Wieder 800 Teilnehmer beim VdK-Gesundheitstag in Stuttgart

Roland Sing mahnt Nachbesserungen bei Gesetzgeber an

Plädoyer für seniorenpolitisches Gesamtkonzept auf Kommunalebene

Ärzten warnen vor der Verharmlosung von Diabetes

VdK-Gesundheitstag 2015

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  • VdK-Landesverbandsgeschäftsführer Hans-Josef Hotz bei seiner Begrüßungsrede im Mozartsaal.
    VdK-Landesverbandsgeschäftsführer Hans-Josef Hotz bei seiner Begrüßungsrede im Mozartsaal.
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  • VdK-Vizepräsident Roland Sing rief den Gesetzgeber zu Nachbesserungen auf.
    VdK-Vizepräsident Roland Sing rief den Gesetzgeber zu Nachbesserungen auf.
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  • VdK-Vizepräsidentin Carin E. Hinsinger im Gespräch mit Sozialbürgermeisterin Isabel Fezer.
    VdK-Vizepräsidentin Carin E. Hinsinger im Gespräch mit Sozialbürgermeisterin Isabel Fezer.
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  • Die Aufnahme zeigt Dr. Jürgen Gohde und Moderator Axel Graser während der Podiumsdiskussion.
    Die Aufnahme zeigt Dr. Jürgen Gohde und Moderator Axel Graser während der Podiumsdiskussion.
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  • Engagierte Diskussion übersetzt von zwei Gebärdensprachdolmetscherinnen.
    Engagierte Diskussion übersetzt von zwei Gebärdensprachdolmetscherinnen.
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  • Dr. Ulrich Clever: „Ärztliches Tun ist mehr als medizinisches Tun!“
    Dr. Ulrich Clever: „Ärztliches Tun ist mehr als medizinisches Tun!“
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  • PD Dr. Erhard Siegel brachte viele sehr anschauliche Beispiele.
    PD Dr. Erhard Siegel brachte viele sehr anschauliche Beispiele.
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  • Dr. Peter Neumann verwies auch auf die Indikationen für stationäre Reha bei Diabetes wie beispielsweise das diabetische Fußproblem.
    Dr. Peter Neumann verwies auch auf die Indikationen für stationäre Reha bei Diabetes wie beispielsweise das diabetische Fußproblem.
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  • Auch die Empore des Mozartsaals war mit interessierten Zuhörern gefüllt.
    Auch die Empore des Mozartsaals war mit interessierten Zuhörern gefüllt.
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  • Kleine Stärkung in der Pause.
    Kleine Stärkung in der Pause.
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  • Viele praktische Informationen gab es beim Stand des Hausnotrufanbieters.
    Viele praktische Informationen gab es beim Stand des Hausnotrufanbieters.
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  • Am VdK-Stand beriet unter anderem Mitarbeiterin Simone Watzl, die aus Tübingen gekommen war.
    Am VdK-Stand beriet unter anderem Mitarbeiterin Simone Watzl, die aus Tübingen gekommen war.
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  • Erstmals beim VdK-Gesundheitstag dabei: das Kompetenzzentrum Bad Rappenau.
    Erstmals beim VdK-Gesundheitstag dabei: das Kompetenzzentrum Bad Rappenau.
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  • Großer Andrang und guter Verkauf beim Benefizstand von Ursula Sing.
    Großer Andrang und guter Verkauf beim Benefizstand von Ursula Sing.
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„Der Zusatzbeitrag für gesetzlich Krankenversicherte muss weg!“, forderte der VdK-Vizepräsident Roland Sing im Oktober auf dem VdK-Gesundheitstag in der Stuttgarter Liederhalle. Die landesweite Großveranstaltung des Sozialverbands VdK Baden-Württemberg war auch im Jahr 2015 von gut 800 Teilnehmern besucht worden. Vor den vollen Rängen des Mozartsaals appellierte Sing an den Gesetzgeber, zur paritätischen Finanzierung bei der gesetzlichen Krankenversicherung zurückzukehren, um die soziale Balance wieder herzustellen. Es sei unsozial, den gesetzlich Versicherten die Kosten des medizinischen Fortschritts, der Preis- und Tarifsteigerungen alleine aufzubürden. Der Landesverbandsvorsitzende verwies auf die hohen Belastungen, beispielsweise die Zuzahlungen, die die Versicherten seit Langem selbst zahlen müssen. Und er verwies auf das neue Versorgungsstärkungsgesetz und auf das endlich geschaffene Präventionsgesetz. Aber solche notwendigen Leistungen dürfe man, so Sing, von den Versicherten nicht alleine über die Zusatzbeiträge finanzieren lassen.

