21. Mai 2019
    EINFACHE SPRACHE

    „Wertschätzung ist so wichtig wie Wasser und Brot“

    Mehr als 145 Gäste kamen am 27. März zur Veranstaltung für Schwerbehinderten-Vertreter und Personalräte auf die Ostalb. Das Thema des 24. Tages-Seminars in der Hüttlinger Limeshalle war: Umgang mit Stress und Leistungsdruck im Betrieb.

    Kreisvorsitzender Ronald Weinschenk in Hüttlingen
    Kreisvorsitzender Ronald Weinschenk in Hüttlingen | © Priya Bathe

    Erklärung: Resilienz bedeutet dem Duden nach, dass eine Sache unverwüstlich ist. Im Falle der Referate, bei denen es ja um die gesunde Betriebskultur geht, ist aber das gemeint: dass ein Betrieb vorbeugt gegen Stress. Und gegen Burnout. Burnout ist ein englischer Begriff und heißt übersetzt „ausbrennen“. Menschen, die unter einem Burnout leiden sind überarbeitet und überfordert. Betriebe sollen dafür sorgen, dass dies nicht passiert.

    Der VdK –Kreisverband Aalen organisiert die Tagung seit Jahren in Zusammenarbeit mit der Industrie-Gewerkschaft (IG) Metall und dem Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) sowie in Zusammenarbeit mit einem jährlich wechselnden Partner. In diesem Jahr war es die Krankenkasse IKK classic. Kreisvorsitzender Ronald Weinschenk konnte sie dafür gewinnen.

    Hubert Fischinger ist IKK Regional-Geschäftsführer. Er stellte zu Beginn seine Krankenkasse vor und das Betriebliche Gesundheitsmanagement (BGM)

    Erklärung: Gesundheitsmanagement bedeutet, dass alles was die Gesundheit der Mitarbeiter betrifft, überprüft und organisiert wird.Die IKK unterstützt kleinere und mittlere Betriebe bei der Einführung des BGM.

    Wolfgang König ist der Geschäftsführer der Firma Vitus König. Das ist ein Aalener Handwerksbetrieb für den Bereich Bad, Heizung und Sanitär. König berichtete, wie die Zusammenarbeit mit der IKK aussieht. IKK Gesundheitsmanagerin Irene Kellermann konnte mit König gemeinsam in seinem Betrieb untersuchen, woher die hohe Stressbelastung der Mitarbeiter kam. Und wie sie sich ausräumen lasse.

    König erläuterte: „Bei uns herrschte vor dem BGM eine schlechte Kommunikation, was die Arbeitsvorbereitung betrifft. Arbeiten wurden daher nicht richtig gemacht. Dadurch gab es Stress bei uns und zwischen den Mitarbeitern.

    Erklärung: Kommunikation ist das lateinische Wort für „Gespräch“.
    Heute umfasst das Wort alles was damit zu tun hat. Das bedeutet, auch die unterschiedlichen Möglichkeiten, wie Gespräche stattfinden.

    König betont: „Unter Stress sind wir andere Personen“. In seinem Betrieb führte er eine Fachgruppe für BGM ein. Sie verbesserte die Abläufe der Kommunikation.

    Zudem können Mitarbeiter inzwischen Sportangebote nutzen. Und sie können weitere Leistungen zur Verbesserung ihrer Gesundheit bekommen. Für seine Auszubildenden (Azubis) schaffte König ein Azubi-Mobil an. Daran können die Lehrlinge selbst werkeln. Sie haben auch die Verantwortung für den Wagen und kümmern sich um die Wartung.

    „Es ist wichtig, dass die jungen Menschen den Übergang vom Lehrling zum Gesellen schaffen. Dafür brauchen sie eigene Projekte wie unser Azubi-Mobil.“Und Wolfgang König nimmt sich selbst als Chef nicht aus, was Stressabbau angeht. „In der Pause mache ich mein Handy aus!“

    Für König steht fest: „Das BGM hat dazu geführt, dass wir achtsamer miteinander umgehen. Beständigkeit durch so ein Programm ist wichtig. Wir möchten, dass die Menschen sich wohlfühlen bei uns im Betrieb. Unser Eindruck ist bei den Kunden dadurch besser geworden.

