1. Juli 2022
    EINFACHE SPRACHE

    Politiker vergessen die Menschen, die ihre Angehörigen pflegen

    Eine Untersuchung vom VdK zeigt, welche Schwierigkeiten Menschen haben, die Angehörige pflegen

    In Baden-Württemberg gibt es 472.050 Menschen, die Pflege brauchen. Davon werden 377.640 Menschen von ihren Familienmitgliedern daheim gepflegt. Das sind 80 Prozent aller Menschen in Baden-Württemberg, die Pflege brauchen. Das bedeutet, sehr viele Familienmitglieder pflegen ihre Angehörigen daheim. Sie übernehmen damit eine sehr wichtige Aufgabe in der Gesellschaft. Trotzdem kümmern sich die Politiker vor allem um die Menschen, die im Pflegeheim versorgt werden. Dadurch kommt es zu einer schwierigen Situation bei den Menschen, die ihre Angehörigen daheim pflegen.

    Die Hochschule Osnabrück hat für den VdK die Situation untersucht. Die Wissenschaftler der Hochschule haben sich nicht nur die Situation in ganz Deutschland angeschaut, sondern auch die Situation in Baden-Württemberg. Durch diese Untersuchung hat der VdK zum Thema „Pflege daheim“ jetzt Informationen, auf die er sich verlassen kann.

    Am Donnerstag, den 19. Mai hat der VdK eine Pressekonferenz zu der Untersuchung der Hochschule Osnabrück gemacht. Das ist die größte Untersuchung zum Thema „Pflege daheim“, die Wissenschaftler bis jetzt gemacht haben. Der Landesverbandsvorsitzende des Sozialverbands VdK Baden-Württemberg Hans-Josef Hotz sagt dazu: „Das Ergebnis ist, wir müssen etwas für die Menschen tun, die ihre Angehörigen daheim pflegen. Sonst machen die Menschen das nicht mehr lange.“ Die Studie zeigt: Es gibt zwar Möglichkeiten den pflegenden Angehörigen zu helfen, zum Beispiel durch die:

    • Tagespflege: Die Menschen werden tagsüber in einem Pflegeheim betreut und nachts kümmern sich die Angehörigen um die Pflege.
    • Nachtpflege: Die Menschen werden nachts in einem Pflegeheim betreut und tagsüber kümmern sich die Angehörigen um die Pflege.
    • Kurzzeitpflege: Wenn die pflegenden Angehörigen Urlaub machen, übernimmt in dieser Zeit ein Pflegeheim die Pflege.
    • Verhinderungspflege: Wenn die pflegenden Angehörigen Urlaub machen, übernimmt in dieser Zeit eine Fachkraft die Pflege daheim.
    • oder im Haushalt

    Aber nur ein kleiner Teil der pflegenden Angehörigen nutzen diese Möglichkeiten. Dadurch sparen die Pflegekassen mindestens zwölf Milliarden Euro im Jahr.

    Dafür gibt es viele Gründe. Zum Beispiel gibt es an dem Ort, an dem die Menschen leben, kein Pflegeheim oder keinen Pflegedienst. Häufig ist es sehr viel Arbeit einen Antrag zu stellen, um Geld für die Pflege zu bekommen. Aber nicht nur das: Es gibt viele verschiedene Möglichkeiten Geld für die Pflege zu bekommen. Für die Angehörigen ist es dann oft schwierig zu verstehen, welches Geld sie für welche Situation bekommen. Haben sie es dann endlich geschafft Geld für die Pflege zu bekommen, müssen sie oft noch selbst etwas dazu bezahlen. Das können viele Angehörige aber nicht.

    Der Sozialverband VdK möchte den pflegenden Angehörigen helfen. Deshalb fordert der VdK ein Nächstenpflege-Budget und mehr Beratung zum Thema Pflege.

    Herr Hotz erklärt: Damit die pflegenden Angehörigen schnell Hilfe bekommen, brauchen sie Angebote, die sie auch nutzen können. Die Untersuchung der Hochschule Osnabrück hat gezeigt: nur wenige Angehörige beantragen den Entlastungsbetrag.

