung. Mal geht es um ein blindes Kind, mal um ein Rolli-Kind. Es gibt ja keine Gruppe von „die Behinderten“.
K2
Eltern reagieren oft sehr interessant: Habt ihr neben unserem Kind gestanden? Woher wisst ihr, wie das war?, werden wir oft gefragt.
Daran sehen wir, die Geschichten sind offenbar ganz typisch für Kinder mit Behinderung und deren Eltern. Da zeigen sich Gruppenerfahrungen, zum Beispiel ausgegrenzt zu werden. Oder die Gedankenlosigkeit der Umwelt.
? Wie waren die Reaktionen in Ihrem direkten Umfeld, zum Beispiel von Lehrkräften?
K1
Wir haben viele positive Reaktionen bekommen. Leute, die sich ertappt fühlen, werden nichts sagen. Manchmal fühlen sich Lehrkräfte angesprochen, obwohl wir sie gar nicht gemeint haben. Das zeigt, dass manche Verhaltensweisen sehr verbreitet sind.
K2
Viele Eltern haben uns gesagt, dass wir genau über den Alltag schreiben.
? Was wünsche Sie sich für die Zukunft im Hinblick auf Inklusion?

K2
Dass es in Zukunft ganz normal ist, dass ein Kind mit Behinderung in seinem Stadtteil eingeschult wird. Dass Heranwachsende nach der Schule genauso selbstverständlich auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt arbeiten können.
Auch beim Wohnen soll es genauso problemlos die nötige Unterstützung geben. Egal, ob jemand in einer inklusiven Wohngemeinschaft lebt oder in der eigenen Wohnung. Jeder soll selbstbestimmt leben können.
K1
Ich wünsche mir, dass Menschen ihre Energie für die Unterstützung von Inklusion einsetzen. Besonders von denen, die eigentlich gegen Inklusion sind.
Es geht doch um Ideen und das Machen. Das wird die Trennung von „Normalos“ und Menschen mit Behinderung aufbrechen. Dafür braucht es nicht immer nur das liebe Geld.
Wir brauchen für unseren Blog nur Ideen, den Willen, es zu machen.
Wir brauchen Energie und einfach Zeit.

Erklärung: Dieses Interview beinhaltet leichte Abänderungen der wörtlichen Reden, damit es einfacher zu lesen ist.

Das Originalinterview führte Priya Bathe. Es ist zu finden unter:
www.vdk.de/bawue-marketing unter der Rubrik „Aktuelles“.

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