24. Juni 2014

Das Wasser in allen seinen Facetten

Kreisverband Stuttgart lud in Großen Kursaal Bad Cannstatt

Anschauliche, praxisbezogene Vorträge prägten den Nachmittag im Großen Kursaal; hier im Bild Dr. Rudolf van Schayck beim medizinischen Schwerpunktreferat. | © Jörg Stimpfig

Um ein ganz besonderes Thema ging es beim diesjährigen Gesundheitstag des Kreisverbands Stuttgart. Die Traditionsveranstaltung, die 2014 zugleich ihr zehnjähriges Bestehen feierte, widmete sich dem Thema „Prävention/Rehabilitation: In jedem Alter – Lebenselement Wasser“. Gleich sechs namhafte Referenten hatte die verantwortliche Kreisvorsitzende und VdK-Vizepräsidentin Carin E. Hinsinger für die Großveranstaltung in den renovierten Großen Kursaal nach Bad Cannstatt einladen können: Den Ärztlichen Leiter der Schmieder-Kliniken Stuttgart und Gerlingen, Dr. Rudolf van Schayck, den Geologen Dr. Ralf Laternser, den Chemiker und Trinkwasserexperten Professor Dr. K. Eberhard Oehler, den Leiter der Stuttgarter Mineralbäder, Norbert Paydl, und vom Stuttgarter Zentrum für Ambulante Rehabilitation (ZAR) Sabine Reisslandt (Kaufmännische Leitung) und den Sportwissenschaftler Markus Jedelhauser. Flankiert wurde die Halbtagsveranstaltung durch ein interessantes Rahmenprogramm mit Ausstellung im Foyer und mit einem nicht alltäglichen Unterhaltungsprogramm. Hierfür konnte man die Frauengesangsgruppe Miladies verpflichten, die flotte Lieder aus den 1930er-Jahren boten. Hierbei wurden die Künstlerinnen von einem Pianisten begleitet.

Zum Auftakt der Vorträge rund ums Wasser führte Krankenhaus-Bürgermeister Werner Wölfle ins Thema ein. Er bezeichnete Stuttgart als „nasse“ Stadt. Schließlich besitze die Landeshauptstadt die zweitgrößten Mineralwasservorkommen in Europa. 13 der Quellen seien als Heilquellen anerkannt. Wasser spiele nicht nur eine zentrale Rolle in der Rehabilitation, sondern sei auch wesentlicher Bestandteil des menschlichen Körpers, hob Wölfle hervor und verwies auf die menschliche Muskulatur, die zu 20 Prozent aus Wasser bestehe und auf das Gehirn mit seinem Wasseranteil von rund 75 Prozent. Schon ein geringes Absinken des Wasseranteils wirke sich schnell negativ auf Gesundheit und körperliches Wohlbefinden aus. Deshalb gab der Bürgermeister allen den Rat, regelmäßig zu trinken. Und er strich heraus: „Wasser gehört uns allen.“

Für viel Stimmung auf der Bühne und beim Gang durchs Publikum sorgten die Miladies mit ihrem Gesangsrepertoire aus den 1930er-Jahren. | © Jörg Stimpfig

Warum die Menschen regelmäßig trinken müssen, erläuterte der Neurologe Dr. Rudolf van Schayck. Die Menschen seien „Wesen des Wassers“. Es stelle das Grundlösungsmittel dar. Zugleich sei der Wassergehalt des menschlichen Körpers auch altersabhängig. Im höheren Alter sei er geringer und daher auch die Empfindlichkeit bei Schwankungen des Wassergehalts größer. Der Chefarzt verwies denn auch auf rund drei Liter Flüssigkeit, die täglich ersetzt werden müssten. Über das Schwitzen verlöre der menschliche Körper cirka zwei Liter täglich und zudem 100 bis 200 Milliliter über das Atmen. Daher sei es wichtig, zwei bis drei Liter täglich an Flüssigkeit aufzunehmen und hierbei mindestens eineinhalb Liter über das Trinken von Wasser oder ungesüßtem Tee. Wenn nun der ältere Mensch nicht genug trinke, sei er besonders gefährdet und sein Schlaganfallrisiko sei merklich erhöht. Der Facharzt informierte über die typischen Schlaganfallanzeichen wie plötzliche neurologische Ausfälle, Schwächegefühl, Gefühlsstörungen, Sprach-/Schluckstörungen oder auch Halbseitenlähmung oder Schwäche auf einer Körperseite. Dann sei sofort der Notarzt zu rufen. Die schnelle Einweisung in eine Stroke-Unit-Klinik sei dann ganz wichtig. Dr. van Schayck lobte diese Stroke-Units, die es seit zwanzig Jahren beispielsweise im Stuttgarter Bürgerhospital und im Marienhospital aber auch in Esslingen, Ludwigsburg und Sindelfingen gibt. Dort könne schnell adäquat reagiert und so eine bleibende Behinderung eventuell verhindert werden. In den Kliniken Schmieder gehe es im Rahmen der anschließenden Reha darum, das nach dem Schlaganfall übrig gebliebene Hirngewebe zu aktivieren.

