Einfache Sprache

„Nicht über uns ohne uns!“

Inklusionsaktivist und Kommunikationsexperte Raúl Krauthausen in Heilbronn

Bei der 15. VdK-Landesschulung in Heilbronn sprach auch Raúl Krauthausen.
Er ist Inklusionsaktivist und Kommunikationsexperte. Er hat ein Buch geschrieben mit dem Titel „Dachdecker wollte ich eh nicht werden. Das Leben aus der Rollstuhlperspektive“.
Bei der Großveranstaltung 2017 in der Harmonie Heilbronn waren 550 Behindertenvertreter und Arbeitnehmervertreter. Die Veranstalter befassten sich mit Teilhabe, gesundheitsfördernde Arbeitsbedingungen, mit altersgerechtem Arbeiten und mit dem Betrieblichen Eingliederungsmanagement (BEM).
Erklärung: BEM ist die Abkürzung für: „Betriebliches Eingliederungsmanagement“.
Damit ist das gemeint: Für Menschen, die länger als 6 Wochen in einem Jahr arbeitsunfähig waren, gibt es bestimmte Möglichkeiten einer Wiedereingliederung im Arbeitsleben.

Inklusionsaktivist und Kommunikationsexperte Raúl Krauthausen | © VdK

Krauthausen gab seine Sicht auf diese Inklusionsthematik, mal sehr nachdenklich stimmend, mal humorvoll. Dazu war er eigens aus der Hauptstadt Berlin angereist.
Vom Moderator und VdK Landesobmann Joachim Steck wurde er zu Recht als Höhepunkt angekündigt.
Krauthausen hat die Glasknochenkrankheit und ist auf den Rollstuhl angewiesen.
Wäre es nach seinem Lehrer gegangen, wäre er in einer Werkstatt für behinderte Menschen gelandet. Dann hätt er keinen Zugang zum allgemeinen Arbeitsmarkt gefunden. Nach seinen Worten wäre er in der „Schonraumfalle“ gelandet und hätte bei sehr geringem Entgelt gearbeitet. Doch es kam anders. Auch dank seiner Mutter. Sie wusste genau, was in ihm steckt und ließ nicht locker, als es um die schulische Bildung ging. Und um die spätere Ausbildung. Der 37 jährige Krauthausen ist jetzt studierter Kommunikationswirt und ausgebildeter Telefonseelsorger. Er wirkte beim Berliner Radiosender Fritz. Und er war Mitglied der 16. Bundesversammlung, die den früheren Bundespräsidenten Joachim Gauck wählte.
Seit Herbst 2015 moderiert er eine TV-Talkshow auf Sport 1. Er ist dank seines sozialen Engagements Träger des Bundesverdienstkreuzes am Bande. Er hat einen gemeinnützigen Verein gegründet unter dem Titel „Sozialhelden“. Der Verein soll eine Art Denkfabrik sein für soziale Projekte und gibt Anregungen.
Er legt aber auch den Finger in so manche Wunde.
Krauthausen ist heute häufiger Ansprechpartner für Journalisten bei den Themen,
Menschen mit Behinderung, Barrierefreiheit und Inklusion. Er gibt Tipps.
Zum Beispiel: Bilder nicht von unten zu machen oder von oben. Denn ein Rollstuhl von unten fotografiert erscheint bedrohlich. Von oben eher niedlich.
Krauthausen bemängelt auch die häufig verwendeten Formulierungen „trotz seiner Behinderung“ und „an den Rollstuhl gefesselt“. Den Betroffenen geht es nämlich um Teilhabe am sozialen Leben und nicht unbedingt darum, was sie nicht können, wie zum Beispiel, das Laufen. Insbesondere ist es ihm ein Anliegen das Bild von Behinderung in der Öffentlichkeit zu verändern. Denn in den meisten Fällen werden die Menschen erst durch die Gesellschaft mit ihren vielen baulichen und sonstigen Barrieren behindert. Er beklagt auch, dass Menschen mit sogenannter geistiger Behinderung systematisch aussortiert werden.
Im Vorfeld der Bundestagswahl sprach er sich auch dagegen aus, dass Menschen mit Betreuung in allen Angelegenheiten nicht wählen dürfen. Zugleich riet er dazu, genauer hinzusehen: „Denn nicht überall, wo Inklusion draufsteht ist auch Inklusion drin!“ Und er erinnerte am Schluss daran: „Nicht über uns ohne uns!“ Ein Satz, der gerade vor den Wahlen und den anschließenden Koalitionsvereinbarungen eine besondere Bedeutung bekommt.
Erklärung: Koalitionsvereinbarungen sind Vereinbarungen, die zwischen verschiedenen Parteien getroffen werden. Darin werden Punkte festgelegt, die den einzelnen Parteien für eine Regierung wichtig sind.

(Anmerkung der Redaktion: Die 16. VdK-Landesschulung für Behindertenvertreter und Personalvertreter findet am 4. Juli 2018 statt.)

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