1. Mai 2022
    VdK-ZEITUNG

    „Toilette für alle“ jetzt auch in Bad Säckingen
    Mittlerweile 76 inklusive Toiletten im Südwesten

    Bauverwaltungsamtsleiter Peter Weiß, Stadtrat Franz Stortz, Bauenfachbereichsleiterin Margit Ulrich, VdK-Ortsvorsitzender Winfried Riegelsberger, Bürgermeister Alexander Guhl, Hallenwart Arno Kogeler, Stadtrat Hartmut Fricke, Stadtseniorenratschefin Carmen Schlachter, Grünen-MdL Niklas Nüssle und LVKM-Geschäftsführerin Jutta Pagel-Steidl (von links). | © Mara Sander

    Die längste überdachte Holzbrücke Europas – sie führt in die Schweiz – ist eine Attraktion von Bad Säckingen. Die Stadt am Rande des Südschwarzwalds machte im März 2022 erneut positiv von sich reden. Es geht auch diesmal um Verbindung im weitesten Sinne und zugleich um Teilhabe: An der Badmattenhalle wurde eine „Toilette für alle“ eröffnet. Damit übernimmt Bad Säckingen eine Vorbildfunktion in Sachen Inklusion im Landkreis Waldshut. Denn, „Toiletten für alle“ sind rollstuhltaugliche Toiletten, die zusätzlich mit einer höhenverstellbaren Pflegeliege für Erwachsene, mit einem Patientenlifter für den nötigen Transfer vom Rollstuhl zu Toilette oder Liege und mit luftdicht verschließbarem Windeleimer ausgestattet sind. Außerdem verfügen sie über ausreichend Bewegungsfläche – in Bad Säckingen sind es zirka neun Quadratmeter. So kann auch eine Hilfsperson die betroffene Person mit Behinderung im Rollstuhl in die Toilette begleiten und dort gegebenenfalls einen Windelwechsel vornehmen oder dabei unterstützen.

    LVKM-Geschäftsführerin Jutta Pagel-Steidl beim Liftertest: VdK-Ortschef Winfried Riegelsberger (hinten rechts), Landtagsabgeordneter Niklas Nüssle (daneben) und Hallenwart Arno Kogeler (links) begutachten die neue Einrichtung. | © Mara Sander

    Was in Zeiten der Inklusion – die schon seit 2009 zwingend durch die Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen (UN-BRK) vorgeschrieben ist – auch in Deutschland eine Selbstverständlichkeit sein sollte, ist in Bund und Land noch immer relativ selten anzutreffen. Erst im Jahr 2016 war in der Landeshauptstadt die erste Toilette dieser Art für Stuttgart und diese Region eröffnet worden – damals im Beisein von Repräsentanten der Kommunal- und Landespolitik sowie Medienvertretern. Politiker und Vertreter von Behindertenorganisationen waren kürzlich auch in Bad Säckingen dabei, als dort die Eröffnung der „Toilette für alle“ anstand. Mittlerweile kommt man im Südwesten auf 76 derartige Einrichtungen – immer noch nicht viel, angesichts zahlreicher Menschen mit schwerer Mehrfachbehinderung und Inkontinenz. Denn, erwachsene Personen mit schweren und mehrfachen Behinderungen, die Windeln tragen, können weder herkömmliche Rollstuhl-WCs noch Babywickeltische benutzen. Daher hilft ihnen die klassische Behindertentoilette nicht weiter, wenn ein Windelwechsel erfolgen muss. Schätzungsweise 380 000 Menschen sind im Lande von Inkontinenz betroffen und auf Inkontinenzartikel angewiesen.

    Als die notwendige Generalsanierung der Badmattenhalle anstand, war für die Verantwortlichen klar, nicht nur eine herkömmliche Behindertentoilette zu schaffen, sondern eine Toilette, die alle Menschen „egal, welches Handicap sie haben“ nutzen können, so Bürgermeister Alexander Guhl im Rahmen der Eröffnung. Zugleich hob Guhl hervor, dass die neue Bad Säckinger Toilette mit dem Euro-Schlüssel geöffnet werden kann und rund um die Uhr zugänglich ist. Das Stadtoberhaupt verwies zudem auf die Förderung seitens des Landessozialministeriums. Mit einem Zuschuss von rund 5830 Euro habe das Land hier für die nötige Zusatzausstattung wie Liege, Lifter und einem luftdichten Windeleimer gesorgt. Jutta Pagel-Steidl, die Geschäftsführerin des Landesverbands für Menschen mit Körper- und Mehrfachbehinderung Baden-Württemberg (LVKM), der seit langem mit dem Sozialverband VdK Baden-Württemberg kooperiert, merkte dazu an: „Baden-Württemberg ist bundesweit das einzige Bundesland, das die Zusatzausstattung einer ‚Toilette für alle‘ fördert“. Ihr Selbsthilfeverband begleitet im Auftrag des Landessozialministeriums das Projekt „Toilette für alle“ seit geraumer Zeit. Und Pagel-Steidl redete auch in Bad Säckingen Klartext: „Wenn eine ‚Toilette für alle‘ fehlt, müssen unterwegs Windeln auf dem Fußboden einer öffentlichen Toilette, auf der Wiese hinter einem Busch oder auf der Rückbank des Autos gewechselt werden. Das ist menschenunwürdig“, so Jutta Pagel-Steidl. Und sie erinnerte daran, dass zwischen dem ersten Kontakt und der Schaffung der „Toilette für alle“ in Bad Säckingen mehrere Jahre vergangen waren. Damals hatte eine betroffene Frau aus dem Behindertenbeirat der Stadt die entsprechende Anregung gemacht.
    Diverse Vertreter von Sozialorganisationen wie VdK-Ortschef Winfried Riegelsberger, die Vorsitzende des Stadtseniorenrats, Carmen Schlachter, diverse Stadträte und der Grünen-Landtagsabgeordnete (MdL) Niklas Nüssle waren gekommen, sowie die städtischen Verantwortlichen – neben Bürgermeister Alexander Guhl noch der Amtsleiter des Bauverwaltungsamts, Peter Weiß, die Fachbereichsleiterin Bauen, Margit Ulrich, sowie der für die Badmattenhalle zuständige Hallenwart Arno Kogeler. MdL Nüssle versprach, sich im Landkreis Waldshut für weitere „Toiletten für alle“ einzusetzen und verwies auf einschlägige Beratungen im Landtag. Denn, „der Bedarf ist da“, bestätigte auch der Hallenwart mit Blick auf die bereits rege Nutzung dieser neuen Toilette, die schon vor der offiziellen Eröffnung einige Zeit zur Verfügung stand.

    Tipp:
    Wo sie sich im Baden-Württemberg „Toiletten für alle“ befinden, erfährt man unter www.toiletten-fuer-alle-bw.de im Internet. Dort gibt es viele weitere Informationen zum Thema. Unter www.toiletten-fuer-alle.de sind die deutschlandweiten Standorte dieser inklusiven Toiletten genannt.

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    Mann im Wohnzimmer mit Krücken und Halskrause
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