    Entlastungsbetrag:

    Den Entlastungsbetrag können alle pflegenden Angehörigen beantragen. Im Moment sind das 125 Euro im Monat. Dieses Geld können die pflegenden Angehörigen dafür nutzen um Hilfe für die Pflege zu bezahlen. Zum Beispiel für:

    • die Tagespflege
    • die Nachtpflege
    • die Kurzzeitpflege
    • und vieles mehr

    Die Angehörigen müssen den Betrag nicht in jedem Monat verbrauchen. Sie können das Geld auch noch im nächsten Monat nutzen. Das Geld, das sie bis zum Ende eines Jahres nicht verbraucht haben, können sie noch bis zum Ende des nächsten Jahres nutzen. Ein Jahr ist hier immer der Zeitraum, ab wann sie die Leistung zum ersten Mal bekommen.

    Aber für die pflegenden Angehörigen sollte es besonders einfach sein, gerade diesen Entlastungsbetrag zu bekommen. Warum ist das so? Es gibt nur wenige Angebote für eine Hilfe im Alltag. Denn das Land Baden-Württemberg hat für diese Angebote Gesetze gemacht. Darin steht, wie genau so ein Angebot aussehen muss. Leider passt aber das, was im Gesetz steht, nicht zu dem was die Menschen brauchen, wenn sie ihre Angehörigen pflegen. Herr Hotz fordert: Es muss für die pflegenden Angehörigen einfacher werden, einen Antrag zu stellen. Außerdem wäre es gut, wenn auch die Nachbarn helfen könnten. Das war bis Ende Juni wegen Corona möglich und sollte auch weiterhin möglich sein.

    Der Sozialverband VdK fordert ein Nächstenpflege-Budget. Das ist ein fester Geldbetrag, den die Betroffenen pro Monat bekommen. Der VdK möchte damit erreichen, dass die Betroffenen selbst entscheiden können, für welches Angebot sie das Geld nutzen. Auch die Zuzahlungen haben die Angehörigen so besser im Blick.
    Die Pflegestützpunkte sind ganz besonders wichtig für die pflegende Angehörigen. Denn die Pflegestützpunkte können unabhängig beraten. Sie verdienen kein Geld mit den verschiedenen Pflegeangeboten. Die Untersuchung der Wissenschaftler hat gezeigt: Lassen sich Angehörige beraten, nutzen sie mehr Angebote, die ihnen bei der Pflege helfen. Leider gibt es im Moment in Baden-Württemberg meistens nur einen Pflegestützpunkt pro Stadt oder Landkreis. Herr Hotz ist der Meinung: „Das ist zu wenig! Deswegen fordern wir einen Pflegestützpunkt pro 20.000 EinwohnerInnen!“ Das bedeutet, dass es zum Beispiel in einer Stadt mit 100.000 EinwohnerInnen dann fünf Pflegestützpunkte gäbe.

    Forderung vom VdK: Wenn durch die Pflege Lohn fehlt, brauchen die Menschen dafür Ersatz. Wer Angehörige pflegt, soll mehr Rente bekommen.

    Der VdK fordert: Damit die Situation in der Pflege besser wird, müssen die pflegenden Angehörigen Geld dafür bekommen. Zum Beispiel fordert der VdK:

    • Das Pflegegeld soll zur Situation der pflegenden Angehörigen passen und nicht für alle gleich hoch sein.
    • Pflegende Angehörige sollen Geld vom Staat bekommen, wenn sie wegen der Pflege eines Angehörigen kein Geld verdienen können. Das Geld soll der Staat von den Steuern bezahlen.
    • Pflegende Angehörige sollen ein Recht haben, nach der Pflege wieder voll in ihrem Beruf weiter arbeiten zu können.

