VdK-Landesfrauenkonferenz 2014

Plädoyer für das Engagement der Frauen

Auch medizinische Themen prägten Traditionsveranstaltung des VdK Baden-Württemberg

Auch im Jahr 2014 lud die VdK-Vizepräsidentin und Landesfrauenvertreterin Carin E. Hinsinger die Frauenvertreterinnen der Bezirks- und Kreisverbände zur Landesfrauenkonferenz ein. Im Vitalhotel Meiser in Fichtenau-Neustädtlein erwartete die VdK-Frauen ein abwechslungsreiches Programm mit vielfältigen Informationen aber auch viel Geselligkeit, Erfahrungsaustausch, Spaß und Unterhaltung. Mit dabei waren 2014 die neu gewählten Kreisfrauenvertreterinnen Erika Schlauch aus Esslingen und Gertrud Popko aus Göppingen. Auch der Landesverbandsvorsitzende und VdK-Vizepräsident Roland Sing und VdK-Landesgeschäftsführer Hans-Josef Hotz erwiesen den Frauenvertreterinnen ihre Reverenz und würdigten die Frauenarbeit, die eine jahrzehntelange Tradition im Verband hat. Sing informierte über Aktuelles aus der Sozialpolitik wie die große bundesweite VdK-Aktion „Große Pflegereform – jetzt!“. Hotz gab einen Überblick über die Verbandsstrukturen in Baden-Württemberg und kam zudem auf aktuelle Entwicklungen zu sprechen. Auch Ursula Sing nahm wieder an der Traditionsveranstaltung der baden-württembergischen VdK-Frauenvertreterinnen teil und sorgte mit selbst gestalteten Accessoires für eine ansprechende Tischdekoration.

Landesfrauenvertreterin Hinsinger war es wieder gelungen, namhafte Gastreferenten zu verpflichten. Für die Thematik Frauenarbeit/Engagement konnte sie Manuela Rukavina vom Vorstand des Landesfrauenrats Baden-Württemberg gewinnen. Das medizinische Fachreferat hielt diesmal Dr. Heinrich E. Fiechtner, ein Onkologe und Hämatologe aus Stuttgart. Gleich zwei Vorträge hatte Rukavina aus Stuttgart mitgebracht. Zunächst sprach die 35-Jährige über das Thema „Nur wer sich engagiert – verändert“, dann war das Thema „Warum ist Frauenarbeit in den Verbänden immer noch notwendig“ angesagt. In ihren sehr lebendigen Beiträgen zeigte Manuela Rukavina anhand persönlicher Erlebnisse auf, inwieweit diese ihr frauenpolitisches Handeln beeinflusst haben. Sie erinnerte an das Jahr 1989, als der damalige Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher den in die Deutsche Botschaft in Prag geflüchteten ostdeutschen Mitbürgern unter dem aufbrandenden Jubel mitteilte, dass sie ausreisen dürfen. „Das war der Moment, wo ich zum ersten Mal live miterlebt habe, was Engagement bewirken kann“, bekannte die Referentin auf der Landesfrauenkonferenz. „Wieviel Menschen bewegen und erreichen können, wenn sie nicht nachlassen und gemeinsam für etwas kämpfen und einstehen“, fuhr Rukavina fort. „Und ich habe an dieser Stelle damals mit meinen zehn Jahren noch etwas begriffen, was mich nun seitdem immer wieder antreibt – Demokratie ist nicht selbstverständlich. Demokratie ist aktive Arbeit und zwar nicht nur von Berufspolitikern, sondern insbesondere von uns, den Bürgerinnen und Bürgern“. Diese Erfahrungen hätten dazu geführt, dass sie die Demokratie als eines der höchsten Güter empfinde.

Zugleich lenkte Manuela Rukavina den Blick auf ihre Kindheit mit einem kroatischen Vater, der damals, auch aufgrund seiner Erziehung, der Ansicht war, dass die Welt den Männern und den Frauen das Heim gehört. Da habe ihr der Vater auch den Gang aufs Gymnasium mit Blick auf eine spätere Heirat verbieten wollen. Heute sei er sehr stolz darauf, dass seine Töchter an der Universität studiert haben, eine sogar promoviert wurde und die andere, nämlich die Referentin der Landesfrauenkonferenz, im Vorstand des Landesfrauenrats wirkt und als stellvertretende Bundesvorsitzende der verdi-Frauen aktiv ist. Die Quintessenz aus dieser Geschichte, so Rukavina, man erkenne schnell, dass nicht alles, was einen persönlich beschäftigt, individuell sei, sondern ein gesellschaftliches Problem darstelle. Manuela Rukavina erinnerte die anwesenden Frauenvertreterinnen auch an die große Bedeutung von Solidarität und gemeinschaftlichem Engagement, denn: „nur wer sich engagiert, kann auch Vorbild sein.“ Insbesondere in der Frauenpolitik sei es wichtig, den jungen Frauen Vorbilder zu bieten, dass sie sähen, dass Frauen etwas erreichen können. An dieser Stelle ihrer umfangreichen Ausführungen bekannte die Vertreterin des Landesfrauenrats, dass sie als Elfjährige die erste Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland werden wollte und von ihrer Familie dafür belächelt wurde. Heute sei es für die zehnjährige Nichte der Referentin völlig normal, dass es eine Bundeskanzlerin und eine Verteidigungsministerin in der Bundesrepublik Deutschland gibt.

