1. November 2022
    VdK-ZEITUNG

    „Wohnungsanpassung nicht hinauszögern!“

    Susanne Tyll informierte auf VdK-Gesundheitstag

    „Solange wie möglich zu Hause bleiben“, das wünschen sich die allermeisten Menschen. So lautete denn auch der Titel des Hauptvortrags des Nachmittagsprogramms beim VdK-Gesundheitstag 2022 – und zwar ergänzt um den wichtigen Zusatz „Wohnungsanpassung jetzt!“. Dazu hatte der Landesverband erneut die Sprecherin der Landesarbeitsgemeinschaft Wohnberatung Nordrhein-Westfalen, Susanne Tyll, gewinnen können. Denn nur zwei Prozent der Wohnungen in Deutschland gelten als barrierefrei oder zumindest barrierearm, gab die Diplom-Pädagogin und Politologin zu bedenken.

    © iStock.com/izusek

    Anhand etlicher Bilder zeigte Tyll die typischen Probleme und Barrieren vieler Seniorenwohnungen auf. Da gibt es häufig nicht nur die eine oder andere Stufe, hohe Badewannen einerseits und niedrige Toilettensitze andererseits, sondern auch Stolperfallen wie überstehende Teppiche, lose, ungesicherte Kabelführungen, unzweckmäßige Möblierung mit zu niedrigen Sofas und zu tiefen Sesseln, und zudem oft eine ungenügende Beleuchtung. Tyll riet dazu, die Problemlösung nicht auf die lange Bank zu schieben. Denn, je älter ein Mensch sei, desto mehr Zeit verbringe er auch in seiner Wohnung. Und gutes Wohnen sei eine zentrale Bedingung für gesundes Leben, hob sie hervor. Außerdem erfolgt in rund 80 Prozent der Fälle die Pflege älterer Menschen zuhause, wie der Sozialverband VdK Baden-Württemberg bei seinem Gesundheitstag thematisierte.

    Dann kann eine an die Bedürfnisse älterer, pflegebedürftiger oder behinderter Menschen angepasste Wohnung die häusliche Pflege erleichtern oder auch erst ermöglichen. Umgekehrt kann eine barrierereiche Wohnung schnell zum möglicherweise dauerhaften Heimaufenthalt führen. Ein weiteres Problem seien die viele Stürze Älterer zuhause. Die gelte es, so Susanne Tyll, zu vermeiden. Schließlich führe ein Sturz betagter Menschen schnell zu einem Klinik- und dann zu einem Heimaufenthalt. Doch auch, wenn ein Sturz in ein eigenen vier Wänden glimpflich verlaufe, so bewirke er oft eine Angst vor dem zweiten Sturz und in der Folge einen Bewegungsmangel mit damit einhergehendem Muskelabbau, schwindender Beweglichkeit und schwindender Mobilität – ein Teufelskreis.

    Denn noch scheuen nicht wenige Senioren aus Unwissenheit oder aus diffuser Angst vor etwaigen Problemen und Kosten davor zurück, auch kleine Veränderungen an ihrer Wohnung vorzunehmen. Doch, vielfach ließen sich Schwachstellen in Wohnung, Haus oder Hof schon mit recht einfachen Mitteln beheben, versicherte die Referentin in der Liederhalle Stuttgart und präsentiere einige Beispiele. Das könnten eine zusätzliche Leuchte in einem Raum, auf der Treppe oder beim Hauszugang sein oder auch die Anbringung von Kontrasten.

    In diesem Zusammenhang hob sie den steigenden Lichtbedarf mit zunehmendem Alter hervor. Bereits mit 40 Jahren benötige selbst ein gesunder, normalsichtiger Mensch, rund 50 Prozent mehr Licht für gutes Sehen, als ein junger Mensch. Und ein 80-Jähriger benötige sogar 50 Prozent mehr Licht als ein 60-Jähriger. Daher seien auch die Zuwege in die Wohnung und innerhalb der Wohnung sehr wichtig. Für mehr Sicherheit im Flur und auf der Treppe könne zudem ein zweiter Handlauf sorgen. Hier gab die Expertin den Tipp, den Handlauf rund 30 Prozent über die Stufe reichen zu lassen und vorne rund zu gestalten, um Stolperer wegen eines plötzlich endenden Handlaufs zu vermeiden.

