13. Juni 2019
    VdK-Zeitung

    „Deutschland ist bei Organspende Nehmerland“

    „Wie geht es weiter in Sachen Or­ganspende? Kommt die soge­ nannte Widerspruchslösung, die Bundesgesundheitsminister Jens Spahn favorisiert? Oder findet der fraktionsübergreifende Alternativ­ vorschlag die Mehrheit im Bundes­tag?“ Um dieses hochaktuelle Thema ging es am Muttertags­ Wochenende zum Auftakt der zweiten VdK­Gesundheitstage in Grünsfeld.

    Viel interessiertes Publikum bei der Ausstellung drinnen und draußen.
    Viel interessiertes Publikum bei der Ausstellung drinnen und draußen. | © Werner Seeger / VdK

    Die beiden Macher der Veranstaltung, die Kreisvorsitzenden Kurt Weiland (Tauberbischofsheim) und Werner Seeger (Mergentheim) gentheim) hatten mit dem Thema Gespür bewiesen, was die Menschen in den kommenden Monaten beschäftigen wird. Schließlich steht für diesen Herbst die Entscheidung im Bundestag an.
    Das VdK-Mega-Event im Main-Tauber-Kreis, nach 2017 wieder gemeinsam von den beiden Kreisverbänden ausgerichtet, lockte samstags und sonntags rund 8000 Besucher in die Stadthallen von Grünsfeld und Lauda, ins Feuerwehrhaus von Grünsfeld, ins Caritas-Seniorenheim, in die Kirche und zu weiteren Orten drinnen und draußen. Mit dem stimmungsvollen Einzug der Fanfaren Kützbrunn ging die Großveranstaltung samstags offiziell los. Schon zuvor hatten sich die Besucher in der benachbarten Stadthalle bei 37 Ausstellern aus dem Gesundheits-, Pflege- und Rehasektor informieren können.

    Der große Fanfarenzug Kützbrunn zieht zur Veranstaltungseröffnung ins Feuerwehrhaus ein.
    Der große Fanfarenzug Kützbrunn zieht zur Veranstaltungseröffnung ins Feuerwehrhaus ein. | © Britta Bühler / VdK

    Auch die Polizei war präsent und gab wichtige Präventionstipps. Ebenso wenig durfte ein E-Bike- Parcours für Testfahrten fehlen. Beim VdK-Stand bestimmte zum einen die große Pflegeaktion des Landesverbands das Geschehen. Zum anderen konnte man dort beim großen VdK-Gewinnspiel mitmachen. Hierzu mussten die Teilnehmer den Loszettel der Veranstaltungszeitung richtig ausfüllen und auf ein wenig Losglück hoffen. Für drei Frauen und einen Mann hieß es sonntags „Auf zum Gewerbegebiet und Platz nehmen im Hubschrauber!“ Sie hatten einen der Rundflüge gewonnen.

    Die Macher des VdK-Events, Kurt Weiland (links) und Werner Seeger (rechts) mit den vier Gewinnspiel- Siegern des letzten Hubschrauber-Rundflugs.
    Die Macher des VdK-Events, Kurt Weiland (links) und Werner Seeger (rechts) mit den vier Gewinnspiel-
    Siegern des letzten Hubschrauber-Rundflugs. | © Werner Seeger / VdK

    Vielseitiges Programm

    In seiner Begrüßungsrede erläuterte Kreisvorsitzender Weiland das wieder äußerst vielfältige zweitägige Programm. Außerdem gab es eigens eine umfangreiche Veranstaltungszeitung, die auch die 17 Experten mit ihren Fachvorträgen von „A“ wie Allgemeines zum Schwerbehindertenrecht bis „Z“ wie Zahn- und Mundhygiene barrierefrei listete. Auch die Pflegeaktion samt Unterschriftenliste fand Eingang in die mehrseitige Zeitung. In ihren Grußworten würdigten Gastredner wie der Schirmherr, Landrat Reinhard Frank, Bürger- meister (Bgm) Joachim Markert, CDU-Landtags-Fraktionschef, Professor Dr. Wolfgang Reinhart (MdL), und VdK-Landesgeschäfts- führer Hans-Josef Hotz ausdrücklich das große ehrenamtliche Engagement, das diese Veranstaltung erneut möglich gemacht hatte. Professor Reinhart sprach von einem „Glücksfall“ für die Region und verwies auf rund 9000 Mitglie- der, die die beiden Kreisverbände heute vorweisen können. Bürgermeister Markert erinnerte an das Zitat „Gesundheit ist der größte Reichtum“ und bescheinigte den VdK-Gesundheitstagen in seiner Stadt, „ganz im Trend der Zeit“ zu liegen. Und Landrat Frank sagte auch mit Blick auf 16 Kliniken und 26 Pflegeeinrichtungen in der Re- gion „Gesundheit ist für uns Menschen elementar“.

