29. März 2019
VdK-ZEITUNG

„Nur ein öffentliches Thema ist ein politisches Thema!“

Eine Gemeinde, gefüllt mit Leben, die sozialen Bedürfnisse ihrer Bewohner im Blick. Wie gelingt das im Saarland? Über Handlungsbedarfe und Lösungen diskutierten bei Ortsverbandsvorsitzenden-­Konferenz etwa 40 Mitstreiter der VdK-Kampagne zur Kommunalwahl am 26. Mai.

Auf Ideensuche: In kleinen Gruppen diskutierten die Teilnehmer, was sich vor Ort verbessern lässt. | © VdK Saarland


„Unsere Mitglieder sagen uns, wo der Schuh drückt“, eröffnete der VdK-Landesvorsitzende Armin Lang. Genau wie der VdK persönliche Hilfe sowohl durch rechtlichen Beistand als durch Nachbarschaftsbesuche leiste, sei auch die Interessensvertretung der VdK-Mitglieder auf allen Ebenen machbar. „Natürlich jeder mit seinen Möglichkeiten“, sagte Lang.

Im „Super-Wahljahr 2019“ erkennt Lang einige „bedrohliche Entwicklungen in der internationalen Politik“, dies zeige etwa die Vielzahl von Millionären im US-Kongress: „Wir müssen wachsam sein, wer uns vertritt und in unserem Interesse handelt und wer nicht.“ Bei der Kampagne zur Kommunalwahl will der VdK auf Anliegen aufmerksam machen, die die Gemeindevertreter beeinflussen können.

Kreativität gefragt


In Workshops diskutierten Teilnehmer etwa darüber, wie saarlandweit kontaktfördernde Essensangebote entstehen, die der Einsamkeit älterer Menschen entgegenwirken. „Je kleiner das Dorf, umso schöner das Dorf­gemeinschaftshaus. Dort könnte man einen Essensdienst anbieten“, sagte Lutwin Scheuer, Kreisvorsitzender von Merzig-Wadern. Auch Feuerwehr-Schulungsräume, Pfarrheime und leerstehende Dorfkneipen kämen als Treffpunkte infrage.

Weiterhin könnten Kantinen in Rathäusern, Kliniken oder Altenwohnheime ihr Mittagsangebot für Besucher ausweiten. Mit dem Essen verbundene Fahrdienste seien essenziell, sie könnten über Sozialverbände oder den Bundesfreiwilligendienst organisiert werden. „Zuerst einmal geht es darum, dass wir Mitstreiter für unsere Idee begeistern!“, ergänzte Lang, dann könnten schneller Lösungen für Hürden gefunden werden.

Einsamkeit mit kontaktfördernden Angeboten zu begegnen, war ein großes Thema der Veranstaltung. | © VdK Saarland


Bezahlbares und altersgerechtes Wohnen könne der VdK vor Ort anstoßen, indem er den Bürgermeister aufruft, neue Wohnformen wie Mehrgenerationen-Häuser zu unterstützen, erklärte Landesvorstandsmitglied Wolfgang Lerch. Durch einen runden Tisch oder eine offene Versammlung zum Thema Wohnen könne der Ortsverband die Anliegen der Bevölkerung sammeln.

„Einige ältere Menschen wollen sich verkleinern. In einem Projekt können für sie im Dorf- oder Stadtzentrum kleinere Häuser gebaut und in den Häusern, die die Menschen veräußern wollen, Familien mit Kindern angesiedelt werden. Dadurch entsteht eine Verjüngung vor Ort“, sagte Maria Vermeulen, Ortsvorsteherin von Ormesheim.

Landesvorstandsmitglied Karin Lawall kritisierte, dass „das Thema Gesundheit auf keinem kommunalen Wahlprogramm steht“. Der VdK könne durch Gesundheitstage und -vorträge motivieren, bestehende Angebote der Vereine wahrzunehmen.

Dass Betroffene in politische Entscheidungen vor Ort eingebunden werden müssen, verdeutlichte Landesvorstandsmitglied Wolfgang Steiner. Der VdK macht sich stark dafür, dass in jeder Stadt und Gemeinde ein Behinderten- und Seniorenbeirat eingerichtet wird. Behinderten- und Seniorenbeauftragte sollten durch Sprechstunden aufgewertet und nicht nur pro forma geführt werden.

