Einfache Sprache

Tinnitus: Ohrgeräusche ohne Ende?

Jeder Mensch hat diese Tatsache vermutlich schon einmal erlebt:
Die Ohren klingeln zum Beispiel nach einem lauten Konzert
oder nach dem Gebrauch einer lauten Maschine.
Das Klingeln kann auch noch da sein, wenn der Lärm schon längst aufgehört hat.
Diese Ohrgeräusche oder dieses Pfeifen nennt man Tinnitus.
Meistens verschwindet der Tinnitus schnell wieder.
Manche Menschen haben diese Geräusche aber eine ganze Zeitlang ohne Pause.
Manchmal sind diese Geräusche sogar über Monate oder Jahre da.
Das sagt Monika Müller von der Patientenberatung und Wohnberatung des VdK Baden-Württemberg in Stuttgart.
Frau Müller sagt zudem: „Rauschen oder Klingeln im Ohr kann eine große Belastung sein für diese Menschen“.
Zum Beispiel verließ Thomas M. kaum noch das Haus, als die Geräusche nicht mehr weg gingen.
Er konnte seine Arbeit als Feinmechaniker nicht mehr machen.
Zudem konnte er nicht mehr an privaten Feiern teilnehmen oder an Aktivitäten in einem Sportverein.
Seine Stimmung wurde sehr schlecht.
Frau Müller sagt: „Die Ursache eines Tinnitus ist in den meisten Fällen nicht festzustellen.“
Sie sagt außerdem, dass Tinnitus keine Art Hörverlust ist. Die Hörfähigkeit wird dadurch nicht schlechter.
Wenn das aber doch vorkommt, dann ist die Ursache dafür nicht der Tinnitus.
Manchmal kann ein Tinnitus ein Anzeichen sein für eine andere Erkrankung.
Zum Beispiel für die Menière-Krankheit.
Sie macht sich, außer durch Ohrgeräusche, auch durch Hörverlust und Schwindel
bemerkbar.
Tinnitus kann auch dann entstehen, wenn eine Geschwulst des Hörnervs da ist.
Es kann auch eine Nebenwirkung von Medikamenten sein. Zum Beispiel, von Acetylsalicylsäure (ASS). Das ist ein Schmerzmittel.
Es kann auch als eine Nebenwirkung von Chinin auftreten. Chinin ist ein chemischer Stoff. Er kann Fieber senken.
„Dies muss der Arzt im Voraus abklären“, sagt die VdK-Patientenberaterin.
Für Thomas M. konnte aber keine dieser Ursachen gefunden werden.
Inzwischen halten seine Ohrgeräusche schon seit 6 Monaten an.
Monika Müller gibt diese weiteren Infos:
Wenn die Ohrgeräusche länger als 3 Monate anhalten, dann sprechen Ärzte von einem chronischen Tinnitus. Das bedeutet, dass der Tinnitus auf Dauer da ist.
Ein Problem ist auch, dass ein Tinnitus nicht leicht zu behandeln ist, wenn man die Ursache nicht kennt.
Es gibt viele Behandlungsmöglichkeiten. Zum Beispiel: Infusionen, Hörgeräte und pflanzliche Mittel. Ob sie aber tatsächlich helfen können, ist bisher unklar.
Eine Ausnahme ist die kognitive Verhaltenstherapie. Das ist eine bestimmte Behandlungsmöglichkeit, die viel mit dem Lernen zu tun hat.
Sie kann helfen mit einem chronischen Tinnitus besser zurecht zu kommen.
Auch, wenn der Tinnitus dadurch nicht verschwindet.
Das Ziel dabei ist, dass das Hören der Geräusche so verändert wird, dass sie weniger stören.
Monika Müller gibt dazu ein Beispiel:
„Meeresrauschen und eine stark befahrene Straße können die gleiche Lautstärke haben. Verkehr hört man als Lärm, Meeresrauschen dagegen ist Entspannung.
Bei der Verhaltenstherapie lernen die Patienten, ihre Ohrgeräusche so ähnlich zu bewerten.
Dadurch leiden die Patienten weniger und der Alltag wird deutlich erträglicher.
VdK-Tipp
Die Kosten für eine kognitive Verhaltenstherapie kann die Krankenkasse in diesen Fällen übernehmen:

  • Wenn der Patient sehr stark leidet.
  • Wenn der Tinnitus zusammen mit einer Depression oder einer anderen Krankheit auftritt.

Patienten mit Tinnitus sollten mit ihrem Arzt besprechen, wie sie eine Behandlung in Anspruch nehmen können.
Der Kontakt mit anderen Patienten mit Tinnitus in einer Selbsthilfegruppe kann auch hilfreich sein.
Mehr Infos zu diesem Thema gibt es beim Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG).
Die Internetadresse dazu ist:
www.gesundheitsinformation.de
Die Kontaktdaten der VdK-Patientenberatung und Wohnberatung Baden-Württemberg stehen im Infokasten auf dieser Seite.

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