29. März 2019
VdK-ZEITUNG

Eine Million Schritte für den Frieden

In rund fünf Wochen will Rainer Maria Heib von den Pyrenäen nach Santiago de Compostela wandern. Mit auf dem Weg: eine Friedensbotschaft in Form eines Umhangs des Friedenskünstlers Mike Mathes.

Eine Million Schritte hat sich Rainer Maria Heib vorgenommen. Der Vorsitzende des Ortsverbandes Lisdorf will Ende April zum Jakobsweg aufbrechen. 800 Kilometer zu Fuß über Berge, Wälder, Wege, Straßen und durch Städte. Was er braucht, trägt er auf seinem Rucksack mit sich – so „reduziert“ wie möglich.

Seit Jahren begleitet ihn diese Idee, seitdem er das Buch von Hape Kerkeling („Ich bin dann mal weg“) in die Hände bekommen, in zwei Tagen verschlungen und danach immer wieder gelesen hat. Dennoch schiebt er das Projekt einige Jahre vor sich her. „Ich wollte mehr daraus machen, als nur für mich zu pilgern“, sagt Heib.

Tausend Augen

In den Medien verfolgt er die Arbeit des Künstlers Mike Mathes, der mit seinem Friedensprojekt „Tausend Augen“ um die Welt tourt. Auf einem VdK-Aktionstag in Saarlouis trifft er Mathes zufällig persönlich. Die beiden lernen sich besser kennen und so entsteht die Idee, aus dem Pilgermarsch einen „Friedensmarsch gegen rechts“ zu machen. Die Friedensbotschaft von Mike Mathes nach Santiago zu tragen, ist Heibs Wunsch.

Der Künstler hat für ihn einen Umhang entworfen, auf dem ein junger Pilger, mehrere Gebäude des Jakobswegs, die Jakobsmuschel und der berühmte, über 50 Kilogramm schwere Weihrauchkessel, der in der Pilgerkirche in Santiago de Compostela geschwungen wird, zu sehen sind. Darüber thront ein Augenpaar. Die Idee für das Kunstprojekt „Tausend Augen“ entstand 2003 nach dem Ausbruch des Irak-Kriegs. Damals bemalte Mathes einen Fallschirm der Bundeswehr und porträtierte später deutsche Soldaten. Die Idee dahinter: Gesicht zeigen für Toleranz und Vielfalt.

„Jedes Auge ist einzigartig und doch sind sich Augen sehr ähnlich. Über das Auge bekommt man Zugang und Kontakt zu anderen Menschen. Wer dem anderen in die Augen sieht, verhält sich anders“, sagt der Künstler. Mathes ist seit 1984 HIV-positiv und erlebte Hetze und Ausgrenzung. Mit Porträts von HIV-Positiven kämpfte er gegen Vorurteile an, um der Krankheit ein Gesicht zu geben. Heute unterstützt Mathes mit der Friedensaktion Hilfsorganisationen.


Beim Friedensmarsch geht es ebenfalls darum, Vorurteile abzubauen – gegenüber Geflüchteten oder „Menschen, die diskriminiert werden, nur, weil sie anders aussehen, obwohl sie schon lange hier leben“, sagt Heib. Das Erstarken von rechtem Gedankengut beunruhigt den OV-Vorsitzenden. „Rassistische Aussagen sind wieder salonfähig. Ich will aber nicht zur schweigenden Mehrheit gehören, sondern zu denjenigen, die Gesicht zeigen und gegen rechts protestieren“, sagt Heib. Zudem sammelt er unterwegs Spenden für das St. Barbara Hospiz in Bous.

Seit Monaten bereitet sich der 65-Jährige auf den Pilgerweg vor, hat extra einen Spanischkurs besucht und sich gute Wanderschuhe gekauft. Diese hat er auf dem Lisdorfer Berg eingelaufen und so seine Kondition verbessert. „Anfangs habe ich gedacht, ich komme den Berg nicht hoch, inzwischen merke ich die Steigung kaum noch.“ Auch Rucksack, Jakobsmuschel und Wanderstock stehen schon bereit.

25 Kilometer am Tag

Fünfeinhalb Wochen hat Heib eingeplant und will jeden Tag zwischen 20 und 30 Kilometer zurücklegen. Falls er den Weg schneller schafft, möchte er noch zum Kap Finisterre, dem „Ende der Welt“ an der Atlantikküste gehen. „Ich mache mir keinen Druck und habe genug Puffer eingeplant, um mal einen Tag Pause einlegen zu können.“ Damit der Rucksack nicht zu schwer wird, nimmt er nur das Notwendigste mit und verzichtet auf eine Kamera oder einen schweren Schlafsack – stattdessen setzt er auf Funktionskleidung und Seidenbettwäsche. Für Fotos genüge das Handy, das aber die meiste Zeit ausgeschaltet sein wird.

Neben der politischen Motivation hat Heib auch religiöse und persönliche Gründe. 20 Jahre ist es her, dass er an Krebs erkrankte. Ein tiefer Einschnitt in seinem Leben, der zu einer Frühverrentung führte. „Das alles ist nicht spurlos an mir vorübergegangen. Auf dem Weg will ich zu mir selbst kommen und meinem Herrgott begegnen.“

Info

Am 29. April fliegt Rainer Maria Heib von Straßburg nach Biarritz. Mit dem Zug geht es nach Saint-Jean-Pied-de-Port in den Pyrenäen an der französisch-­spanischen Grenze, wo er am nächsten Tag seinen Pilgerweg beginnt. Der Rückflug von Santiago de Compostela ist am 8. Juni.

Maria Wimmer

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