12. Februar 2013

Stuttgarter VdK-Frauen lernen Selbstverteidigung mit Tricks

Kreisfrauenkonferenz verpflichtete Notwehrtrainer

Hilflos? Wehrlos? Von wegen – Frauen können sich verteidigen: Gewusst wie, darum geht’s! Tipps und Tricks zur Selbstverteidigung gab es im Herbst auf der Frauenkonferenz des Kreisverbands Stuttgart. Illustrierte Vorführungen und praktische Übungen machten den VdK-Frauen Mut. „So schwer ist es gar nicht: Ohren, Nase, Kinn und Genitalien sind die Hauptziele der „Notwehr“ – und darum handelt es sich juristisch bei der Selbstverteidigung. Deshalb kann einem vor dem Kadi auch nichts passieren, wenn es nicht zu einem Notwehrexzess kommt“, betonte der Referent und Übungsleiter Jörg Eggemann. Er, sein Sparringspartner sowie freiwillig Mitwirkende führten auf der Konferenz die einfachen Tricks vor. „Schnell handeln, den Angreifer mit der Gegenwehr überraschen, egal wie wir uns als vermeintliche Opfer wehren“, betonte der Experte und riet den Frauen, Handballen, Fäuste und Handkanten wehrhaft einzusetzen. „Dazu kommen als Hilfsmittel unterwegs Stöcke, Schirme, Kämme, Kugelschreiber – oder eine Fleischgabel und andere Geräte zuhause“, zeigte Eggemann verschiedene Möglichkeiten auf. Mit hohlen Händen bei geschlossenen Fingern gleichzeitig auf die Ohren schlagen. Dann habe der Angreifer ein Problem mit dem Gleichgewichtssinn und es tue zudem sehr weh. „Haben Sie kein Mitgefühl mit dem Täter“, unterstrich Jörg Eggemann. Auch roh und kräftig an den Ohren ziehen, sei sehr schmerzhaft und sollte in Notwehr eingesetzt werden. „Mit der Faust eine aufs Ohr geben, das schmerzt den Angreifer. Die Nase ist ein prima Ziel für unsere Selbstverteidigung: Mit dem Handballen zustoßen, mit der Handkante – oder einem Gegenstand – unter die Nase schlagen oder mit der Stirn voll auf die Nase stoßen.“ Ein Handkantenschlag gegen den Kehlkopf oder die Halsschlagader sei ebenfalls hoch wirksam. „Bei der Gegenwehr mit der Faust muss der Daumen auf dem Zeigefinger liegen, nicht innen. Anderenfalls besteht Selbstverletzungsgefahr“, erläuterte Referent Eggemann, der im VdK auch als Ortsverbandsvorsitzender von Müllheim wirkt.

„Es gibt oft nur eine einzige Chance zu einer Verteidigung: Deshalb hart und schnell wehren. Laut rufen, schreien, pfeifen oder eine Trillerpfeife benutzen und spucken. Dies sollte geübt werden – und kein Mitgefühl aufkommen lassen, das wird nur ausgenutzt“, mahnte der Notwehrtrainer. Man könne auch einen Kamm oder Kugelschreiber durchs Gesicht ziehen, mit einem Schirm oder Stock ans Kinn schlagen oder bei der Abwehr aus dem Schwitzkasten (Umklammerung) den Ellenbogen in die Genitalien rammen. „Bei einem Handtaschenraub mitgehen und nicht die Tasche wegreißen“, lautet hier der Trick von Jörg Eggemann. „Den Täter laut anschreien: Gib die Tasche wieder her! In einer Drehung zum Täter – mit Blickkontakt – dem Räuber eine Faust aufs Ohr schlagen. Anspucken, anbrüllen, treten und schlagen als Reaktionen auf Übergriffe und Belästigungen“, riet der Übungsleiter. Überrascht von der Gegenwehr gäben Täter auf. Gegebenenfalls helfe hier wiederum kräftiges Ziehen oder Reißen an beiden Ohren. Wichtig sei auch ein sicherer Stand mit einem Bein nach vorne. So werde zugleich die Stimme fester, wenn man beim Ausatmen den Täter anbrülle. „Aber: Keine Rededuelle – draufhau'n!“ Der Experte gab zum Schluss noch einen weiteren wichtigen Tipp: „Polizei rufen, jedoch bei der Erstvernehmung nichts aussagen, vielmehr auf den Schockzustand berufen.“

Jörg Stimpfig

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