Geologische Aspekte des Wassers behandelte dann Dr. Ralf Laternser in seinem Vortrag „Gesundbrunnen – unsere Mineralquellen“. Er verwies auf die Römer, die schon vor 2000 Jahren das Wasser als Lebenselement in Stuttgart zu schätzen wussten. Schon damals habe man hier Bäder gehabt, was Funde später belegten. In der Landeshauptstadt kämen die Quellen durch hohen Druck quasi von alleine aus dem Boden. Das Mineralwasser sei durch die Boden-Gesteins-Passage (hier insbesondere Muschelkalk) mit Mineralstoffen angereichert. Der Geologe verwies auf den eigenen Trinkbrunnen, den jede der 13 Heilsquellen in Stuttgart habe. Zum Schutz sorge unter anderem seit dem Jahr 2002 die Heilquellenschutzverordnung. Einen kritischen Blick warf Dr. Laternser in diesem Zusammenhang auf das seit Jahren polarisierende Großbauprojekt Stuttgart 21. Die Mineralbäder der Landeshauptstadt mit dem Mineralbad Leuze, dem Mineralbad Berg und dem Mineralbad Bad Cannstatt dürften nicht gefährdet werden. Schließlich seien Mineralbäder auch Objekte des Naturschutzes, die es zu bewahren gelte.

Seine 92 Jahre sah man Professor K. Eberhard Oehler in keinster Weise an. | © Jörg Stimpfig

Wie die Bodenpassage das Wasser filtriert, erläuterte Professor Dr. Oehler. Der bereits 92-jährige Experte beeindruckte mit einem sehr anschaulichen Vortrag, der auch viele historische Bezüge aufwies wie beispielsweise den Blick auf die erste Neckarwasserwerk-Trinkwasserverordnung von 1861. Das 1895 entdeckte und berüchtigte Darmbakterium E coli dürfe nicht im Trinkwasser vorkommen. Problematisch seien auch die Legionellen, die beispielsweise durch Feinversprühung beim Duschen in die Lunge geraten und dort Menschen schwer gefährden könnten. Deshalb müssten Heime und Hotels jährlich eine Legionellenprüfung durchführen lassen.

Der Leiter der Mineralbäder, Norbert Paydl, hob die wohltuende Wirkung des Stuttgarter Mineralwassers beim Stressabbau, zur Herzkreislauf-Prophylaxe aber auch für Magen und Darm hervor. Und er verwies auf den „Leuze-Klub“, einen Treff für tägliche Frühschwimmer im Mineralbad Leuze. Da treffen sich jeden Morgen ab sechs Uhr Menschen im Alter 65plus, um in 20 Grad kalten Naturwasser zu schwimmen. Neben den drei Stuttgarter Mineralbädern kann, die Landeshauptstadt, so Paydl, noch mit neun Hallenbädern, fünf Freibädern und insgesamt 59 Schwimmbecken aufwarten.

Zum Abschluss der Vorträge gab es praktische Tipps vom ZAR. Sabine Reisslandt erwähnte die Gesundheitsreform 1993, die zu mehr ambulanter Reha in Deutschland geführt habe. Dies habe die Schaffung des Zentrums für ambulante Rehabilitation in Stuttgart beeinflusst. Wie sich die Auftriebswirkung des Wassers mit ihrer bis zu 90-prozentigen Entlastung des Körpers von der Schwerkraft für zahlreiche gute Wasserübungen nutzen lässt, erläuterte Sportwissenschaftler Jedelhauser und führte kleine Geräte wie die sogenannte Schwimmnudel vor.

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