23. Mai 2014

Marjeta und Alojz Horvat: „Die Armut macht betroffen“

VdK-Ehepaar aus Nordstetten zehn Wochen in tansanischer Mission aktiv

Auch nach Rückkehr weiterhin Unterstützung für Kinderheim und Schulküche

Mit neuen Erkenntnissen und verändertem Selbstbewusstsein, was Selbstverständlichkeit und Normalität betrifft, kehrten unlängst die beiden VdK-Mitglieder Marjeta und Alojz Horvat von ihrer langen Afrikareise ins heimische Nordstetten zurück. In Nordstetten bei Horb wirkt die demnächst 61-jährige Marjeta als Ortsverbandsvorsitzende und außerdem als Beisitzerin im Freudenstädter Kreisvorstand. Ehemann Alojz, mittlerweile schon 70 Jahre alt und ebenfalls VdK-Mitglied, begleitete seine Ehefrau in die Republik Tansania, um seinerseits vor Ort wichtige Aufbauarbeit zu leisten. Die Horvats verbrachten zehn Wochen in Igunga im Landesinneren, im ostafrikanischen Seenhochland gelegen. In der vom belgischen Pater Albert Bolle vor 18 Jahren gegründeten Mission packten die Krankenschwester und der Handwerker täglich mit an und brachten ihre beruflichen Kenntnisse und Erfahrungen mit ein. Schließlich kann Marjeta Horvat bereits auf 41 Berufsjahre als Krankenschwester und davon 31 Jahre im mittlerweile geschlossenen Horber Krankenhaus zurückblicken. Seit Juli letzten Jahres wirkt sie in der Horber Sozialstation.

Während ihres Afrikaeinsatzes in der Mission in Igunga, Region Tabora, musste die gebürtige Slowenin viele kleine Wunden versorgen, Blutdruckmessungen durchführen und Patienten, wenn nötig, zum Arzt weiterleiten. Insbesondere die Schüler der von Pater Bolle initiierten Schulen am Ortsrand kämen gerade nach den Schulferien häufig mit Schürfwunden, Husten oder auch Läusen ins Internat zurück, erzählte Marjeta Horvat. Dann müssten sie in der Schule erst wieder versorgt und auch aufgepäppelt werden, verriet die engagierte VdK-Frau und verwies darauf, dass das Holzsammeln zum schweren Arbeitsalltag der Kleinen gehört. Gleichwohl hat sie oft zu hören bekommen: „Das ist nicht schlimm, das ist normales Leben hier.“ Tief betroffen war Horvat auch von den für europäische Verhältnisse erbärmlichen hygienischen Umständen im 100-Betten-Krankenhaus vor Ort. Dort sind zwar die Abteilung Innere, die Chirurgie, die Geburtshilfe und die Kinderstation jeweils in separaten Häusern untergebracht. Gleichwohl würden sogar bei Operationen die Standards bei weitem nicht eingehalten und die Versorgung der Frühchen sei auf niedrigstem Niveau, informierte Marjeta Horvat. Gleichwohl habe sie fernab von Igunga auch Krankenhäuser mit akzeptablem Standard kennengelernt.

