25. Oktober 2022
    EINFACHE SPRACHE

    Wenn Sie einen Angehörigen pflegen, darf Sie das nicht arm machen – auch nicht, wenn Sie alt sind.

    Beim Gesundheitstag 2022 setzt sich der VdK sehr für Thema „Angehörige pflegen Familienmitglieder“ ein. An dieser Veranstaltung nehmen 1.200 Menschen teil. Damit das Sozialministerium sieht, wie wichtig dem VdK das Thema ist, übergibt der Verband dem Ministerium eine Liste mit 100 000 Unterschriften.

    Übergabe der Unterschriften im Hegelsaal: Der Landesverbandsvorsitzende Hans-Josef Hotz und der Ehrenvorsitzende Roland Sing nehmen Ministerialrätin Dr. Angela Postel in ihre Mitte.
    Übergabe der Unterschriften im Hegelsaal: Der Landesverbandsvorsitzende Hans-Josef Hotz und der Ehrenvorsitzende Roland Sing nehmen Ministerialrätin Dr. Angela Postel in ihre Mitte. | © Jutta Kübler

    Der VdK Gesundheitstag 2022 findet in der Liederhalle Stuttgart statt. Der Ehrenvorsitzende des VdK, Roland Sing, fordert dort bei einer Rede von der Landesregierung von Baden-Württemberg: „Das Land Baden-Württemberg muss wieder die Investitionskosten für die Pflegeheime zahlen. Nur so zahlen die Heimbewohner weniger für ihren Platz im Heim.“

    Roland Sing und der Landesvorsitzende vom VdK Hans-Josef Hotz übergeben Dr. Angela Postel eine Liste mit 100.000 Unterschriften. Die Unterschriften sind in 20 Kartons verpackt und stehen auf der Bühne. Frau Postel ist an diesem Tag für den Sozialminister Manfred Lucha da. Sie nimmt die Unterschriften vom VdK an, der die Kartons bald zum Sozialministerium fährt. Ungefähr 1200 Besucherinnen und Besuchern sind bei der Übergabe in der Liederhalle dabei. Dazu gehören auch Politiker, Vertreter von den Krankenkassen, Gewerkschaften und sozialen Einrichtungen.

    Der Sozialminister kann nicht selbst dabei sein, deshalb hat er seine Rede als Video geschickt. In der Rede lobt der Minister die Pflege-Kampagne des VdK. Außerdem lobt er die Angehörigen, die Familienmitglieder pflegen. Er nennt diese Art der Pflege den „Größten Pflegedienst der Gesellschaft“. Er will sich dafür einsetzen, dass die Politiker über das Thema Pflege neu nachdenken. Nur so ist es möglich, dass es in Zukunft alten Menschen, die Pflege brauchen, gut geht.

    Das Land zahlt die Investitionskosten für Pflegeheime nicht

    Bis 2010 hat das Land die Investitionskosten der Heim bezahlt. Der VdK fordert vom Land Baden-Württemberg das wieder zu tun. Das will der Sozialminister aber nicht.
    Schon 2019 hat der VdK dafür in wenigen Wochen 100.000 Unterschriften gesammelt. Herr Hotz ist das Vorsitzende des VdK Baden-Württemberg. Er lobt die vielen Ehrenamtlichen, die sich bei vielen Veranstaltungen dafür eingesetzt haben, so viele Unterschriften zu sammeln. Durch Corona gab es keine großen Veranstaltungen. Deshalb konnte der VdK die Unterschriften bisher nicht übergeben. Die Verantwortlichen des VdK freuten sich daher umso mehr, dass der Gesundheitstag im September 2022 stattfinden konnte. Ungefähr 1200 Menschen besuchten diese Veranstaltung. Außerdem konnten viele Aussteller ihr Angebot zeigen, denn es war genug Platz dafür da.

    Allerdings sind die Mitglieder des VdK-Vorstands enttäuscht, dass dem Sozialminister die Investitionskosten nicht wichtig sind. In Baden-Württemberg müssen die Menschen, die im Heim wohnen, zusätzlich zu den normalen Kosten, für die Investitionskosten pro Monat 400 Euro zahlen. Der Ehrenvorsitzende Sing antwortet auf die Rede von Minister Lucha und sagt: „Auch 400 Euro sind für Rentnerinnen und Rentner viel Geld!“

    Der Vorsitzende des VdK Herr Hotz sagt dazu: „Die Tagespflege, die Ersatzpflege und die Kurzzeitpflege findet in Häusern statt und https://www.vdk.de/sys/redaktion.php?action=listnicht in Zelten!“ Mit diesem Satz will Herr Hotz die Menschen daran erinnern, was Minister Lucha früher schon einmal gesagt hat, als der VdK von ihm gefordert hat, die Investitionskosten zu bezahlen. Herr Lucha antwortete auf die Forderung des VdK mit dem Satz: „Ich möchte nicht in Beton investieren.“ Damit meint er: Er möchte sein Geld nicht für den Bau von Pflegeheimen ausgeben.

