4. Juni 2021
    EINFACHE SPRACHE

    Wichtige Leistung der Pflegeversicherung

    Wenn die eigene Familie mal keine Zeit hat

    Viele Menschen pflegen ihre Angehörigen zu Hause. Das Statistische Bundesamt hat festgestellt: Ende 2019 gab es 4,1 Millionen Pflegebedürftige in Deutschland.
    Davon haben 51,3 Prozent, das sind 2.1 Millionen Menschen, einen Pflegegrad zwischen 2 und 5. Sie werden von Angehörigen daheim versorgt. In Baden-Württemberg haben sogar noch mehr Menschen ihre Angehörigen daheim versorgt. Hier waren es 55,3 Prozent. Im Vergleich mit den anderen Bundesländern liegt Baden-Württemberg damit an erster Stelle.

    Ältere Frau mit Pflegerin
    © unsplash.com

    Das bedeutet, pflegende Angehörige sind für die Gesellschaft sehr wichtig. Die Pflege ist eine schwere körperliche Arbeit. Wer sie lange macht, kann selbst schwer krank werden. Deshalb sind Angebote, die Angehörigen helfen, sehr wichtig. Dafür hat die Pflegeversicherung ein zusätzliches Angebot: die Verhinderungspflege oder die Kurzzeitpflege.

    Verhinderungspflege: Wenn jemand einen Angehörigen daheim pflegt und einmal keine Zeit hat, kann eine andere Person die Pflege übernehmen. Der Angehörige kann in dieser Zeit weiterhin daheim bleiben.
    Kurzzeitpflege: Wenn die pflegende Person einmal keine Zeit hat, übernimmt ein Pflegeheim die Pflege. Das bedeutet, der Angehörige muss in dieser Zeit im Pflegeheim leben.

    Frau P. hat ein Gespräch mit der Patientenberaterin Monika Müller vom VdK. Auch Frau P. pflegt ihren Mann nach einem Schlaganfall seit vier Jahren zu Hause. Er hat Pflegegrad 4. In allen Bereichen des Lebens braucht er Hilfe. Sogar zum Einkaufen nimmt Frau P. ihn im Rollstuhl mit. Das fällt ihr aber immer schwerer.

    Jetzt hat sie die Möglichkeit, zusammen mit ihrer Tochter zwei Wochen Urlaub an der Ostsee zu machen. Die Tochter ist der Meinung, es ist für die Mutter wichtig rauszukommen. Aber Frau P. macht sich Sorgen: Wer kümmert sich in dieser Zeit um ihren Mann? Sie möchte nicht, dass er in ein Heim muss. Die Patientenberaterin Monika Müller erklärt ihr, dass sie in diesem Fall bei der Pflegekasse Verhinderungspflege beantragen kann. Dafür gibt es bis zu 1.612 Euro im Jahr. Mit diesem Geld kann Frau P. eine Person bezahlen, die ihren Mann daheim pflegt.

    Außerdem bekommt Frau P. noch folgende finanzielle Hilfen:

    Für die Zeit, in der Frau P. im Urlaub ist, bekommt sie das Pflegegeld für zwei Wochen. Für die Kurzzeitpflege stehen ihr 1.612 Euro zu. Wenn ihr Mann in diesem Jahr noch nicht in der Kurzzeitpflege war, bekommt sie davon ebenfalls einen Teil. Der Betrag berechnet sich nach der Länge ihres Urlaubs. Allerdings kann sie höchstens 806 Euro bekommen. Frau Müller meint, insgesamt ist das viel Geld. Damit ist es sicherlich möglich für 2 Wochen eine Pflege zu Hause zu organisieren.

    Aber Frau P. möchte nicht, dass ein Pflegedienst ihren Mann versorgt. Frau Müller erklärt Frau P., dass auch ein Verwandter, eine Freundin oder ein Nachbar in dieser Zeit ihren Mann pflegen kann.

