23. Februar 2015

Männergesundheit – was ist das? Männergesundheit – (k)ein Thema?

„Männer sind keine harten Knochen!“

VdK-Mitglied Jörg Stimpfig berichtet von der Männergesundheitsveranstaltung des Kreisverbands Stuttgart

Frauenleiden, das ist ein allseits bekannter Begriff. Männergesundheit, das ist etwa ganz Neues. Frauenärztinnen und Frauenärzte sind uns allen bekannt. Aber Männerärzte, gibt es die überhaupt? „Eigentlich gibt es gar keine Männerärzte“, erläuterte Dr. Suso Lederle, der Referent zum Thema „Männergesundheit“. Der Kreisverband Stuttgart schuf ein Novum: Männliche Mitglieder der Stuttgarter Ortsvereine wurden eingeladen, nicht sehr viel kamen. Ein Beweis dafür, dass Männer sich viel zu wenig um ihre Gesundheit kümmern? Und was ist das: Männergesundheit? Martin Landwehr, stellvertretenden Vorsitzender des Kreisverbandes Stuttgart, erinnerte in seiner Begrüßungsansprache das Publikum im Saal des Musikvereins Münster: „Gerade erst war der 'Weltmännertag', dessen Schirmherr kein Geringerer als Michail Sergejewitsch Gorbatschow ist.“ Im Raum waren die Männer unter sich: „Wir brauchen keine Heimlichkeiten“, so Dr. Lederle, gelassen lächelnd.

Männlich und Stärke, diese Paarung wurde in unseren Hirnen verknüpft, und nicht nur in den männlichen Köpfen: Männer weinen nicht, sie sind hart wie Kruppstahl, zäh wie Leder und flink wie die Windhunde. Doch jedermann bei Verstand ist klar: Es gibt diesen Typus eher selten und er wäre heute als Ideal völlig untauglich in unserer modernen Welt. Typische Männerkrankheiten, die allerdings gibt es, so wie es spezifische Frauenleiden gibt. Der Stuttgarter Internist und Geriater Dr. Suso Lederle, selbst langjähriges Mitglied im Sozialverband VdK, gab den Anwesenden einen Überblick zu Gesundheitsproblemen, die typisch männlich sind. „Frauen haben einen XX-Chromosomensatz, also einen doppelten, während Männer eine XY-Chromosomensatz haben“, referierte Dr. Lederle den wesentlichen Unterschied im Erbgut und fing so mit dem grundlegenden Unterschied an. Also haben Männer nur ein X- und nur ein Y-Chromosom – und das ist ein Nachteil, betonte der Referent. Männer haben kein Reserve X- oder Y-Chromosom, im Gegensatz zu Frauen. Im Notfall fehlt Männern der „Plan B“, sie haben keinen Ersatz. Zudem gibt es einen „typisch männlichen Stoffwechsel“, unterstrich Lederle. Etliches, aber besonders das Hormon Testosteron ist für den Unterschied ausschlaggebend. „Frauen haben auch Testosteron, aber in geringerem Umfang als Männer“, so Lederle, der ergänzte: “Erhöhtes Testosteron im Blut einer Frau kann einen Damenbart hervorrufen.“ Wie mehrfach zu hören war, geht es dem Internisten und Geriater Lederle um die Frage: „Wie können wir Ärzte den Männern besser helfen?“ Männer im Alter leiden zunehmend unter chronischen Erkrankungen, Skelettbeschwerden, körperlichen Veränderungen, Abnahme der intellektuellen Aktivität, führte Lederle einige wichtige Tatsachen vor Augen. Es gebe auch so etwas wie die „Wechseljahre“ des Mannes, mit entsprechenden Symptomen: Nachlassen der sexuellen Lust, Potenzstörungen, Gewichtszunahmen, Fettpolster, Schwächegefühl, Reizbarkeit, Gefühlsschwankungen, innere Unruhe, nachlassen der Muskelkraft und der Konzentrationsfähigkeiten. Beredsames Schweigen im Saal. Offenbar waren die Symptome den Anwesenden bekannt.

Was tun, sprach Lederle.