    Die Situation wird immer schlechter

    Herr Sing stellt fest: Die Menschen, die in Heimen wohnen, haben immer weniger Geld. Leider gilt immer noch die Regel: Wer Pflege braucht, wird irgendwann arm. Normalerweise müssen die Menschen, die im Südwesten im Heim wohnen, jeden Monat 2.555 Euro selbst bezahlen. Das geht nicht mit der normalen Rente. Erst recht nicht in den Heimen, in denen die Bewohner sogar zwischen 3.300 und 3.700 Euro selbst bezahlen müssen, weil es dort mehr Personal gibt. Das ist vor allem in den Einrichtungen der Evangelischen Heimstiftung so. Nach vier Monaten haben die Menschen alles aufgebraucht, was sie in ihrem Leben gespart haben, sagt Herr Sing. Von 94.000 Heimbewohnern bekommen 28.200 Sozialhilfe, weil sie sonst das Heim nicht bezahlen können. Damit das nicht passiert, hat der Staat eigentlich die gesetzliche Pflegeversicherung gegründet. Die Wirklichkeit sieht heute aber anders aus: Menschen, die Pflege brauchen, brauchen mehr Sozialhilfe als früher. Das ist für diese Menschen eine sehr traurige Situation.

    Der VdK fordert einen festen Betrag für die Pflege

    Auch bei der Pflege daheim muss sich vieles ändern. Damit sich dort etwas tut, hat der VdK im Frühjahr 2022 eine Aktion mit dem Namen #nächstenpflege gestartet. Darüber hat der VdK schon viel berichtet. Dafür bekommt er auch viel Hilfe im Verband. Der Landesvorsitzende Hans-Josef Hotz und der stellvertretende Bezirkschef Nordwürttemberg, Frank Stroh, fordern bei den Gesundheitstagen in der Liederhalle vom Staat einen Betrag für die Pflege. Dieser Betrag soll sich anpassen an:

    • die Situation der Menschen
    • und Pflegegrad der Menschen.

    Er soll regelmäßig höher werden. Von diesem Betrag sollen die Menschen alles bezahlen, was sie für die Pflege brauchen. So möchte der VdK verhindern, dass

    • Angehörige Entlastungsleistungen immer wieder nicht nutzen, weil es sehr kompliziert ist, sie zu beantragen
    • Informationen fehlen
    • oder die Menschen Angst haben, dass sie etwas dazu bezahlen müssen

    Frank Stroh stellt bei den Gesundheitstagen die Pflegestudie des VdK Baden-Württemberg sehr genau vor. Bei dieser Studie haben fast 60.000 Menschen mitgemacht. 4.800 davon kamen aus dem Südwesten von Baden-Württemberg. Viele dieser Teilnehmer haben das Recht, die Entlastungsleistung in Höhe von 125 Euro im Monat zu beantragen. Aber 77

    Der VdK fordert einen Vorschlag zu einem neuen Pflegegesetz

    Der VdK will, dass sich die Landesregierung von Baden-Württemberg für ein neues Pflegegesetz einsetzt. Dieses Verfahren heißt: Bundesratsinitiative. Dafür soll die Landesregierung dem Bundesrat einen Vorschlag für ein neues Gesetz machen. Wenn das neue Gesetz wirklich entsteht, gilt es für ganz Deutschland.

    Außerdem setzen sich Herr Hotz und Herr Stroh beim Gesundheitstag für einen Geldbetrag ein, den Angehörige bekommen, die jemanden aus ihrer Familie pflegen. Diesen Betrag stellen sie sich so ähnlich vor wie das Elterngeld. Denn die Pflege geliebter Menschen darf nicht zur Armut führen, weder jetzt noch, wenn die Menschen später selbst alt sind. Aber warum werden Menschen arm, die ihre Angehörigen pflegen? Bei der Gesundheitsstudie, die der VdK zusammen mit einer Hochschule in Osnabrück gemacht hat, kam heraus: Mehr als die Hälfte der Angehörigen, die Familienmitglieder pflegen, arbeiten in dieser Zeit weniger. Manchmal hören sie sogar ganz auf zu arbeiten. Das bedeutet, sie verdienen weniger und deshalb bekommen sie später auch weniger Rente.

