Startschuss für VdK-Wohnberatung in Baden-Württemberg ist gefallen

„Da habe ich erstmals gemerkt, wie man in den eigenen vier Wänden durch Barrieren behindert werden kann.“

16 ehrenamtliche Beraterinnen und Berater stehen landesweit bereit


Seit diesem Jahr bietet der Sozialverband VdK Baden-Württemberg seinen Mitgliedern einen neuen Service an. Mit 16 ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern startet der Landesverband die Wohnberatung zur individuellen Wohnraumanpassung im Ländle. „Die meisten Menschen wollen trotz Mobilitätseinschränkung, Krankheit oder Behinderung gern in ihrer vertrauten Umgebung wohnen bleiben. Oft sind unsere Wohnungen und Häuser aber nicht barrierefrei, wodurch eine selbstständige Lebensführung zusätzlich beeinträchtigt werden kann. Eine Wohnraumanpassung kann da die Lösung sein“, erklärt Ulrike Werner, hauptamtliche Wohnberaterin des Sozialverbands VdK Baden-Württemberg in Radolfzell. Die Wohnraumanpassung ermögliche auch, den Wohnraum für die Pflege daheim zu gestalten. Dabei werde die Perspektive der pflegenden Angehörigen als auch der zu pflegenden Personen in den Fokus genommen.

Begonnen hat das Projekt bereits 2016 mit einem Mitgliederaufruf in der VdK-Zeitung (September-Ausgabe 2016). Interessierte Mitglieder wurden damals gebeten, sich als ehrenamtliche Wohnberater beim VdK ausbilden zu lassen. Diesem Aufruf folgten zahlreiche VdK-Mitglieder, die zu einem ersten Seminar im Frühjahr 2017 nach Waiblingen eingeladen wurden. Dort informierten sich die Ehrenamtlichen umfassend über das Thema Wohnraumanpassung und konnten die praktische Umsetzung in der barrierefreien Musterwohnung der Wohnungsbaugesellschaft GSW besichtigen.

Ewald Deiring (Erster von links) mit weiteren ehrenamtlichen VdK-Wohnberatern beim Vernetzungstreffen in Stuttgart. | © Inge Pfeil

Damals meldete sich auch Ewald Deiring aus Wertheim im Main-Tauber-Kreis. „Auslöser für mich war die Meniskusspiegelung meiner Frau. Nach der ambulanten Operation konnte sie nicht mehr die Treppen hoch in unser Schlafzimmer steigen. Da habe ich erstmals gemerkt, wie man in den eigenen vier Wänden durch Barrieren behindert werden kann.“ So wie Deiring geht es den meisten Menschen. Erst wenn man selbst betroffen ist, entwickelt sich ein Bewusstsein für das Thema Barrierefreiheit. Deiring ist Elektromeister in Rente. Er war lange als Geschäftsführer einer Industrieautomationsfirma und im Außendienst tätig. „Als ich den Aufruf in der VdK-Zeitung gelesen habe, war ich gleich angetan. Ein Besuch beim Klienten, um ein Bad oder Wohnung anzuschauen, macht mir nichts aus. Technische Lösungen ausarbeiten und anbieten waren stets meine Aufgabe und Tätigkeit.“ Zudem kann Herr Deiring einschlägige Erfahrungen im Wohnungsbau mit einbringen. Neben Deiring haben sich weitere Fachkräfte aus den Bereichen Handwerk, Architektur, Pflege und Soziales für die Ausbildung zu ehrenamtlichen VdK-Wohnberatern gemeldet. „Um ein fundiertes Wohnberatungsangebot zu bieten, braucht es ein interdisziplinäres Team. Menschen, die ihre fachspezifischen Erfahrungen einbringen können, die schnell eine räumliche Situation erfassen oder auch Menschen, die mit Fingerspitzengefühl für die Belange der Ratsuchenden ein Ohr haben. Außerdem braucht es Teamfähigkeit, um miteinander arbeiten und sich austauschen zu können“, sagt Wohnberaterin Werner.

In einem zweiten Schritt hat der VdK die Teilnehmer – in Kooperation mit dem Deutschen Roten Kreuz, Kreisverband Stuttgart e.V – intensiv geschult. „Die Teilnehmer wurden an zwei Wochenenden in Stuttgart ausgebildet. Dabei erlebten sie die Wohnberatung auch von der praktischen Seite. Sie konnten Hilfsmittel ausprobieren und so ein Gefühl für das Thema bekommen“, sagt Werner. Im Januar und Februar 2018 fanden im Landesverband Stuttgart zwei Vernetzungsveranstaltungen für die frisch gebackenen Wohnberater statt. Gemeinsam mit Ulrike Werner und Stefan Pfeil, Leiter der Abteilung Sozialpolitik und Sozialrecht im Landesverband, wurden die Ehrenamtlichen noch einmal auf die Aufgaben in der Wohnberatung vorbereitet und vor allem auch auf die rechtliche Situation hingewiesen. „Die ehrenamtliche VdK Wohnberatung hat Lotsenfunktion. Vorschläge und ergänzenden Informationen z.B. zu Produkten (Hilfsmittel) und Kostenträgern sollen den Ratsuchenden helfen, um vor Ort bedarfsgerechte Lösungen für sich zu finden. Die Beratung ist als „Hilfe zur Selbsthilfe" zu verstehen. Die ehrenamtlichen VdK-Wohnberater können keinesfalls die Aufgaben eines Architekten oder eines Statikers erfüllen und beispielsweise zu einer detaillierten Bauplanung beraten“, unterstreicht Pfeil den rechtlichen Rahmen der Beratung. Die VdK-Wohnberater geben eine erste Orientierung, die ganz dem VdK-Gedanken der neutralen, unabhängigen und kompetenten Beratung folgt.

Den neuen Flyer zur VdK-Wohnberatung erhalten Sie beim Landesverband in Stuttgart. | © Anne Lehmann

VdK-Wohnberater Deiring ist motiviert, fühlt sich gut geschult und freut sich sehr über das ehrenamtliche Wohnberater-Team. „Das Vernetzungstreffen in Stuttgart war sehr wichtig. Wir haben hier eine geballte Kompetenz aus allen Bereichen rund um altersgerechtes Wohnen. Wenn ich künftig einen Beratungsfall bei mir im Main-Tauber-Kreis habe, bei dem beispielsweise häusliche Pflege im Vordergrund steht, werde ich ganz sicher meine Kollegin Frau Färber hinzuziehen, die im Main-Tauber-Kreis und auch im Neckar-Odenwald-Kreis tätig ist, sich aber im Pflegebereich sehr gut auskennt. Bei Bedarf machen wir die Wohnberatung auch gemeinsam“, freut sich Deiring. Das neue ehrenamtliche Team der landesweiten VdK-Wohnberatung mit aktuell sechs Frauen und zehn Männern befindet sich weiter im Aufbau.
(Priya Bathe/VdK)

Sie wollen ehrenamtlicher Wohnberater werden oder eine Wohnraumanpassung vornehmen lassen? Dann wenden Sie sich an Ulrike Werner. Die hauptamtliche VdK-Wohnberaterin koordiniert zentral die Anfragen von Mitgliedern für einen Termin sowie die Aufnahme neuer Ehrenamtlicher in das VdK-Wohnberatungsteam.


  • Flyer Wohnberatung.pdf (715,21 KB, PDF-Datei)

    Hier können Sie sich den Flyer der Wohnberatung herunterladen.

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