Er erinnerte deutlich, dass diese Symptome alterungsbedingt sind und fügte vehement werdend hinzu: „Altern ist keine Krankheit.“ Die Zellteilungsrate ist endlich, referierte Dr. Lederle und erinnerte daran, dass es für diese wissenschaftliche Erkenntnis einen Nobel-Preis gab. Diese Endlichkeit der Zellteilungsrate wurde nicht nur für uns Menschen, sondern auch für Tiere und Pflanzen nachgewiesen. Es ist einfach dafür gesorgt, dass die Bäume nicht in den Himmel wachsen. Viel Trost konnte Suso Lederle allerdings auch spenden: „Unsere Organe altern unterschiedlich schnell“, gab der promovierte Arzt, Internist und Geriater zu verstehen. Die Leber können prima überleben, auch Haut und Gefäße seien zäh, auch die Nieren seien in hohem Alter noch gut, ebenso das Herz, aber mit zwei Einschränkungen: Hoher Blutdruck und Herzinfarkt. Die Abnutzung des Skeletts sei eine erhebliche Schwachstelle, erklärte Lederle: „Wir sind den aufrechten Gang immer noch nicht gewohnt.“ Allerdings betreffe die Osteoporose Mann und Frau. Dies war natürlich kein Trost für die Anwesenden. Früh Sport treiben sei das A und O, beschwor Lederle. Hiobsbotschaft: Wer früher schon keinen Sport getrieben hat, dem nutzt er im Alter lange nicht mehr so viel, ist jedoch besser als einzurosten. Bewegung ist nötig. Ein alleinstehender Teilnehmer resümierte: Jetzt schaff' ich mir einen Hund an, dann muss ich raus und mich bewegen. Testosteron, produziert in den Hoden, ist das männliche Hormon schlechthin, unterstrich Dr. Lederle. Ab etwa dem 40. Lebensjahr nimmt die Produktion dieses Hormons ab. Bei ungefähr 15 bis 20 Prozent der Männer jenseits der 50 ist es erniedrigt. Einfluss auf diesen Hormonspiegel haben Stress, emotionale Belastungen, körperliches Ausdauer- und Kraft-Training, zu viel Alkohol und das Sexualleben: „Tu' es oder verlier es“, zitierte Suso Lederle den englischsprachigen Spruch: „Do it or lose it“. Wer im Saal dachte: „Der hat gut reden“, dem fuhr Dr. Lederle ins Kontor: „Es gibt eine ganze Reihe von Therapiemöglichkeiten, nicht nur Viagra, das gar nicht immer das Mittel der Wahl ist.“ Im Saal wurde es noch etwas stiller. „Auch Witwern und Männern, die länger keinen Sex hatten, kann geholfen werden“, betonte der Geriater und Internist aus Stuttgart. Beispielsweise könne eine vorübergehende Behandlung mit Testosteron helfen. „Und für die Erektion können wir auch etwas tun“, gab Lederle bekannt. Die Atmosphäre im Saal entspannte sich.

Die Prostata-Vorsorge sprach der Experte ebenfalls an. „Alle Männer ab dem 45. Lebensjahr sollten zu dieser Vorsorge gehen.“ Die Frage nach dem „Wasserlassen“, taktile rektale Untersuchung und Ultraschall seien stets das Grundprogramm. Fragezeichen setzte Dr. Lederle hinter die PSA-Wert-Bestimmung und die Biopsie. Auf eine Zuhörer-Frage, ob er bei sich eine solche Biopsie machen lassen würde, antwortete er zurückhaltend. Ein Grund: Mit der Biopsie-Nadel kommt man gar nicht an jeden Teil der Prostata heran – es ist also keine besonders treffsichere Methode. So ist es auch bei einem einzelnen PSA-Wert, der zudem durch Prostatavergrößerungen, Prostataentzündung, Sexualleben oder Fahrradfahren vor der Untersuchung beeinträchtigt sein kann. „Doch der Verlauf der Werte in regelmäßigen Zeitabständen, der lässt Aussagen zu, etwa bei einem auffälligen Anstieg“, gab Lederle zu verstehen. Von 1000 Männern im Alter ab 55 bis 74 Jahren wurde durch die PSA-Bestimmung ein Männerleben gerettet. Allerdings wird der Anteil des fortgeschrittenen Prostata-Krebses (-Karzinoms) reduziert. Dagegen steht bei 37 von 1000 Männern ein Fehlalarm wegen „Überdiagnostik“, es besteht kein Prostata-Krebs. Sinnvoll ist die Wertbestimmung, nur die Interpretation muss sorgfältig vorgenommen werden, Panik ist nicht hilfreich.

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