    Außerdem fordern Herr Hotz und Herr Stroh mehr Pflegestützpunkte in Baden-Württemberg. Ein Pflegestützpunkt ist ein Ort, an dem pflegende Angehörige Rat und Informationen bekommen:

    • zum Thema Pflege allgemein
    • zur Pflegeversicherung und was sie alles macht
    • und wie sie eine Wohnung oder Haus so umbauen, damit die Pflege besser gelingt.

    Ein Pflegestützpunkt soll sich um 20.000 Einwohner kümmern. So ist es möglich, die Einwohner noch länger pro Tag beraten zu können. Denn Herr Hotz ist der Meinung: Ein Schlaganfall passiert auch zu Zeiten, in denen normalerweise keine Beratung mehr möglich ist. Außerdem fordert er: Die Pflegekassen müssen auch Beratung anbieten. So steht es im Gesetz. Bis jetzt machen das zu wenige. Roland Sing gibt den Teilnehmern noch einen wichtigen Tipp: Wenn Sie nach einer Krankenkasse suchen, achten Sie darauf, ob es dort wo Sie wohnen, eine Geschäftsstelle gibt.

    Gesprächsrunde über die schlechte Situation in der Pflege

    Michael Beier ist Geschäftsführer der Otto Beier GmbH in Schwaikheim. Er hat eine Internetseite zum Thema Pflege erstellt. Sie heißt: https://www.pflege-durch-angehoerige.de/ . Dort berät er pro Monat 250 bis 300 Menschen. Deshalb weiß er, wie wichtig die Beratung im Bereich Pflege ist. Herr Beier erzählte bei der Gesprächsrunde, dass viele Menschen die Angebote nicht kennen, die ihnen die Pflege von Angehörigen leichter machen. Und wenn sie die Angebote kennen, haben sie oft Schwierigkeiten, die Anträge zu verstehen.

    Claus Fussek ist ebenfalls bei dieser Gesprächsrunde mit dabei. Er ist Sozialpädagoge und kommt aus Bayern. Vielen Menschen kennen Herrn Fussek als jemanden, der sich das Thema Pflege in Bayern sehr genau anschaut und immer wieder sagt, wo es Schwierigkeiten gibt. Er erzählt bei der Gesprächsrunde von der Erfahrung mit der Pflege in seiner Familie. Dabei hat er gemerkt, dass das größte Problem die Zeit ist. Das Publikum im Hegelsaal fragt er: „Warum machen wir die Pflege nicht zu einem Thema, das alle Menschen angeht?“ Seine eigene Antwort auf diese Frage ist: Erst, wenn man selbst mit dem Thema Pflege zu tun hat, weil jemand in der Familie Hilfe braucht, wird das Thema wichtig.

    Regina Lutz leitet das Kreissozialamt in Esslingen. Sie nimmt auch an der Gesprächsrunde teil. Sie erzählt, wie es im Landkreis Esslingen aussieht. Es gibt ungefähr 21.000 Menschen, die Pflege brauchen. 16.800 davon pflegen die Angehörigen selbst daheim. Das sind 80 Prozent der Menschen, die Pflege brauchen. Frau Lutz ist der Meinung, diese Zahl wird bis zum Jahr 2030 noch sehr viel höher. Sie ist der Meinung, 2030 brauchen mehr als 25.000 Menschen Pflege. Aber schon heute müssen die Menschen lange warten. Es gibt wenig Personal. Und auch die Hausärzte haben Schwierigkeiten, das alles zu schaffen.

    Zum Thema Pflegestützpunkte sagte Frau Lutz, dass der Landkreis Esslingen im Moment für 52.000 Einwohner einen Pflegestützpunkt hat. Sie möchte aber für 30.000 Einwohner einen Pflegestützpunkt zu haben. Das ist ungefähr doppelt so viel wie jetzt. Schon heute hat der Landkreis Esslingen 16 Orte, an denen er Menschen beraten kann. Wenn es nötig ist, kommen die Mitarbeiter für die Beratung auch direkt zu den Menschen nach Hause.

