EINFACHE SPRACHE

    INTERVIEW: Unberechtigtes Parken ist kein Kavaliersdelikt

    VdK-Parkplatzaktion für selbstbestimmte Teilhabe in Rottenburg.
    Vize Lutz Vieweg war im Gespräch mit der VdK-Zeitung.
    Im ganzen Land engagieren sich VdK-Mitglieder und VdK-Mitarbeiter für eine
    barrierefreie Gesellschaft. Aber bauliche Barrieren an Gebäuden, auf Straßen und
    Plätzen erschweren die Inklusion von Menschen mit Behinderung.
    Auch durch Barrieren in Bus und Bahn und anderen Einrichtungen ist das so.
    Häufig gibt es Barrieren durch das Unwissen oder die Gedankenlosigkeit der
    Menschen.
    Jetzt hat der Ortsverband Rottenburg dafür gesorgt, dass 25 Parkplatzschilder von
    Behindertenparkplätzen mit Zusatzschildern ausgestattet wurden.
    Außerdem wird jetzt bei der Wallfahrtskirche
    Weggental zum ersten Mal ein Behindertenparkplatz
    ausgewiesen. Die Wallfahrtskirche wird gerne
    besucht.
    Die VdK-Zeitung sprach mit Lutz Vieweg, dem
    stellvertretenden Ortsverbandsvorsitzenden von
    Rottenburg.
    Der 49-jährige Lutz Vieweg war für das VdK-Projekt
    „Zusatzschilder“ zuständig.

    ? Herr Vieweg, dank Ihrer Aktion wurden 25 zusätzliche Schilder montiert.
    Warum haben Sie diese Aktion gemacht?

    Lutz Vieweg: Leider müssen wir immer wieder auch in Rottenburg feststellen, dass
    die Menschen insgesamt rücksichtloser miteinander umgehen.
    Das gilt auch für das Parken. Die Behindertenparkplätze werden gerne von
    Nichtbehinderten belegt.
    ? Herr Vieweg, wieso sind diese speziellen Parkplätze so wichtig für die
    Betroffenen?

    Lutz Vieweg: Weil es Menschen sind, die sich außerhalb ihres Fahrzeugs nicht gut
    bewegen können, wegen der Schwere ihrer Behinderung.
    Oft können sie das nur mit großen Anstrengungen und nur wenige Meter.
    Wir sprechen hier von Querschnittgelähmten und anderen Personen mit schweren
    Behinderungen. Für diese Menschen ist es wichtig, dass besondere Parkplätze an
    zentralen Orten vorhanden sind.
    Diese bieten übrigens auch mehr Bewegungsflächen als normale Stellplätze.
    Ohne die Parkmöglichkeit vor Ort gibt es für diese Personen oftmals keine
    Möglichkeit selbstbestimmter Teilhabe. Und darum geht es ja.
    Personen sollen unabhängig von anderen selbst entscheiden können.
    Und sie sollen grundsätzlich auch ohne fremde Hilfe zu einer Veranstaltung gehen
    können.
    Oder zum Einkaufen, zum Arzt oder wohin sie sonst fahren können.
    ? Mit den Zusatzschildern, die im Frühjahr angebracht wurden, weisen Sie den
    Betrachter daraufhin, dass es hier um Parkplätze geht. Wie reagierten die Leute
    bisher darauf?

    Lutz Vieweg: Bei Gesprächen mit den Bürgern im Ort werden wir immer positiv auf
    die Aktion angesprochen.
    Auch Gemeinderäte haben schon positive Rückmeldungen gegeben.
    Wir sind froh, dass wir die Menschen in Rottenburg ein wenig aufmerksam dafür
    machen konnten.
    Jetzt hoffen wir, dass die Behörden eifrig kontrollieren. Das falsche Parken soll
    abgestellt werden. Und es soll bestraft werden, wo es doch mal vorkommt.
    Denn das unberechtigte Parken auf Behindertenparkplätzen ist kein Kavaliersdelikt.
    ? Plant Ihr Ortsverband weitere Projekte im Zusammenhang mit der VdKKampagne
    „weg mit den Barrieren“? Was sind Ihre nächsten Schritte?

    Lutz Vieweg: Ja, wir machen weiter. Denn die 25 Behindertenparkplätze reichen
    längst nicht aus. Deshalb haben wir in Rottenburg untersucht, wo es noch
    Behindertenparkplätze geben muss.
    Wir hoffen, dass der Gemeinderat, der Sozialausschuss und die Stadtverwaltung da
    genauso aufgeschlossen sind, wie bei der Schilderaktion.
    Und wir hoffen, dass es auch da wieder so schnell umgesetzt wird.

    Das Gespräch mit dem stellvertretenden Ortsverbandsvorsitzenden Lutz Vieweg
    führte Britta Bühler von der VdK-Zeitung.

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