1. Juli 2021
    VdK-ZEITUNG

    Jubiläum in Stuttgart: 15 Jahre VdK-Patientenberatung
    VdK-Zeitung sprach mit Beraterin Greta Schuler

    Die VdK-Patientenberatung in Stuttgart feiert dieses Jahr das 15-jährige bestehen. Anlässlich des Jubiläums sprach die Redaktion mit VdK-Patientenberaterin Greta Schuler. Schuler ist seit Anbeginn im Herbst 2006 in der Gaisburgstraße 27, Nähe Olgaeck, dabei. Der VdK-Landesverband war zunächst Träger im Rahmen des bundesweiten Modells „Unabhängige Patientenberatung Deutschland“ (UPD). Seit 2016 erfolgt die Patientenberatung in alleiniger Regie des VdK Baden-Württemberg. 2018 wurde dieses Angebot um den ebenfalls sehr wichtigen Bereich der Wohnberatung ergänzt.

    Das Team in 2017: Die Beraterinnen Monika Müller, Zeljka Pintaric und Greta Schuler mit Sekretärin Gesa Lockau, die 2020 starb. | © VdK

    VdK-Zeitung: Mit welchen Anliegen kommen die Ratsuchenden besonders häufig?

    Greta Schuler: Viele haben Fragen zum Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen, wollen auch wissen, was abgelehnt werden darf. Häufig geht es um die sogenannten IGeL, die Individuellen Gesundheitsleistungen, die vielfach in Arztpraxen angeboten werden, aber von den Versicherten aus eigener Tasche bezahlt werden müssen. Nicht wenige sind verunsichert, ob dies rechtens ist. Ebenso gibt es immer wieder Fragen zu den Pflegeversicherungsleistungen. Manche wollen auch über Behandlungsmöglichkeiten, inklusive etwaiger Alternativen, etwas erfahren, suchen Adressen regionaler Ansprechpartner oder haben Fragen zur Rehabilitation. Da reicht das Spektrum von der Antragstellung, der Klinikwahl, über Probleme vor Ort bis hin zu Unklarheiten im Reha-Entlassungsbericht. Doch es gibt auch Anfragende, die Konflikte mit Ärzten haben – beispielsweise Behandlungsfehler vermuten. Überhaupt gehören die Patientenrechte zu unseren Beratungsaufgaben. Zudem bilden Vorsorgevollmacht sowie Patienten- und Betreuungsverfügung einen weiteren wichtigen Beratungsbereich.

    Was kennzeichnete die Patientenberatung anfangs?

    Zunächst war viel Aufbauarbeit nötig, um die Menschen für die Thematik zu sensibilisieren. Die Patientenberatung will ja – damals wie heute – einen Beitrag zur Patientensouveränität leisten und die Gesundheitskompetenz stärken. Entsprechend haben wir anfangs viele Veranstaltungen angeboten und eine Menge Öffentlichkeitsarbeit geleistet. Ebenso haben wir uns bundesweit und regional vernetzt, mit den kommunalen Gesundheitskonferenzen, den Selbsthilfekontaktstellen, Pflegestützpunkten, Kostenträgern, Arbeitskreisen und, und, und.

    Seit 2016 läuft die Beratungsstelle in VdK-Regie. Wie hat sich dadurch Ihre Arbeit verändert?

    Die Anliegen der Ratsuchenden sind die gleichen geblieben. Neu hinzugekommen ist das umfangreiche Angebot der Wohnberatung. Außerdem sind wir seit 2016 stärker in der VdK-Zeitung präsent – zeigen dort anhand des ‚Falls des Monats‘ regelmäßig unsere Beratungsmöglichkeiten auf. Zudem sind wir in die Gestaltung des Magazins „Gesundes Leben“ eingebunden. Und – neben der Mitwirkung an zahlreichen Veranstaltungen, wie Vorträgen, Workshops oder Infoständen – haben wir zusammen mit der Abteilung Marketing und Kommunikation neue Formate wie Webseminare und Podcasts entwickelt. So können wir einen noch größeren Personenkreis an unserem Fachwissen teilhaben lassen. Darüber hinaus nehmen wir weiterhin regelmäßig an ‚Lesertelefonen‘, sprich Telefonaktionen von Tageszeitungen, teil.

    Wie wird das Wohnberatungsangebot angenommen?