    Der VdK Kreisverband Stuttgart hat vor der Liederhalle eine Demo ohne Menschen gemacht. Aber wie ist so etwas möglich? Das ist möglich, weil der Kreisverband des VdK für jeden pflegenden Angehörigen ein Plakat aufgestellt hat. Der Grund ist klar: Angehörige, die Familienmitglieder pflegen, haben keine Zeit zu demonstrieren. Das müssen andere für sie tun. In diesem Fall ist es der VdK mit seiner Plakataktion.

    Investitionskosten

    Das sind die Kosten, die der Besitzer eines Heims hat, wenn er ein Gebäude für ein Pflegeheim:

    • kauft,
    • baut
    • oder repariert.

    Diese Kosten kann der Besitzer des Pflegeheims zusammenrechnen und gleichmäßig auf alle Menschen verteilen, die in dem Heim wohnen.

    Kampagne:

    Kampagne ist ein anderes Wort für eine gezielte Aktion, bei der sich die Menschen für ein bestimmtes Thema – hier die Pflege – einsetzen.

    Tagespflege

    Menschen, die Pflege brauchen, werden tagsüber im Pflegeheim betreut. Die pflegenden Angehörigen können in dieser Zeit zur Arbeit gehen.

    Ersatzpflege

    Ist ein pflegender Angehöriger krank oder im Urlaub, kommt eine Pflegekraft zu den pflegebedürftigen Menschen nach Hause und übernimmt diese Arbeit.

    Kurzzeitpflege

    Ist ein pflegender Angehöriger krank oder im Urlaub, geht der pflegebedürftige Mensch, für dieses Zeit ins Pflegeheim und wird Tag und Nacht dort versorgt.

    Entlastungsleistungen:

    Das sind Angebote für Menschen, die Familienmitglieder pflegen. Dabei übernehmen ausgebildete Pfleger oder Ehrenamtliche verschiedene Aufgaben für einige Stunden im Monat. Das macht es den pflegenden Angehörigen leichter, sich um ihre Familienmitglieder zu kümmern. 125 Euro im Monat bekommen die Menschen, die gepflegt werden und ihre Angehörigen dafür.

    Bundesratsinitiative:

    Der Bundesrat kann dem Bundestag einen Entwurf für ein Gesetz vorschlagen. Oft wird aus solchen Vorschlägen am Ende kein Gesetz. Aber das Thema, worum es in dem Entwurf zu einem Gesetz geht, macht die Bundestagsabgeordneten auf das Thema aufmerksam. Dadurch denken sie vielleicht auch später bei anderen Gelegenheiten darüber nach. Dadurch verbessert sich später vielleicht doch noch etwas in diesem Bereich.

    Soziale Netzwerke

    Aktuelle Themen im Netz: Als moderner Sozialverband nutzen wir auch die sozialen Medien. Das volle Programm zum Reinklicken, Streamen und Herunterladen gibt es auf Facebook, Twitter, YouTube und Instagram.

    Direkt ins Postfach
    Newsletter abonnieren
    Alle aktuellen Neuigkeiten aus dem Sozialrecht, der Sozialpolitik und dem Ehrenamt gibt es mit dem Newsletter des Sozialverbandes VdK Baden-Württemberg direkt ins eigene Postfach.

    Artikel aus der VdK-Zeitung
    VdK-Zeitung
    So spannend wie das Leben: Die VdK-Zeitung ist mit 1.6 Millionen Exemplaren pro Ausgabe eine der größten Mitgliederzeitungen bundesweit. Unsere VdK-Mitglieder erhalten 10 Ausgaben im Jahr direkt nach Hause – natürlich kostenlos! Wir berichten über aktuelle Entwicklungen in der Bundes- und Landespolitik, informieren über regionale Hilfsangebote und vieles mehr.

    Mit dabei sein
    Kleiner Beitrag, großer Gewinn: Werden auch Sie Mitglied beim Sozialverband VdK Baden-Württemberg und profitieren Sie sofort von allen Vorteilen – ohne Wartezeit!

    Datenschutzeinstellungen

    Wir setzen auf unserer Website Cookies ein. Einige von ihnen sind notwendig, während andere uns helfen, unser Onlineangebot zu verbessern.

    • Notwendig
    • Externe Medien
    Erweitert

    Hier finden Sie eine Übersicht über alle verwendeten Cookies in externen Medien. Sie können Ihre Zustimmung für bestimmte Cookies auswählen.