In seinem groß angelegten sozialpolitischen Vortrag thematisierte Roland Sing gerade auch das neue Präventionsgesetz. Er sei froh, dass man jetzt – nach dem vierten Anlauf – endlich das lange vom VdK geforderte Gesetz geschaffen hat. Allerdings gebe es einigen Nachholbedarf, betonte Sing mit Blick auf die nicht berücksichtigten Menschen mit Behinderung, die Älteren und die Langzeitarbeitslosen. Dies sei ein sozialpolitischer Fehler, monierte Roland Sing und forderte den Gesetzgeber zur Nachbesserung auf. Zugleich lobte er die Berücksichtigung von Schulen und Kindertagesstätten im neuen Gesetz. „Dies ist wichtig, wenn man bedenkt, dass die Hälfte der Siebenjährigen nicht auf einem Bein stehen kann!“ Und im Hinblick auf Präventionsleistungen ab 2016 in voll- und teilstationären Einrichtungen sagte Roland Sing: „Angebote wie Sturzprophylaxe müssen Standard für alle werden. Das ist mir ein ganz wichtiges Anliegen.“ Zugleich forderte der VdK-Vizepräsident, die Funktion des Hausarztes als „Präventionslotsen“ auszuweiten.

Landesverbandsgeschäftsführer Hans-Josef Hotz gab zu bedenken, dass der Anteil der hochaltrigen Menschen rasant zunehme, somit auch der Pflegebedarf. Dabei dürfe man nicht vergessen, dass die Generation 80+ den Grundstein für unseren heutigen Wohlstand gelegt, Kinder und Enkel großgezogen und die eigenen Eltern gepflegt habe. „Nun liegt es in unserer Verantwortung, sie und die nachfolgenden Altengenerationen gut und würdig zu versorgen“, betonte Hotz, dessen Kreisverband Heidelberg wieder mit einem Reisebus zum Gesundheitstag gekommen war. Auch andere Kreisverbände hatten Busse organisiert.

Das große Interesse der Mitglieder beeindruckte Moderator Axel Graser vom Südwestrundfunk (SWR) und Gastredner sehr. Stuttgarts Sozialbürgermeisterin Isabel Fezer (FDP) dankte denn auch den VdK-Ehrenamtlern und betonte einmal mehr, wie wichtig es sei, „Verantwortung für das Ganze“ zu übernehmen. Ebenso lobte sie das gestiegene Bewusstsein für die eigene Gesundheit der Menschen. Dies dürfe aber nicht dazu führen, dass Kranken Vorwürfe gemacht werden, nach dem Motto: „Sie haben nicht genug für Ihre Gesundheit getan“, mahnte die Bürgermeisterin für Soziales, Jugend und Gesundheit.

Dr. med. Ulrich Clever, seit 2011 Präsident der Landesärztekammer Baden-Württemberg, ging in seinem Vortrag der Frage nach, ob Ärzte und Psychotherapeuten Dienstleister der Patienten seien. Und er bekannte freimütig, dass Ärzte und Psychotherapeuten die Begriffe „Dienstleister“ und „Leistungserbringer“ nicht so gerne hätten. Vielmehr sähen sie sich als Vertreter der Heilberufe. Er bescheinigte den Ärzten vor Ort viel Einsatz und verwies auf ständige Fortbildungen und zwar in der Freizeit der Mediziner. Das Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient bezeichnete der Freiburger Gynäkologe als Herzstück des freien Berufs.

Dr. h. c. Jürgen Gohde, der Vorstandsvorsitzende des Kuratoriums Deutsche Altershilfe (KDA), setzte sich in seinem Referat mit der Pflegethematik auseinander. Er lenkte den Blick auf die 50- bis 60-Jährigen, die berufstätig sind und pflegen und er verwies hier auf die Wirtschaft, die eine gute Pflegesituation als guten Standortfaktor ansehe. Zugleich erinnerte er daran, dass 71 Prozent der Pflegebedürftigen zuhause gepflegt werden und nur 29 Prozent im Heim. Daher brauche es Gesamtkonzepte und hier seien gerade auch die Kommunen gefordert. Denn es gehe bei der Pflege um Lebensqualität. Aber angesichts der „normalen“ Wohnungen, die in der Regel nicht barrierefrei seien, brauche es Quartierskonzepte für den Aufbau seniorengerechter Infrastruktur. Gohde, der Vorsitzender des „Beirats zur Überprüfung des Pflegebedürftigkeitsbegriffs“ war, kam auch auf die sogenannten Pflegestützpunkte zu sprechen. Problematisch sei hier, dass es keine einheitlichen Standards gebe. Es gebe nicht zu wenig Beratung, sondern zu wenig „integrierte Beratung“. Außerdem verlange die Morbidität (Anmerkung: Unter ihr versteht man die Krankheitshäufigkeit bezogen auf eine bestimmte Bevölkerungsgruppe) eine intensive Kooperation der Hausärzte mit Pflegeeinrichtungen.