Das medizinische Fachreferat der Landesfrauenkonferenz 2014 befasste sich mit dem Thema „Prävention – Wünsche und Möglichkeiten“. Gleich zum Auftakt strich der Stuttgarter Krebsexperte Dr. med. Heinrich E. Fiechtner heraus, dass es bei der Prävention darum gehe, Vorkehrungen zu treffen – und zwar in allen Lebensbereichen. Bei Fragen der Gesundheit gehe es auch um das Gesundbleibenwollen. Als Beispiele nannte Dr. Fiechtner die ausgewogene vitaminreiche Ernährung mit viel Obst und Gemüse, die Arbeit („gute Arbeit ist Arbeit in Balance“), ausreichende Bewegung, einen aktiven Lebensstil, ein Leben mit Sozialkontakten aber auch ein Leben mit Meditation und Kontemplation. Der Facharzt erläuterte zudem die Unterschiede zwischen Primär-, Sekundär- und Tertiärprävention. Während die Primärprävention das Auftreten einer Krankheit verhindern solle, gehe es bei der Sekundärprävention um Früherkennung und das Verhindern des Fortschreitens einer Krankheit oder das Verhindern der Chronifizierung einer Krankheit. Als Beispiele brachte der Referent hier die Mammografie und die Darmspiegelung. Mit der Tertiärprävention sollten nach der Behandlung einer Krankheit Folgeschäden oder Rückfälle verhindert werden. Hier gehe es sozusagen um Rehabilitation. Dr. Heinrich E. Fiechtner verwies auf den heutigen Trend der Medikalisierung des Lebens. Dem Arzt komme immer mehr die Bedeutung als Gesundheitscoach zu (Stichwort „Check-Up“). Der Arztbesuch sei heutzutage ein Mittel zur Gesundheit, nach dem Motto „Ich gehe zum Arzt, damit ich gesund bleibe“. Der Arztbesuch werde in diesem Zusammenhang oftmals als moralischer Zwang wahrgenommen, betonte der Referent.

Er zeigte sodann auf, welchen möglichen Nutzen aber auch welche etwaigen schädlichen Auswirkungen Prävention haben könne. Auf der Nutzenseite stünden beispielsweise die Senkung der Sterberate bei Krebs sowie die Verhinderung belastender Erkrankungen und belastender Behandlungen. Auf der möglichen Schadensseite nannte Dr. Fiechtner die psychische Belastung für asymptomatische Teilnehmer, aber auch die körperliche Belastung, die Überdiagnostik, die Übertherapie und das sogenannte Graue Screening durch selbst verordnete Untersuchungen im Rahmen der Individuellen Gesundheitsleistungen (IGEL). Sodann zeigte der Mediziner anhand konkreter Beispiele auf, welche Neuerkrankungen im Jahr 2014 beispielsweise beim Darmkrebs erwartet werden, er erläuterte die Darmspiegelung und deren Bedeutung im Zusammenhang mit der Krebsvorsorge. Anschließend stand der Brustkrebs auf dem Programm, die häufigste Tumorerkrankung bei Frauen mit geschätzten 75 200 Neuerkrankungen in diesem Jahr und einem mittleren Erkrankungsalter von 64 Jahren. Auch rund 600 Männer würden voraussichtlich in 2014 an Brustkrebs erkranken, gab der Referent zu bedenken. Er erläuterte ausführlich die Vorsorgemaßnahmen wie Selbstabtasten, Mammografie, Magnetresonanz und Sonografie. Zudem kamen der Gebärmutterhalskrebs, der Hautkrebs, der Bronchialkrebs und der Prostatakrebs zur Sprache. Zum Abschluss seiner umfangreichen Ausführungen gab Dr. Heinrich E. Fiechtner den Teilnehmerinnen Tipps zur Stärkung des Immunsystems mit auf den Weg: körperliche Aktivität und Sport, vor allem Ausdauersport, aber auch Gewichtsreduzierung beziehungsweise die Verhinderung von Gewichtszunahme.

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