    Die Resonanz ist sehr gut. Sowohl Menschen, die eine Wohnberatung benötigen, als auch Personen, die ehrenamtlich Wohnberatung für den Sozialverband VdK leisten möchten, wenden sich an uns. Die Coronazeit mit ihren Bedingungen und Bestimmungen erschwert leider sowohl die Aus- und Fortbildung der ehrenamtlichen Wohnberaterinnen und Wohnberater als auch die Hausbesuche bei Menschen, die Beratungsbedarf zu ihrer Wohnsituation zuhause haben. Da geht es darum den behinderten oder pflegebedürftigen Betroffenen aufzuzeigen, wie beispielsweise Küche oder Bad verändert werden können, welche Stolperfallen es zu beseitigen gilt, welche Vorteile Handläufe bieten können und vieles mehr. Denn die Beseitigung von Barrieren soll das Wohnen zuhause, in der vertrauten Umgebung, weiterhin ermöglichen. Die VdK-Wohnberater unterstützen dabei, bedarfsgerechte Lösungen zu finden. Sie weisen auch auf technische Hilfsmittel zur Erhaltung eines selbstbestimmten Lebens hin. Und sie zeigen Finanzierungsmöglichkeiten auf. Dieses Wohnberatungsangebot ist übrigens exklusiv für Mitglieder. Nur sie können sich für die Wohnberater-Ausbildung anmelden und dann als VdK-Wohnberater wiederum ausschließlich für Mitglieder tätig werden. Dies ist übrigens ein Unterschied zu unserer Patientenberatung. Denn dort dürfen alle anrufen, egal ob Mitglied oder nicht. Lediglich bestimmte Leistungen wie beispielsweise das Lesen von Gutachten oder die Hilfe beim Verfassen von Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht sind exklusiv für VdK-Mitglieder.

    Wie hat die Corona Pandemie ihre Arbeit verändert?

    Während des ersten Lockdowns im Frühjahr 2020 konnten keine persönlichen Beratungen in der Gaisburgstraße stattfinden. Mittlerweile bieten wir sie wieder an – allerdings nur nach vorheriger Terminvereinbarung und natürlich mit Corona-Hygienekonzept. Dies schränkt die Spontanität sehr ein und nicht nur das: Persönliche Beratungsgespräche sind oft leichter, insbesonders wenn sprachliche Hürden vorhanden sind. Dann kann man gestikulieren und es können Formulare und Schreiben vor Ort eingesehen werden. Zudem ist es einfacher, wenn jemand aus Familie oder Freundeskreis mitkommen und dolmetschen kann. Dagegen ist es ungleich schwieriger, ein Telefonat zu dritt zu führen, gerade auch wenn es mehrere Sprachen gibt. Viele unserer Ratsuchenden sind Risikopatienten und nehmen ungern eine Reise mit öffentlichen Verkehrsmitteln quer durch Stuttgart oder ganz Baden-Württemberg in Kauf, um sich von uns vor Ort beraten zu lassen. So führt meist an Telefon, E-Mail, Fax oder herkömmlichem Brief kein Weg vorbei. Und hier wird die Hürde für Menschen ohne PC oder Smartphone wieder höher. Schließlich müssen Unterlagen kopiert und uns zugesandt werden. Viele arme aber auch ältere Menschen haben weder die Ausstattung noch das Knowhow – und die Besuche von Angehörigen, die eventuell helfen könnten, sind durch Covid-19 eingeschränkt.

    Sind die Patientinnen und Patienten heutzutage informierter, kritischer, selbstbewusster?

    Schwer zu sagen, die ganzen Studien, die es bislang zum Thema Gesundheitskompetenz gibt, bestätigen den Deutschen immer noch eine relativ schlechte Gesundheitskompetenz. Zugleich schreitet die Medizin mit Riesenschritten voran. Es gibt so viel mehr Behandlungsmöglichkeiten, neue Medikamente und entsprechend auch mehr Informationen. Doch viele Internetseiten sind schwer zu entschlüsseln: ‚Ist es Werbung, ist es eine seriöse Information, wer steckt dahinter?‘. Gesundheitskompetenz bedeutet, Gesundheitsinformationen finden, verstehen, bewerten und umsetzen zu können. Eine neue Studie mit 2000 Teilnehmenden wird gerade vom Bundesgesundheitsministerium durchführt. Ergebnisse soll es noch in 2021 geben. Wir sind gespannt. Doch eines kann man schon jetzt sagen: Mit unseren Beratungen, Veranstaltungen, Veröffentlichungen und gerade auch den neuen Podcasts tragen wir zu mehr Gesundheitskompetenz bei.

    Beratungsfall des Monats

    Mann im Wohnzimmer mit Krücken und Halskrause
    © iStock

    In jeder Ausgabe der VdK-Zeitung veröffentlichen wir einen Beratungsfall der VdK-Patientenberatung. Lesen Sie hier, was die Anrufenden bewegt.

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    Britta Bühler
    Sozialverband VdK Baden-Württemberg e.V.
    Telefon: 0711 619 56-53
    E-Mail: b.buehler@vdk.de

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