    Gesund führen

    Das Beispiel der Firma Vitus König zeigt, dass die Haltung der Geschäftsführung ausschlaggebend ist, wenn BGM erfolgreich umgesetzt werden will.

    Das war auch die zentrale Aussage der nachfolgenden Rednerin, Ursula Dangelmayr. Sie ist Diplom-Psychologin und war lange Führungskraft in einem Finanzdienstleistungs∙unternehmen. Sie stellte das Thema „Gesund führen – uns und andere“ vor. Sie ging dabei auf die Bedeutung von Chefs, Führungskräften und auch Teamleitern ein. „Eine Führungskraft ist von zentraler Bedeutung für die Gesundheit der Mitarbeiter. Wenn aber eine Führungskraft sich krank ins Büro schleppt, dann denken die Mitarbeiter: „Der erwartet das von uns auch.“

    Referentin Ursula Dangelmayr über „Gesunde Führung“ und Führungskräfte
    Referentin Ursula Dangelmayr über „Gesunde Führung“ und Führungskräfte | © Priya Bathe

    Dangelmayr betonte, dass Führungskräfte für die Rahmenbedingungen da seien. Aber auch dafür, ihre Mitarbeiter zu stärken. Es ginge um eine Care-Kultur in Unternehmen.
    Erklärung: Care-Kultur bedeutet: eine fürsorgliche Haltung für die Mitarbeiter zu haben.
    Dangelmayr sagte abschließend: „Diese Kultur des Kümmerns muss verankert werden, auch wenn es ein langer Weg ist“.

    Den Nachmittag bestritt Tobias Nitschke gleich mit zwei Vorträgen. Er stellte zum einen das Thema „Gesunde Betriebskultur – zwischenmenschliche Belastungen reduzieren“ vor. Zum zweiten das Thema „Resilienz – Schutzschild gegen Burnout und Stress“.

    Er sagte: „Wertschätzung ist so wichtig wie Wasser und Brot“ und meinte das bezogen auf eine gesunde Betriebskultur. Er meinte auch, dass Lob und Loben gelernt sein will. Er stellte in diesem Zusammenhang den Hörern das ABC-Lob vor. Dabei ging er auf Formulierungen ein, die positive Rückmeldungen hervorrufen können. Zum Beispiel: „Wie stellen wir Fragen so, dass sie als Wunsch ankommen und nicht als Angriff?“
    Angriff löse Stress im Gegenüber aus. Nitzschke forderte das Publikum auf, Fragen zu zwei Situationen positiv zu formulieren. Wer genauer mit der Sprache umgehe, könne seinem Gegenüber viel entspannter und offener begegnen, sagte er.

    Im zweiten Vortrag „Resilienz – Schutzschild gegen Burnout und Stress“ zeigte er auf, warum wir mit Stress auf bestimmte Situationen reagieren. Oft seien dafür die eigenen „Antreiber“ in jedem einzelnen drinnen. Diese müsse man selbst finden und lernen mit ihnen umzugehen. Als Beispiele für solche „Antreiber“ nannte er Sätze wie „Sei stark!“ – „Beeil dich!“ „Mach es allen recht!“

    Eine große Bedeutung komme auch der Fähigkeit zu etwas akzeptieren zu können, wenn es um die Stärkung der Widerstandsfähigkeit geht, sagte Nitzschke.Er gab eine Formel aus, wie man Sachverhalte positiv für einen selbst umdeuten könne. Damit sinke der Stress und die innere Sicherheit wird stabiler.

    Die Formel heißt: „Change it – Love it – or leave it“. Es bedeutet auf Deutsch:
    Verändere es – liebe es – oder verlasse es. Damit ist gemeint, dass man Dinge verändern kann, dass man Dinge annehmen kann oder sie verlassen muss. In allen Fällen hat man das Handwerkszeug dafür, mit unangenehmen Dingen besser umzugehen.

    Zum Abschluss der Konferenz dankte Josef Mischko von der IG Metall allen. Besonders dankte er VdK-Kreischef Ronald Weinschenk und dessen Team für die Organisation der Tagung. Beide freuen sich schon auf das kommende Jahr: dann wird das Tagesseminar in Hüttlingen sein 25. Jubiläum feiern.

    Pressekontakt

    Britta Bühler
    Sozialverband VdK Baden-Württemberg e.V.
    Telefon: 0711 619 56-53
    E-Mail: b.buehler@vdk.de

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