10. Juli 2013

Mascher-Appell für bessere Kinderberücksichtigung bei der Rente von Frauen

62 VdK-Frauen auf Landesfrauenkonferenz in Fichtenau

Ernährung und Verdauung 2013 medizinisches Schwerpunktthema

Auch im Jahr 2013 wird beim VdK Baden-Württemberg die große Bedeutung der VdK-Frauenarbeit unterstrichen. Die traditionelle Landesfrauenkonferenz stand denn auch im Frühjahr auf der Agenda. Zum großen Treffen der Frauenvertreterinnen der verschiedenen Verbandsstufen hatte man sich diesmal im Vitalhotel Meiser in Fichtenau-Neustädtlein versammelt. Dort konnte die Landesverbandsfrauenvertreterin und VdK-Vizepräsidentin Carin E. Hinsinger 62 Frauen und erneut die VdK-Präsidentin Ulrike Mascher willkommen heißen. Auch der Mascher-Vorgänger, der Ehrenpräsident und Landesverbandsehrenvorsitzende Walter Hirrlinger, nahm wieder teil. Hirrlinger, mittlerweile 87 Jahre alt, hielt ein viel beachtetes Grußwort. Er ermunterte die mitwirkenden VdK-Frauen zu ihrer wichtigen Verbandsarbeit. Zugleich mahnte er den sozialverträglichen Umbau des Sozialstaats an. Auch Ursula Sing, die Ehefrau des heutigen Landesverbandsvorsitzenden Roland Sing, war gekommen, um – wie so oft – Bastelarbeiten zum Verkauf für einen guten Zweck anzubieten. Diesmal kam der Erlös der Aidsseelsorge zugute.

Ulrike Mascher stellte in ihrem großen sozialpolitischen Referat die Frage: „Doch was bringt Frauen die höhere Lebenserwartung?“ Schließlich wiesen Männer heute eine durchschnittliche Lebenserwartung von 77 Jahren und Frauen von 82 Jahren auf. Für viele Frauen bedeute die höhere Lebenserwartung jedoch, in Altersarmut zu fallen. Grund dafür seien oft die niedrigen Renten der Frauen (durchschnittlich nur knapp 550 Euro in Baden-Württemberg) – bedingt durch Familienphase, Teilzeitbeschäftigung, geringfügige Beschäftigung oder auch generell schlechter bezahlte Arbeit. Auch in der Pflege, traditionell eine Domäne der Frauen, gebe es nicht nur wenig anerkannte, sondern auch schlecht bezahlte Jobs. Die VdK-Präsidentin gab zugleich zu bedenken, dass gerade Frauen oft die häusliche Pflege von Angehörigen leisten und hierbei ihre eigene Berufstätigkeit zurückstellen. Sie verwies in diesem Zusammenhang auf die nur 0,8 Rentenpunkte, die für pflegende Angehörige vorgesehen sind, wenn diese ihre regelmäßige und umfangreiche Pflegetätigkeit der gesetzlichen Rentenversicherung gemeldet haben. Deshalb appelliert der Sozialverband VdK gerade auch im Vorfeld der Bundestagswahl an die Politik, hier gesetzliche Verbesserungen zu schaffen. Ebenso mahnen der VdK und seine Präsidentin Mascher die unzureichende Berücksichtigung der Kindererziehungszeiten für Frauen an, die vor 1992 ein Kind bekommen haben. Hier erhalten die Mütter nur einen Entgeltpunkt pro Kind, bei Geburten ab 1992 drei Entgeltpunkte, was die Rente um 56 Euro pro Monat erhöht.

Ulrike Mascher versicherte, dass sich der Sozialverband VdK weiter dafür einsetzen werde, hier eine gesetzliche Verbesserung für die pflegenden Angehörigen aber auch insgesamt für die von Altersarmut betroffenen Rentnerinnen und Rentner zu erwirken. Außerdem informierte sie über die anderen Schwerpunktthemen Gesundheit und Behinderung, die der Sozialverband VdK ebenfalls in seinen Wahl-Forderungskatalog aufgenommen hat und in landes- und bundesweiten VdK-Aktionen unter dem Motto „Die Kluft wächst. Soziale Spaltung stoppen – Armut jetzt bekämpfen!“ der Öffentlichkeit, den politisch Verantwortlichen und den Kandidaten bekannt gibt.

Neben der Sozial- und Frauenpolitik befasst sich die Landesfrauenkonferenz immer auch mit wichtigen medizinischen Fragen. Landesverbandsfrauenvertreterin Carin E. Hinsinger präsentierte in ihrem Einführungsreferat gleich ein paar erschreckende Zahlen. Sie verwies auf jährlich krankheitsbedingte Produktionsausfälle in einer Größenordnung von 46 Milliarden Euro und auf 460 Millionen Krankheitstage in Deutschland pro Jahr. Diese erschreckenden Zahlen müssten, so Hinsinger, alle nachdenklich stimmen. „Denn krank sein, behindert sein, arbeitslos sein – all das sind oft die Wege in die Armut.“ Auch angesichts der gesetzlich verankerten Rente mit 67 sei es wichtig, durch Prävention aber auch durch geeignete betriebliche Gesundheitsmaßnahmen das Erkrankungs- und Frühverrentungsrisiko zu reduzieren. Die VdK-Vizepräsidentin zitierte in diesem Zusammenhang auch den pragmatischen Philosophen Arthur Schopenhauer und dessen vielfach bekannten Ausspruch: „Gesundheit ist nicht alles, aber ohne Gesundheit ist alles nichts.“ Sie rief alle dazu auf, mehr für die eigene Gesundheit zu tun. Dazu gehörten nicht nur Bewegung, kontinuierliche Anforderungen an Körper und Gehirn, soziale Kontakte und der Erhalt der „Neugierde“ sondern auch ein Leben mit gesunder Ernährung.

