13. April 2017
Einfache Sprache

Glück kennt keine Behinderung

Eine Ausstellung zeigt selbstbewusste Menschen mit Down-Syndrom.
Ausstellungseröffnung ist am 22. April in Tübingen

Jenny Klestil fotografiert seit 2015 kostenlos Menschen mit dem
Down-Syndrom. Sie selbst sagt dazu aber: Menschen mit Sonderausstattung.
Aus der Idee vor fast zwei Jahren ist ein Fotoprojekt entstanden. Es heißt:
„Glück kennt keine Behinderung“.

Klestil hat inzwischen über 450 Menschen mit Down-Syndrom fotografiert.

Erklärung der Übersetzerin: Down-Syndrom ist eine biologische Veränderung bei der Zellteilung, die am Anfang einer Schwangerschaft entsteht. Dabei wird die Anzahl der Zellen verändert.

Klestil hat eine Wanderausstellung damit gestartet.
Sie ist alleinerziehende Mutter und hat drei Kinder.
Wir haben mit ihr gesprochen.

? Frau Klestil, wie kam es zum Projekt „Glück kennt keine Behinderung?“
Ich habe schon viele Jahre Fotos gemacht, die nicht alltäglich sind.
Ich habe zum Beispiel chronisch kranke Kinder mit ihren Familien fotografiert.

Erklärung der Übersetzerin: chronisch krank bedeutet: eine Erkrankung ist dauerhaft da. Sie heilt nicht aus.

Zum Welt-Down-Syndrom-Tag am 21.März hatte ich eine Idee:
Ich habe über meine Facebook-Seite Menschen mit Down-Syndrom eingeladen.
Sie konnten sich bei mir kostenlos fotografieren lassen.
So habe ich meine ersten fünf Familien geknipst und kennengelernt.
Das Ganze ist unheimlich schnell explodiert. Das ist positiv gemeint.
Irgendwann habe ich gedacht: ‚Diese Bilder musst du zeigen‘.
So kam es zur ersten Ausstellung im August 2015 in der Kinderklinik Köln.
? Zu Ihnen kommen viele Menschen aus allen Altersgruppen.
Das jüngste Model war 9 Tage alt, das älteste 47 Jahre.
Was fällt Ihnen besonders an der Arbeit mit Down-Syndrom-Menschen auf?

Ich habe Menschen, die der Fotografie gegenüber sehr offen sind.
Es gibt keine Eitelkeit.
Manche Menschen umarmen mich oder geben mir ein Küsschen.
Diese Bescheidenheit merkt man auch den Familien an.
Bei ihnen muss nicht alles perfekt sein, wie das vielleicht in anderen Familien
bei einem Fototermin wäre.
Wenn beim Fotografieren etwas Gutes rauskommt, ist das schön.
Wenn nicht, dann ist das ebenso.
Und das ist genau die Schwachstelle bei uns Menschen ohne Down-Syndrom:
Wir bleiben oft in der Oberflächlichkeit.

? Welche Botschaft wollen Sie mit den Bildern weitergeben?
Die Behinderung steht nicht im Mittelpunkt, sondern der Mensch, wie er in diesem Moment fühlt.
Menschen mit Down-Syndrom können den Moment beim Fotografieren ohne Planung einfach genießen.
Es gibt keine 200 Notlügen am Tag, sondern ein klares ja oder nein.
Ich nehme oft meine 4 Jahre alte Tochter Rosalie zu den Ausstellungen mit.
Sie soll in Kontakt kommen mit diesen Menschen und ihren Familien.
Ich halte Inklusion auch im persönlichen Kontakt für sehr wichtig.

? Bei Ihren Ausstellungen sind hauptsächlich Schwarz-Weiß-Fotografien zu sehen. Hat das einen Grund?
Bei Schwarz-Weiß werden Gesichtsvorzüge besser herausgeholt.
Der Hintergrund ist nicht so stark.
Oft stehen die Fotos im Krankenhausgang oder auf dem Spielplatz.
Durch das Schwarzweiße entsteht eine gewisse Einheitlichkeit.

? Sie fotografieren inzwischen nicht mehr bei sich im Studio, sondern in einem mobilen Studio. Wie kann ich mir das vorstellen?
Für Familien war es in der Vergangenheit sehr aufwendig zu mir nach Hause zu fahren. Aus diesem Grund fotografiere ich jetzt bei der Ausstellung.
So kann man sich, auf der einen Seite, die Ausstellung ansehen.
Auf der anderen Seite kann man sich bei der Ausstellung bei mir fotografieren lassen.
Jede Familie bekommt im Anschluss 5-10 Abzüge von den Aufnahmen geschenkt.
Und sie wird automatisch Teil des Projekts „Glück kennt keine Behinderung“.
Das heißt, diese Fotografien werden bei meiner nächsten Ausstellung verwendet.

? Wenn Sie von Menschen mit Behinderung reden, sprechen Sie von Menschen mit Sonderausstattung. Warum?
Ich finde die Bezeichnung „mit Behinderung“ schäbig.
Wer von uns hat denn alles perfekt? Behinderung ist keine Brandmarke.
Denn jeder hat eine Sonderausstattung und kann damit punkten.
Zum Beispiel: Attraktivität, Humor, charmantes Lächeln, mit Down-Syndrom oder im Rollstuhl sitzen.
Daher habe ich dieses Wort gewählt. Ich möchte auf eine Vielfalt aufmerksam machen. Es wäre nämlich ganz schön langweilig ohne all diese Menschen.

? Frau Klestil, danke für das Gespräch.

Erklärung zu Texten in einfacher Sprache:
Es werden Inhalte von Originaltexten verständlich übersetzt.
Dieses Gespräch haben wir einfacher gemacht.
Die Genauigkeit der Fragen und Antworten,
kann in den Originaltexten nachgelesen werden.

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