Auch Roland Sing sprach sich im Rahmen der Podiumsdiskussion für den Aufbau seniorengerechter Strukturen vor Ort aus. Denn es dürfe keinen Pflegeheimaufenthalt nur wegen fehlender örtlicher Infrastruktur geben, mahnte Sing. Daher müssten sich die Kommunen dringend dem demografischen Wandel stellen und hier sei auch das Ehrenamt gefragt, betonte der VdK-Vizepräsident. Und Dr. Clever riet den Anwesenden, sich vor Ort einen Arzt ihres Vertrauens zu suchen. Denn ein guter Hausarzt sei das „A & O“, bekräftigte der Facharzt und Ärztevertreter.

Im Nachmittagsprogramm der Großveranstaltung gaben die beiden Diabetesexperten Privatdozent Dr. med. Erhard Siegel und Dr. med. Peter Neumann fundierte Einblicke in die Zuckerkrankheit.

Dr. Siegel, Past-Präsident der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG), nahm die interessierten Zuhörer auch auf eine ausführliche Reise in die Geschichte der Diabetesentdeckung und -behandlung durch etliche Jahrhunderte mit. Erste Aufzeichnungen habe es bereits 1500 vor Christus auf Papyrus gegeben. Und er informierte über frühe Therapien wie Schröpfen oder Aderlass aber auch über frühe Diäten wie beispielsweise Haferschleim oder Stockfisch sowie Anregungen zu mehr Bewegung. Der Referent bezeichnete die Entdeckung des Insulins als bahnbrechende Erfindung, vergleichbar mit der Penicillin-Entdeckung. Mit Blick auf den immer häufiger vorkommenden Typ-II-Diabetes sprach Dr. Siegel von einer „unglaublich komplizierten Erkrankung“. Sorgen bereiten dem Heidelberger Chefarzt, dass rund zwei Millionen Menschen in Deutschland gar nicht wüssten, dass sie an Diabetes erkrankt seien. Bedenklich sei auch, dass die Zuckerkrankheit vielfach verniedlicht werde, denn „Ein bisschen Zucker gibt es nicht!“, sagte PD Dr. Erhard Siegel mit Blick auf die vielen gefährlichen Folgeschäden, die bereits nach neun Jahren drohten. Bewegung bezeichnete er als das „A & O“ der Präventionsmaßnamen. 10 000 Schritte täglich bringe richtig viel und jeder solle so viel wie möglich Bewegung in seinen Alltag einbauen.

Dr. Neumann, Leitender Arzt der Fachklinik Schwaben Bad Mergentheim, betonte, dass sich Reha lohne. Er hob hervor, dass seine Klinik den Patienten auch Lebensfreude vermitteln wolle. Wichtig sei, dass die Diabetesschulungen nicht nur zeigen „wie‘s geht“, sondern auch Spaß machen. Heute gebe es sehr differenzierte Therapien und der Patient müsse hier mitentscheiden und mitwirken. Außerdem müssten die Betroffenen die Ernährungsberatung auch verstanden haben und sie müssten es geübt haben, um Erfolge, beispielsweise bei der Gewichtsreduktion, zu erzielen. Der Diabetologe DDG verwies ebenfalls auf die große Bedeutung der Bewegung für die Prävention und die Therapie bei Diabetes. Und Dr. Peter Neumann informierte über seinen Kliniklauftreff immer dienstags.

Neben Vorträgen und Podiumsdiskussion gab es im Foyer vor dem Mozartsaal wieder eine begleitende Ausstellung von Sozialverband VdK und Unabhängiger Patientenberatung Deutschland (UPD), von Sozialversicherungsträgern, Selbsthilfegruppen und einem Hausnotrufanbieter. Erstmalig mit Infostand dabei waren das Deutsche Rote Kreuz (DRK), das Kompetenzzentrum Bad Rappenau mit seinen Kliniken und Ursula Sing. Die Ehefrau des VdK-Landesvorsitzenden bot allerlei selbstgefertigte Handarbeiten zum Verkauf für einen guten Zweck an. Beachtliche 700 Euro kamen so in der Liederhalle zusammen. Sie sollen an den Förderverein für krebskranke Kinder Tübingen e.V. gehen.

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