Sing-Plädoyer bei Pflege-Enquete:
„Potenzial und Kompetenzen älterer Menschen erkennen!“

Landesverbandsvorsitzender Roland Sing bezog im Landtag Stellung

Derzeit leben in Baden-Württemberg 278 000 pflegebedürftige Menschen. Experten rechnen in den nächsten 15 Jahren mit einem Anstieg auf rund 374 000 Personen im Südwesten. Bereits heute ist ein Fünftel der Bevölkerung im Lande 65 Jahre und älter. 2030 wird dieser Anteil wahrscheinlich ein Viertel betragen. Wie es in Sachen demografischer Wandel, Pflegebedürftigkeit, Selbstbestimmung im Alter oder auch Sterbebegleitung weitergehen soll, war Gegenstand einer öffentlichen Anhörung der Pflege-Enquete im Landtag von Baden-Württemberg. Dort hatte der VdK-Landesvorsitzende und Vizepräsident des VdK Deutschland, Roland Sing, Gelegenheit zu einer ausführlichen Stellungsnahme.

Sing stellte eingangs gleich klar, dass der demografische Wandel nicht bedeute, dass es zu viele alte Menschen gebe, sondern zu wenig junge. Er verwies darauf, dass die Menschen heute nicht nur älter würden, sondern dabei auch gesünder und zugleich kompetenter seien als frühere Generationen. Deshalb riet der VdK-Pflege- und Gesundheitsexperte den Verantwortlichen, das Potenzial und die Kompetenzen älterer Menschen zu erkennen. Dies könne ein Gewinn für den Einzelnen und für die Gesellschaft sein. Im Übrigen seien, so Sing, Rentner ein Wirtschaftsfaktor und dürften nicht als ökonomische Belastung angesehen werden. Zugleich gab Roland Sing zu bedenken, dass auch in Deutschland Alter, Krankheit und Pflegebedürftigkeit ein hohes Armutsrisiko darstellten. Und er verwies darauf, dass sich viele Menschen am Lebensende und in der Sterbephase eine Begleitung wünschten, denn die Angst, Schmerzen erleiden zu müssen, sei groß. Deshalb brauche es Palliativcareteams, um die Leistungen der Palliativmedizin diesen Gegebenheiten anzupassen. Außerdem plädierte der VdK-Landesvorsitzende und Vorsitzende des Landesseniorenrats (LSR) einmal mehr dafür, den Pflegekräften mehr gesellschaftliche Anerkennung zu gewähren. Angesichts der nach wie vor zu geringen Entlohnung der geleisteten Arbeit und der teilweise sehr hohen persönlichen Belastungen müsse man für eine angemessene Entlohnung sorgen, damit sich auch die Akzeptanz des Pflegeberufs erhöhe und es zudem zu einer Steigerung der Anzahl inländischer Pflegekräfte komme. „Die Gesellschaft muss erkennen, dass eine menschenwürdige Pflege etwas wert sein muss“, bekräftigte Roland Sing. Er verwies in diesem Zusammenhang auch auf die vielen pflegenden Angehörigen, die ohne professionelle Hilfe pflegen und die oftmals die eigene Erwerbstätigkeit aufgeben, um zu pflegen. Dies sei ein Faktor für Altersarmut, denn durch die Pflege Angehöriger werden – die notwendige Stundenanzahl vorausgesetzt – nur geringe Rentenbeiträge erwirtschaftet. Sie ließen, so Sing, später keine angemessene Rente zu. Daher plädiert der VdK-Vizepräsident, die Pflege Angehöriger wie Kindererziehungszeiten zu berücksichtigen. Und er verlangte einmal mehr den Ausbau der Pflegegeldleistung sowie der Sachleistung bei ambulanter Pflege und den Ausbau von Leistungen für demenzkranke Menschen.

Außerdem sei es wichtig, die quartiersbezogene Pflege zu organisieren und Treffpunkte für pflegebedürftige Menschen zu schaffen. Deshalb müssten auch die Pflegestützpunkte dringend ausgebaut werden. Es brauche des Weiteren mehr Wohnberatungsstellen, mehr sozialen Wohnungsbau, aber auch die Organisation von Besuchsdiensten und die Qualifizierung Ehrenamtlicher, um beispielsweise Betreuungs- und Begleitungsdienste erbringen zu können. Roland Sing verwies in seiner umfangreichen Stellungnahme auch auf die sogenannte Stufe Eins der jüngsten Pflegereform, die im Januar 2015 in Kraft trat. Die Möglichkeit der Reduzierung der Arbeitszeit für zwei Jahre, um einen Angehörigen zu pflegen, sei ein Schritt in die richtige Richtung, allerdings sollte es hier eine steuerfinanzierte Unterhaltsleistung entsprechend dem Elterngeld geben, um das Schuldenrisiko pflegender Angehöriger zu verringern. Ebenso müsse es einen Rechtsanspruch für Beschäftigte in Betrieben mit weniger als 25 Mitarbeitern geben. Und der Ausbau der Rentenleistung bei Pflege müsse eine Gleichstellung mit den Kindererziehungszeiten erfahren. Abschließend bekräftigte Sing die Forderung von VdK und LSR nach einem Patienten- und Pflegebeauftragten für Baden-Württemberg und er plädierte an die Verantwortlichen, den Industrie- und Innovationsstandort Baden-Württemberg im Interesse der Pflegebedürftigen weiterzuentwickeln und umzusetzen. Dazu brauche es die Alltagsunterstützenden Assistenzlösungen (AAL), Multiplikatoren als AAL-Lotsen oder Senioren-Technik-Botschafter und entsprechend geschulte und sensibilisierte Handwerksbetriebe.

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