Eigene Budgets


„Die wenigsten wissen außerdem, wo sie Unterstützung erhalten, wenn der VdK-Ortsverband ein Projekt umsetzen will. Ortsvorsteher haben eigene Budgets für Initiativen“ erklärte Landesvorstandsmitglied Wolfgang Steiner.

Bei der Frage danach, wie saarländische Gemeinden mit Lebensmitteln, Medikamenten und vielem mehr versorgt sind, stellte der stellvertretende VdK-Geschäftsführer Christian Gebhardt-Eich fest: „In den Orten, aus denen die Teilnehmer stammen, war die Versorgung noch gut. Aber wenn man nach dem Alter des Apothekers fragt, zeigt sich, dass die bevorstehende Nachfolge der Inhaber oft ungeklärt ist.“

Ortsbegehungen


Armin Lang fügte hinzu: „In jedem Dorf ein Doktor ist sicherlich eine Illusion, aber erreichbar muss die medizinische Versorgung sein.“ Gebhardt-Eich kritisierte, dass Barrierefreiheit nicht ganzheitlich gedacht wird, wenn beispielsweise Haltestellen abgesenkt werden, der Bus aber nur über Stufen zugänglich ist. Ob Kirchen mit Drehtür oder zu hoch angebrachte Parkscheinautomaten, Beispiele für mangelnde Barrierefreiheit gebe es in jeder Gemeinde, sagte Norbert Minninger, Mitglied im sozialpolitischen Ausschuss des VdK Saarland. Er forderte, Ortsbegehungen in allen Gemeinden zu organisieren.

„Was kein öffentliches Thema ist, ist auch kein politisches Thema. Dann kümmert sich niemand darum“, so Lang. Ortsverbände sollen auf diese Schwachstellen in den Kommunen hinweisen: „Gehen Sie dorthin, wo das Problem ist, laden Sie Betroffene und die lokale Presse ein, prompt haben wir eine Bewegung!“

Mitmachen!


Damit ein Anliegen die nötige Aufmerksamkeit erreicht und Mitstreiter begeistert, braucht es gute Ideen und pressewirksame Aktionen. Hier ein paar Beispiele.

Barrierefreiheit
Menschen mit Beeinträchtigung oder Eltern mit Kinderwagen haben Erfahrungen mit Barrieren. Bei einer Ortsbegehung mit der lokalen Presse können sie zeigen, wie es um die Erreichbarkeit zentraler Anlaufstellen steht und an welchen Stellen sie Veränderungen bräuchten. Der Ortsverband kann anschließend eine Prioritätenliste erarbeiten, die erklärt, wie die Gemeinde vorgehen sollte.

Gesund alt werden
Was das Wohnen im Alter erschwert, lässt sich am besten bei einem Presse-Termin in den Räumlichkeiten von Seniorinnen und Senioren nachvollziehen. Die Betroffenen können darauf aufmerksam machen, an welchen Stellen sie Veränderungen bräuchten und ob sie die Finanzierungsmöglichkeiten kennen.

Einsamkeit und Ehrenamt
Mit positiven Beispielen für kontaktfördernde Projekte aus umliegenden Gemeinden lassen sich ehrenamtliche Initiativen anstoßen. Ganz gleich, ob ein gemeinschaftliches Essensangebot oder ein generationenübergreifender Strickkurs – eine Nachfrage beim Bürgermeister verbunden mit einem Info-Abend sind erste Schritte, um die Menschen von der Idee zu überzeugen.

Versorgung
Um auf ehemals belebte Treffpunkte und Versorgungslücken vor Ort aufmerksam zu machen, bietet sich ein Rundgang mit Anwohnern und lokaler Presse an. Die Teilnehmer können berichten, was sie mit den Orten verbinden („Erzähl-Café“) und Plätze aufzeigen, an denen sie sich mehr Aufenthaltsmöglichkeiten z. B. durch Parkbänke wünschen.

VdK-Akademie
Im Seminar „Kommunale Sozialpolitik mitgestalten“ diskutieren Interessierte mit Landesvorstandsmitglied Wolfgang Steiner und Referentin Myriam Moser, was sich vor Ort bewegen lässt. Der nächste Termin findet am Mittwoch, dem 8. Mai, in Neunkirchen statt.

Fragen oder Ideen?
Gerne bei der Pressestelle des VdK Saarland melden, am besten per E-Mail unter presse.saarland@vdk.de

Myriam Moser

Pressestelle des VdK Saarland

Neugeländstraße 11
66117 Saarbrücken
Telefon 0681 58459 - 410
Telefax 0681 58459 - 209
presse.saarland@vdk.de

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