2013 widmete sich denn auch das medizinische Hauptreferat der Konferenz dem Bereich Ernährung und Verdauung. Hierzu hatte Carin E. Hinsinger den Stuttgarter Internisten Dr. Suso Lederle und die Sozialarbeiterin und Familientherapeutin Rosalinde Braun verpflichten können. Lederle wies zunächst darauf hin, dass die Verdauung das Ziel hat, den Organismus mit Brenn- und Baustoffen zu versorgen. Daher führten die Menschen mit Laufe ihres Lebens ihrem Körper durchschnittlich 30 Tonnen feste Nahrung zu und 50 000 Liter Flüssigkeit. Der Arzt nannte in diesem Zusammenhang durchschnittlich 40 Schweine, 6,5 Tonnen Gemüse und beispielsweise 90 000 Tassen Kaffee, die den Verdauungsweg, Mund, Speiseröhre, Magen, Zwölffingerdarm, Dünndarm, Dickdarm und Enddarm, passieren würden. Im Verdauungstrakt werde die Nahrung mit dem sogenannten zweiten Gehirn konfrontiert. Schließlich seien im Bauch zirka 100 Millionen Nervenzellen, 100 Billionen Mikroorganismen und rund 70 Prozent der Immunzellen. Wenn man seine Ernährung und Verdauung vernachlässige, könne es schnell zu Störungen kommen, so der Internist. Er verwies auf die bekannten Symptome wie Blähungen, Störungen des Stuhlgangs, Sodbrennen, Bauchschmerzen, Übelkeit, Inappetenz aber auch Müdigkeit, Schlafstörungen, Gliederschmerzen, Ekzeme und Infektneigung. Symptomauslösende Faktoren seien hier neben dem Körpergewicht, dem Anteil der Ballaststoffe und etwaigen eingenommenen Medikamenten auch der Stress und die psychische Verfassung.

Der renommierte Facharzt, seit kurzem auch VdK-Mitglied, kam dann auf die Krankheiten des Bauchs wie beispielsweise Gastritis, Magengeschwür, Gallenblasensteine, Reizdarm, Darmdivertikel, Tumore und die chronisch entzündliche Darmerkrankung zu sprechen und er schilderte den VdK-Frauen, welche Diagnosemethoden zur Verfügung stehen. Neben Sonographie, Endoskopie und anderen bekannten Verfahren könnten auch noch Atem- und Allergietests infrage kommen. Gerade das Thema Nahrungsmittelallergie dürfte nicht vernachlässigt werden, betonte Dr. Suso Lederle. Er informierte unter anderem über die Laktose-, die Histamin-, die Sorbit- und die Glutenunverträglichkeit. Betroffene müssten deshalb je nach persönlicher Situation an Trytamin in Tomaten oder Tyramin in Käse sowie Serotonin in Nüssen denken. Auch die häufig in verarbeiteten Nahrungsmitteln und Fertiggerichten anzutreffenden Glutamate seien für manche Menschen nicht unbedenklich. Um die Verdauungsunverträglichkeiten für Betroffene zu reduzieren, führte Neumitglied Dr. Lederle Alternativen wie Sojamilch und Joghurt bei Laktoseintoleranz an. Denn auf ausreichende Zufuhr von Calcium und Vitamin D müsse man immer achten. Zum Schluss gab der Internist noch diese Tipps für eine gesunde Verdauung allen mit auf den Weg: langsam essen, faserreiche Kost, viel Ost und Gemüse, weniger tierische Fette und mehr Bewegung.

Referentin Braun näherte sich dem Thema Ernährung und Verdauung über Bezüge zur traditionellen Medizin und zu den neueren Naturwissenschaften. Und sie stellte Verbindungen zur bekannten Äbtissin Hildegard von Bingen her. Die Arbeit der Organe laufe nach einer Meridianuhr ab, wobei für die einzelnen Organe je eine Zeitspanne von zwei Stunden angesetzt werde. So beginne die Galle von 23 bis ein Uhr, danach folgten die Leber, die Lunge, der Dickdarm, der Magen und so weiter. Zugleich riet sie dazu, dem Instinkt zu folgen: „Der Körper sagt Ihnen, was ihm gut tut.“ Auch solle man saisonalen und heimischen Nahrungsmitteln den Vorrang geben und das Essen bewusst genießen. Zum Abschluss ihres interessanten Beitrags zitierte Rosalinde Braun eine Grundregel der traditionellen chinesischen Medizin (TCM): „Im Maß im Maß bleiben, aber das Maßhalten nicht übertreiben!“


Landesfrauenvertreterin Carin E. Hinsinger (links) dankt VdK-Präsidentin Ulrike Mascher für deren engagierten Vortrag.


VdK-Referent Stefan Pfeil bei seinem Vortrag über das Patientenrecht.


Gute Unterhaltung mit Kabarett am Abend.
Gute Unterhaltung mit Kabarett am Abend.


Bastelarbeiten für einen guten Zweck: Ursula Sing war auch bei dieser Veranstaltung präsent.


Der Stuttgarter Internist Dr. Suso Lederle beim Hauptreferat zum Thema "Verdauung, Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten, Allergien"
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