    Im Badezimmer erhöhten Haltegriffe, beispielsweise in der Dusche und bei der Toilette, die Sicherheit, betonte die Referentin und ergänzte: „Die Montage dieser Haltegriffe geht auch ohne die Zustimmung des Vermieters!“ Zugleich riet sie dazu, sich einen Duschhocker mit Haltegriffen anzuschaffen. Hilfreich seien auch Bewegungsmelder, die bei Bedarf anspringen und den Weg, vom Bett zur Toilette und zurück, beleuchten. Schließlich würden, so Susanne Tyll, die meisten häuslichen Stürze beim nächtlichen Gang zur Toilette passieren. Wenn doch ein Sturz erfolgt, dann sei es sehr wichtig, dass sich die Badezimmertür nach außen hin öffnen lasse und für mögliche Rettungsmaßnahmen auch breit genug sei.

    VdK-Tipp:

    • Sie möchten wissen, wie sich Ihre Wohnung alternsgerechter anpassen lässt?
    • Sie möchten sich beraten lassen und erfahren, wie sich manche Barrieren beseitigen lassen?
    • Fragen Sie unsere VdK-Wohnberatung!

    Unsere rund 40 ehrenamtlichen VdK-Wohnberaterinnen und -Wohnberater nehmen bei einem Vor-Ort-Termin anhand von Checklisten Ihre Wohnsituation auf. In Zusammenarbeit mit den hauptamtlichen VdK-Wohnberaterinnen wird die Lage analysiert und ein Konzept erstellt, das als Grundlage für mögliche Veränderungen dienen könnte. Auch auf etwaige finanzielle Unterstützungsmöglichkeiten wird hingewiesen.

    Eine mietrechtliche Beratung oder juristische Vertretung erfolgt jedoch nicht , ebenso wenig eine Wohnungsvermittlung.

    Bühler

    Schlagworte Barrierefreiheit | barrierefreier Wohnungsumbau | barrierefreies Wohnen | Wohnberatung

    Beratungsfall des Monats

    Mann im Wohnzimmer mit Krücken und Halskrause
    © iStock

    In jeder Ausgabe der VdK-Zeitung veröffentlichen wir einen Beratungsfall der VdK-Patientenberatung. Lesen Sie hier, was die Anrufenden bewegt.

    Pressekontakt

    Britta Bühler
    Sozialverband VdK Baden-Württemberg e.V.
    Telefon: 0711 619 56-53
    E-Mail: b.buehler@vdk.de

    VdK-Zeitung zum Hören

    Einfach anrufen und abhören

    Die VdK-Zeitung gibt es als Hörzeitung. So können auch blinde und sehbehinderte Menschen unser informatives Angebot nutzen.

    Zum Festnetztarif direkt ins Ohr:

    VdK-Zeitung Nordbaden 0711 268 983-55
    VdK-Zeitung Nordwürttemberg 0711 268 983-66
    VdK-Zeitung Südbaden 0711 268 983-77
    VdK-Zeitung Südwürttemberg 0711 268 983-88

    Die aktuelle Ausgabe wird komplett vorgelesen. Durch einfachen Tastendruck könne Sie von einem Artikel zum nächsten springen oder vorherige Artikel aufrufen.

    Soziale Netzwerke

    Aktuelle Themen im Netz: Als moderner Sozialverband nutzen wir auch die sozialen Medien. Das volle Programm zum Reinklicken, Streamen und Herunterladen gibt es auf Facebook, Twitter, YouTube und Instagram.

    Freundlich unterwegs
    Auf unseren Facebook- und Instagram Fanseiten des Sozialverbandes VdK Baden-Württemberg e.V. halten wir unsere Nutzerinnen und Nutzer mit aktuellen Informationen auf dem Laufenden. Damit sich jeder auf unseren Fanseiten willkommen fühlt, bitten wir Sie, unsere Netiquette zu beachten.

    Dabei sein
    Gruppe von Menschen bilden ein Herz
    Kleiner Beitrag, großer Gewinn: Werden Sie jetzt Mitglied beim Sozialverband VdK Baden-Württemberg und profitieren Sie sofort von allen Vorteilen – ohne Wartezeit!

    Datenschutzeinstellungen

    Wir setzen auf unserer Website Cookies ein. Einige von ihnen sind notwendig, während andere uns helfen, unser Onlineangebot zu verbessern.

    • Notwendig
    • Externe Medien
    Erweitert

    Hier finden Sie eine Übersicht über alle verwendeten Cookies in externen Medien. Sie können Ihre Zustimmung für bestimmte Cookies auswählen.