    Schlagersängerin Liane und weitere Künstler bereicherten das Rahmenprogramm.
    Schlagersängerin
    Liane und weitere Künstler bereicherten das Rahmenprogramm. | © dh / vdk

    Sehr konzentriert hörten die Besucher zu, als die Stuttgarter Bundestagsabgeordnete (MdB) Karin Maag das Thema Organ- spende umfassend behandelte. Die gesundheitspolitische Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion erläuterte zunächst, wie eine Or- ganspende in Deutschland abläuft. Die Voraussetzungen sind im Transplantationsgesetz von 1997 geregelt. Darin ist beispielsweise festgeschrieben, dass zwei Fachärzte, darunter ein Neurologe, den Hirntod des beispielsweise verunglückten Spenders unabhängig voneinander feststellen müssen. Ebenso ist in diesem Gesetz unter anderem geregelt, wer als Lebendspender unter Verwandten (beispielsweise Ehegatten) in Frage kommen kann.

    Doch es besteht immenser und schneller Handlungsbedarf. Denn „Deutschland ist bei der Organspende Nehmerland“, hob MdB Maag gleich mehrfach mit Blick auf fehlende Organspendeausweise hervor. Den zuletzt (Zahlen von 2017) nur 797 gespendeten Organen standen mehr als 10 000 schwerkranke Menschen auf der Wartelis- te gegenüber. Wenngleich, so Karin Maag, 84 Prozent der Bundesbürger einer Organspende grundsätzlich positiv gegenüberstünden, vollzögen doch nur 36 Prozent den Schritt zum Organspendeausweis. Dennoch brachte die CDU-Gesundheitsexpertin ihre Hoffnung zum Ausdruck, dass die aktuelle Diskussion die Bevölkerung sensibilisieren und die Spendenbereitschaft auch erhöhen werde.

    Zwei Gesetzesvorschläge

    MdB Maag erläuterte ausführlich die beiden unterschiedlichen G setzentwürfe, die sich des Problems annehmen und die noch in diesem Herbst zur Entscheidung im Budestag anstehen werden. Dabei gehört Karin Maag (CDU) selbst zur Gruppe der Bundestagsabge- ordneten, die kürzlich einen fraktionsübergreifenden Gesetzentwurf als Gegenposition zur sogenannten Widerspruchslösung von Minister Spahn (CDU) und einigen MdBs, wie Karl Lauterbach (SPD), vorgelegt hat. Zu Maags Mitstreitern gehören beispielsweise die Ulmer SPD-Gesundheits- und Sozialexpertin Hilde Mattheis (MdB) und weitere Abgeordnete wie Annalena Baerbock (BüNDNIS 90/ DIE GRüNEN), Katja Kipping (DIE LINKE) und Otto Fricke (FDP). Diese Abgeordneten sprechen sich gegen einen Automatismus aus, wonach ein fehlender Widerspruch schon zur Organentnahme beim Hirntoten führen dürfen soll. Denn die Organspende müsse grundsätzlich eine bewusste und freiwillige Entscheidung des betroffenen Menschen sein, stellte Karin Maag klar.

    Bundestagsabgeordnete Karin Maag informierte über die Gesetzesentwürfe zur Organspende.
    Bundestagsabgeordnete Karin Maag informierte über die Gesetzesentwürfe zur Organspende. | © Werner Seeger / VdK

    Der Staat könne die Bürger anlässlich des Besuchs von Ausweisstellen auf die Organspende-Thematik hinweisen und so eine bewusste Entscheidung für oder gegen die Organspende anregen, wobei den Hausärzten hier eine Beratungsfunktion zukommen sollte. Und es solle ein bundesweites Online-Register zum Registrieren der freiwillig erteilten Zustimmung oder Ablehnung geben. Demgegenüber sieht die Widerspruchslösung der Abgeordnetengruppe um Minister Spahn vor, dass der Mensch nach seinem Hirntod grundsätzlich als Organspender zur Verfügung stehen soll, wenn er nicht zeitlebens seinen ausdrücklichen Widerspruch erklärt hat. Dazu solle jeder erwachsene Bürger mindestens dreimal in seinem Leben vom Staat angeschrieben werden, informierte MdB Maag in Grünsfeld auch über diese Position.

    Nicht weniger ernst ging es im Saal weiter mit dem ausführlichen und reich bebilderten Lebensbericht von Paralympics-Siegerin Esther Weber. Die Florett- und Degenfechterin, die seit einem schweren Autounfall als 15-Jährige auf den Rollstuhl angewiesen ist, war einst für Tauberbischofsheim, dem Mekka des Fechtsports, gestartet. Weber gab dabei auch einen Einblick in die Feinheiten ihrer Sportart und leitete so wunderbar zur Fechtdemonstration von Heiko Strauß aus Tauberbischofsheim und Jörg Dinkelacker aus Reutlingen über.

    Beratungsfall des Monats

    Mann im Wohnzimmer mit Krücken und Halskrause
    © iStock

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    Britta Bühler
    Sozialverband VdK Baden-Württemberg e.V.
    Telefon: 0711 619 56-53
    E-Mail: b.buehler@vdk.de

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