Ehemann Alojz war während des zehnwöchigen Aufenthalts viel damit beschäftigt, gemeinsam mit den Jungen aus Internat und Waisenhaus Bettgestelle für die Schlafräume zu zimmern. Jetzt fehlten vielfach noch die Matratzen, betonte Alojz Horvat. Die Horvats wollen denn auch die in Igunga persönlich kennengelernten Einrichtungen der Mission wie beispielsweise Kinderheim und Schulküche weiterhin unterstützten und sammeln deshalb Geld, um vor Ort gezielt helfen zu können. So könne man beispielsweise für 20 Euro eine Matratze für das Bett eines Schülers erwerben. Für die 25 Waisenkinder im Alter von sechs Monaten bis 17 Jahren werden Kleidung und Schuhe benötigt. Verbandsmaterial hatten die Horvats bereits im Gepäck, als sie 2013 zu ihrem Afrikaeinsatz von München nach Mwanza am Viktoriasee im Norden von Tansania flogen, um anschließend noch fast acht Stunden lang gen Süden nach Igunga zu fahren. Auf der in 1000 Meter Höhe in einer Savannenlandschaft gelegenen 32 000-Einwohner-Gemeinde konnten die Horvats mit mitgebrachten Geldspenden von Kollegen und Bekannten auch schon ganz konkrete Hilfe leisten, wie beispielsweise für die ärztliche Behandlung eines epilepsiekranken Mädchens, für die Mutter eines neugeborenen Kindes, für den überfälligen Farbanstrich der Schulhausfassade, für die Internatsschlafräume für die von Weit herkommenden Kinder und auch für die diebstahlsichere Vergitterung der nicht verglasten Schulfenster. Ebenso konnten mit den Spenden Handbohrer und Elektrowerkzeug für die benötigte Reparatur der hölzernen Hochbetten sowie der Tische und Stühle in den Schulräumen organisiert und dann die Arbeit von Alojz Horvat und seinen Helfern durchgeführt werden. Auch ein gemeinsames Bäumchen wurde gepflanzt. Schließlich sind die Horvats von den Menschen sehr freundlich aufgenommen werden und sie werden dort von allen, vor allem auch von den Kindern, vermisst. Die Dankbarkeit der Menschen in Tansania und der sehr freundliche Empfang der beiden Helfer aus Nordstetten hat Marjeta und Alojz Horvat sehr berührt. Die Gastfreundschaft sei beispielhaft gewesen, ebenso die Wertschätzung ihres Einsatzes.

Nach ihrem Einsatz sind beide auch froh, dass sie gesund und wohlbehalten zurückkehren konnten. Da sie am Ende der Regenperiode nach Tansania angereist waren, hatten sie zunächst grünes Land und später trocken, staubige und sandige Landschaft erlebt. Wie spartanisch, einfach und doch zukunftsorientiert es auf dem Missionsareal zugegangen war, veranschaulicht auch diese Beschreibung von Marjeta Horvat: „Gekocht wird dort im Freien, es gibt aber Solarstrom und Internetanschluss. Das Wasser kommt per Pipeline vom See in 30 Kilometer Ferne.“

Zum sehr persönlichen und tief bewegenden Abschied der Horvats von Schule, Kindern aber auch von dem katholischen Kirchengemeinderat ließen die Horvats noch ihre „Berufskleidung“ zurück. Immer wieder stellt sich nun die Europäerin Marjeta Horvat die Frage: „Wie können sie so fröhlich sein bei so viel Armut?“ Es bleibt nun für das Ehepaar Horvat die Hoffnung, Spender zu finden, um die dortige Arbeit auch weiterhin unterstützen zu können. Denn: Auch nach seiner Rückkehr in die Heimat in Nordstetten, im Kreisverbandsgebiet von Freudenstadt, fühlen sich die Horvats der tansanischen Mission verbunden. Marjeta und Alojz Horvat unterstützen insbesondere das Kinderheim und die Schulküche. Für das Kinderheim sammeln sie Kinderkleidung, auch gebrauchte Kindersachen, und senden diese Pakete nach Afrika. Ebenso sammeln sie Geldspenden, um das Essen der Kinder in Heim und Schule zu unterstützen. Pro gespendetem Euro können fünf Kinder den satt machenden Vollkornbrei einen Tag lang erhalten, versicherte Marjeta Horvat im Gespräch mit der VdK-Zeitung. Wer diese Arbeit des VdK-Ehepaars unterstützen möchte, kann sich direkt mit den Horvats telefonisch unter der Nummer (0 74 51) 69 40 in Verbindung setzen. (Rückrufe erfolgen.)

Ausgabe des Vollkornbreis
Ausgabe des Vollkornbreis
Marjeta Horvat mit „ihren“ Schulkindern
Marjeta Horvat mit „ihren“ Schulkindern
Schulküche
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Schulkinder mit Schuluniformen
Schulkinder mit Schuluniformen
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