    Die Untersuchung des VdK zeigt, der größte Teil der pflegenden Angehörigen arbeitet. Die Regeln, die es im Moment für pflegende Angehörige gibt, helfen ihnen nicht. Im Gegenteil, sie machen die Situation noch schwieriger. Denn sie bekommen für die Pflege kein Geld. Deshalb fragt Herr Hotz: „Wer kann so einen Angehörigen über eine lange Zeit pflegen und gleichzeitig nicht mehr arbeiten? Deshalb muss es für pflegende Angehörige so etwas Ähnliches geben wie das Elterngeld.“

    Viele Angehörige arbeiten viel weniger, wenn sie jemanden aus der Familie pflegen. Herr Hotz erklärt: „Das merken die Menschen später bei der Rente!“ Es ist zwar möglich, mehr Rente zu bekommen, wenn Sie einen Angehörigen pflegen. Aber viele pflegende Angehörige erfüllen die Bedingungen nicht, die dafür im Gesetz stehen. In ganz Deutschland pflegen Angehörige 3,3 Millionen Menschen daheim. Der größte Teil davon sind Frauen. Aber nur 894.000 pflegende Angehörige bekommen dafür auch mehr Rente.

    Der Sozialverband VdK fordert deshalb mehr Rente für pflegende Angehörige. Die Bedingungen für mehr Rente, müssen viel besser werden. Es gibt 5 Pflegegrade. Welchen Pflegegrad ein Angehöriger bekommt, der gepflegt wird, hängt davon ab, wie viel Hilfe er braucht. Zum Beispiel bekommen pflegende Angehörige bisher erst mehr Rente, wenn der Angehörige mindestens den Pflegegrad 2 hat. Der VdK fordert mehr Rente schon ab Pflegegrad 1 und auch dann, wenn der pflegende Angehörige selbst schon Rente bekommt. Dadurch bekommen gerade Frauen mehr Rente. Egal ob sie noch arbeiten oder schon in Rente sind. Herr Hotz erklärt: „So können wir etwas gegen die Altersarmut von Frauen tun!“

    Aber es gibt noch ein sehr wichtiges Ergebnis durch die Untersuchung der Hochschule: Die meisten Menschen möchten daheim gepflegt werden. Nur wenige Menschen möchten in einem Pflegeheim leben. Damit das in der Zukunft möglich ist, setzt sich der VdK für das Thema „Nächstenpflege“ ein. Dafür starten sie die Kampagne unter dem Motto „Nächstenpflege braucht Kraft und Unterstützung“. So möchte der VdK die Bedingungen für die Pflege daheim verbessern. Denn ohne die pflegenden Angehörigen ist die Pflege in Deutschland bald nicht mehr möglich. Allerdings haben Menschen, die ihre Angehörigen daheim pflegen, weder:

    • Zeit, um für ihre Rechte zu kämpfen
    • noch Zeit, um zu einer Demo zu gehen.

    Deshalb macht das der VdK für sie: Dafür hat Herr Hotz hat alle Journalistinnen und Journalisten eingeladen mit ihm zum Eckensee in Stuttgart zu gehen. Dort gibt es den „Schicksalsbrunnen“. Um den Brunnen herum stehen viele verschiedene Schilder. Jedes Schild steht dort für einen pflegenden Angehörigen. Auf den Schildern stehen die unterschiedlichen Forderungen, die die pflegenden Mitglieder des VdK an die Politiker haben.

    Weitere Dokumente und Informationen zum Herunterladen:

    R. Schwarz

    Schlagworte Pflege | Nächstenpflege | Politik

    Pflege-Kampagne 2022
    Blauer Hintergrund mit der Aufschrift: „Ich pflege meine Liebsten zuhause.“
    Pflege geht uns alle an, hierbei ist im Besonderen die Pflege durch Angehörige für unsere Gesellschaft enorm wichtig. Gerade in Zukunft. Dennoch werden die pflegende Angehörige von der Politik alleingelassen. Wir fordern daher bessere Bedingungen und mehr Unterstützung.

    Pressekontakt

    Rebecca Schwarz
    Sozialverband VdK Baden-Württemberg e.V.
    Telefon: 0761 504 49-24
    E-Mail: rebecca.schwarz@vdk.de

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