    „Könnte dann auch meine Schwester bei uns für diese Zeit einziehen und meinen Mann versorgen?“ möchte Frau P. wissen. „Meine Schwester ist zwar berufstätig, hatte mir aber schon mal angeboten, frei zu nehmen, so dass ich mal eine Auszeit nehmen kann“.

    Frau Müller erklärt, dass das möglich ist. Wenn die Schwester zwei Wochen Urlaub nimmt, den ihr die Firma nicht bezahlt, bekommt sie den Lohn und die Reisekosten von der Pflegekasse zurück. Das gehört zur Verhinderungspflege mit dazu.

    Die VdK-Patientenberaterin gibt ihr gleich noch einen Tipp: Frau P. soll sofort einen Antrag stellen, damit ihre Schwester den fehlenden Lohn und ihre Reisekosten zurückbekommt. Denn so sieht Frau P. schnell, ob sie noch Geld hat, damit ein Pflegedienst ihren Mann duscht oder badet. Dann muss ihre Schwester diese schwere Arbeit nicht machen.

    Frau Müller weist Frau P. darauf hin, dass ihr Mann bei dieser Entscheidung auf jeden Fall mitredet. Frau P. ist der gleichen Meinung. Sie sagt: „Mein Mann findet es wichtig, dass ich mit unserer Tochter in Urlaub fahre. Er kann sich auch vorstellen, dass meine Schwester in diesem Zeitraum bei ihm ist, aber waschen lassen möchte er sich nicht so gern von ihr“. Gut, dass zum Waschen ein Pflegedienst kommen kann. Frau P. hat bisher nicht gewusst, wie viele Möglichkeiten sie bei der Pflege ihres Mannes hat.

    Zuletzt hat Monika Müller noch einen Tipp: Frau P. kann auch noch den Entlastungsbetrag von 125 pro Monat für die Pflege nutzen. Das gilt auch für die bereits vergangenen Monate in diesem Jahr. Allerdings ist das nur möglich, wenn Frau P. den Betrag dieses Jahr nicht schon einmal bekommen hat.

    Entlastungsbetrag: Menschen, die einen Angehörigen pflegen, bekommen pro Monat einen Betrag in Höhe von 125 Euro. Dieser Betrag heißt auch Entlastungsbetrag. Dieses Geld müssen sie für die Pflege des Angehörigen ausgeben. Das bedeutet sie können damit z.B. einen Pflegedienst bestellen, der den Angehörigen wäscht, die Rechnung dafür reichen sie dann bei der Pflegekasse ein und bekommen pro Monat 125 Euro zurück. Brauchen sie das Geld in einem Monat mal nicht, ist es auch möglich das Geld später zu nutzen.

    Hinweis auf eine Broschüre:

    Im Rahmen der Pflegeversicherung gibt es viele verschiedene Leistungen. Diese hängen häufig von bestimmten Bedingungen ab. Eine gute Übersicht bekommen Sie darüber durch die Infobroschüren des Bundesgesundheitsministeriums mit den Titeln „Ratgeber Pflege“ und „Pflegeleistungen zum Nachschlagen“. Sie können diese unter der Telefonnummer 030 182 722 721 bestellen oder online herunterladen:

    Statistisches Bundesamt: Das Statistische Bundesamt ist eine Behörde. Sie sammelt Informationen zu den Themen Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt.

    VdK-Tipp:

    Noch mehr Informationen zum Thema Verhinderungspflege gibt es auch in unserem VdK-Podcast „Reingehört beim Sozialverband VdK Baden-Württemberg“.

    Podcast: Vorträge, die man sich im Internet anhören oder ansehen kann.

    Schlagworte Einfache Sprache | Pflege | Pflegeversicherung | Verhinderungspflege | Kurzzeitpflege

    „Reingehört beim Sozialverband VdK Baden-Württemberg."

    Coverbild VdK-Podcast
    © VdK

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    Fall des Monats
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    Im aktuellen Fall des Monats wird geklärt, was für Möglichkeiten Sie haben, wenn ein naher Angehöriger plötzlich pflegebedürftig wird.

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