1. Oktober 2021
    VdK-ZEITUNG

    Hotz: „Ohne pflegende Angehörige wird das System Pflege unbezahlbar!“

    Vielfältige Herausforderungen prägen die Pflege. Die demografische Entwicklung mit ihrer höheren Lebenserwartung bedingt: Wir bleiben länger gesund, werden älter und damit später pflegebedürftig. Das ist die gute Nachricht. Die schlechte ist die: Die Zahl der pflegebedürftigen Menschen wird nach einer Prognose von 2018 allein in der Region Heilbronn-Franken von knapp 180 000 auf rund 260 000 Personen steigen. Mit dieser Entwicklung halten aktuell weder der Ausbau der Pflegeinfrastruktur noch die Ausbildung Schritt. Und weil 80 Prozent der Pflegebedürftigen in Baden-Württemberg ambulant gepflegt werden, muss das Thema Pflege als gesellschaftliche Aufgabe verstanden und ganzheitlich betrachtet werden“, schrieb Landesvorsitzender Hans-Josef Hotz kürzlich in einem Beitrag des in Heilbronn erscheinenden Promagazins.

    Landesverbandsvorsitzender Hans-Josef Hotz | © Klaus Markl

    Hotz betonte: „Für den Sozialverband VdK heißt das: Ein allein auf den Fachkräftemangel gerichteter Blick reicht nicht. Es gilt auch den ständig steigenden Eigenanteil an den Kosten in der stationären Pflege in den Blick zu nehmen. Zudem ist die Vermeidung der Überlastung der pflegenden Angehörigen eine der größten Herausforderungen.“ Der VdK-Landeschef forderte einmal mehr eine Pflegevollversicherung vergleichbar der gesetzlichen Krankenkasse. Zudem verwies er auf die immer häufiger fehlenden Fachkräfte in der Pflege. So kommen laut Agentur für Arbeit auf 100 offene Stellen in der Altenpflege nur 46 Arbeitssuchende.

    „Verstärkt wird dies dadurch, dass viele Pflegefachkräfte ihre Arbeit nicht allein wegen einer ungenügenden Bezahlung aufgeben, sondern in erster Linie wegen der ständig steigenden Belastung am Arbeitsplatz, die dazu führt, dass für die eigentliche Pflege immer weniger Zeit bleibt. Ein Teufelskreis, wenn sich immer weniger Pflegefachkräfte um immer mehr Pflegebedürftige kümmern müssen“, beklagte der VdK-Landeschef und hob hervor: „Jede Initiative, den Pflegeberuf attraktiver zu machen und die Pflegefachkräfte in ihrer täglichen Arbeit zu entlasten, begrüßt der Sozialverband VdK.

    Dabei setzt er auf digitale Lösungen, die Pflegefachkräfte von administrativen Aufgaben, nicht zuletzt im ambulanten oder teilstationären Bereich entlasten. Dort erlauben sie pflegebedürftigen Menschen auch, länger in ihrer häuslichen Umgebung zu bleiben.“ In diesem Zusammenhang verwies Hans-Josef Hotz auf technikunterstützte Wohnmöglichkeiten, die das VdK-Bauträgerunternehmen GSW aus Sigmaringen in den letzten Jahren schon vielfach der Öffentlichkeit präsentierte, beispielsweise auf der Bundesgartenschau (BUGA) 2019 in Heilbronn im Rahmen eines Musterapartments, das während der gesamten BUGA-Zeit besichtigt werden konnte.

    Eine weitere wichtige Ursache für den Arbeitskräftemangel in der Pflege sieht Hotz in der vergleichsweise geringen Entlohnung von Pflegekräften. „Insbesondere die in der Altenpflege Beschäftigten und vor allem die Betreuungskräfte, häufig aus Osteuropa, sind schlecht bezahlt. Der VdK begrüßt daher das kürzlich vom Bundesgerichtshof gefällte Urteil zu 24-Stunden-Pflege und Mindestlöhnen im Grundsatz. Allerdings ist zu befürchten, dass es in der ambulanten Pflege zu einer Unterversorgung kommt, da die Erstattung der Pflegekasse für die einzelnen Pflegegrade nicht mehr annähernd reicht, um die notwendige Unterstützung zu bezahlen“, so Hotz.

    Noch gravierender präsentiert sich für ihn die Situation für Menschen, die in stationären Einrichtungen gepflegt werden. Die Kosten der Heilbronner Pflegeeinrichtungen sind seit 2019 um bis zu 16 Prozent gestiegen. Heute beträgt der zu bezahlende Eigenanteil für ein durchschnittliches Heilbronner Pflegeheim mehr als 2200 Euro. Hotz ließ auch nicht unerwähnt, dass der VdK Baden-Württemberg im Zuge der Koalitionsverhandlungen im Lande im Frühjahr 2021 erfolglos gefordert hatte, dass die Landesregierung zur bis in 2010 üblichen Förderung der Investitionskosten zurückkehrt, um die pflegebedürftigen Heimbewohner schnell zu entlasten. Mehr als 100 000 Mitglieder und andere Unterstützer haben diese Forderung der VdK-Kampagne „Pflege macht arm!“ der Jahre 2019/2020 mitgetragen.

    Abschließend erinnerte der Landesvorsitzende an die pflegenden Angehörigen, die den größten Pool an Pflegekräften darstellen, da in Bund und Land vier von fünf Personen mit Pflegebedarf, sprich 80 Prozent, zuhause gepflegt werden. „Dabei geraten die Angehörigen durch ihre eigene Lebenslage immer mehr in eine Belastungsspirale. Zu ihrer Entlastung ist es aus VdK-Sicht zwingend, einen besseren und unkomplizierteren Zugang zu Förder- und Beratungsleistungen in räumlicher Nähe zu schaffen, die Vereinbarkeit von Beruf und Pflege zu verbessern sowie die Anzahl der Kurzzeit- oder Verhinderungspflegeplätze deutlich zu erhöhen. Denn ohne pflegende Angehörige würde das System Pflege zusammenbrechen oder unbezahlbar werden“, so Hans-Josef Hotz.

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    Mann im Wohnzimmer mit Krücken und Halskrause
    © iStock

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