30. März 2015
VdK-Zeitung April 2015

„Wir hören und schreiben für Sie“

Seit Herbst 2014 gibt es im Saarland professionell ausgebildete Schriftdolmetscher. Sie sind im Einsatz, wo hörgeschädigte Menschen im öffentlichen Leben Hilfe brauchen. Ob bei Veranstaltungen oder beim Arzt – die Dolmetscher schreiben Gesprochenes auf, damit die Betroffenen mitlesen und verstehen können. Ihre Arbeit ist ein wichtiger Beitrag zur Inklusion.

Sie gehören zu den ersten Schriftdolmetscherinnen des Saarlandes: Manuela Diercks, Martina Vogt und Erika Schwan (v.l.). | © VdK

Mehr als 400 Mal in der Minute tippen ihre flinken Finger über die Tastatur. So schnell müssen sie sein, um gesprochenes Wort in Echtzeit niederzuschreiben. Manuela Diercks, Martina Vogt und Erika Schwan sind so schnell, seit sie die Ausbildung zu zertifizierten Schriftdolmetscherinnen des Deutschen Schwerhörigenbunds (DSB) absolviert haben. Seither gehören sie zu den ersten Schriftdolmetschern des Saarlands und sind landesweit im Einsatz für hörgeschädigte Menschen – so zum Beispiel am letzten Februar-Wochenende in den MediClin-Bosenberg-Kliniken in St. Wendel. In der Reha-Klinik dolmetschten sie im Rahmen eines Seminars für hörbehinderte Teilnehmer.

Netzwerk Schriftdolmetscher Saarland

„Wir hören und schreiben für Sie“ – so lautet das Motto der Schriftdolmetscher Saarland. Acht Frauen bilden das 2014 gegründete Netzwerk, die gemeinsam die neunmonatige DSB-Ausbildung gemacht haben, nun auf selbständiger Basis arbeiten und für Dolmetscherdienste gebucht werden können. Der DSB um seinen Präsidenten Dr. Harald Seidler und seine Frau Birgit Seidler-Fallböhmer, die den DSB Saarland führt, hatte die Ausbildung initiiert. Bis 2014 hatte es im Saarland keine Schriftdolmetscher gegeben, bei Bedarf mussten Experten aus Rheinland-Pfalz angefordert werden.

„Aber jetzt gibt es uns“, sagen Manuela Diercks, Martina Vogt und Erika Schwan am Rande des Seminars in St. Wendel lachend – die Arbeit mache ihnen großen Spaß. Obwohl sie anstrengend ist: Während des Seminars schreiben sie alles, was gesprochen wird, simultan am Computer mit – alle 20 Minuten wechseln sie sich ab. Ihre Niederschrift wird auf eine Leinwand projiziert, sodass die hörgeschädigten Teilnehmer mitlesen können. Damit das in Echtzeit funktioniert, tippen die Dolmetscherinnen selbst festgelegte Abkürzungen ein, die das Computer-Programm zu ganzen Begriffen vervollständigt – aus „SGDH“ wird so blitzschnell „Sehr geehrte Damen und Herren“. Die Kürzel müssen sie wie Vokabeln lernen, sagen die drei. „Schriftdolmetschen ist hohe Konzentrationsarbeit“.

Teilhabe ermöglichen

Das „Ohr der Betroffenen“ zu sein, sei eine wichtige und schöne Aufgabe, sagt Erika Schwan, die hauptberuflich die Patientenverwaltung der Bosenberg-Kliniken leitet und einmal wöchentlich in einer Selbsthilfegruppe der Klinik dolmetscht. „Hörgeschädigten Menschen zu helfen, war unsere größte Motivation, die Ausbildung zu machen“, bestätigen auch ihre Kolleginnen. „Die Leute sind so dankbar, wenn wir für sie schreiben. Das tut auch uns gut“, sagt Martina Vogt, die ebenfalls nebenberuflich dolmetscht und zudem VdK-Mitglied ist. Für Manuela Diercks, deren Tochter hörgeschädigt ist, ist das Dolmetschen soziales Anliegen und Beruf zugleich. „Es ist eine sinnvolle Sache, die Teilhabe ermöglicht.“

Zielgruppe der Schriftdolmetscherinnen sind Menschen, die meist im Laufe ihres Lebens ertaubt oder schwerhörig geworden sind, etwa durch einen Hörsturz. „Im Unterschied zu Gehörlosen beherrschen viele von ihnen keine Gebärdensprache. Damit sie im öffentlichen Leben trotzdem alles verstehen können, gibt es die Schriftdolmetscher“, erklärt Erika Schwan. Rund 4500 Menschen gelten im Saarland laut DSB als hochgradig hörbehindert – und sind damit potenziell auf Schriftdolmetscher angewiesen. „Die Dunkelziffer ist höher, weil viele ihre Hörbehinderung als stigmatisierend empfinden und verschweigen“, weiß Schwan. Schriftdolmetscher zählen zu den Hilfsmitteln, die Hörgeschädigten zustehen. Je nach Grad der Behinderung haben Betroffene Anspruch auf „Kommunikationshilfe“, wie es im Sozialgesetz heißt. Bedeutet: Die Kosten für einen Schriftdolmetscher-Einsatz können von Krankenkasse oder Rententräger übernommen werden.

"Jederzeit für Aufträge bereit"

Schriftdolmetscher helfen dann überall, wo Betroffene gesprochenes Wort verstehen müssen, um am öffentlichen Leben teilhaben zu können. Sei es im privaten Bereich – beim Arztbesuch, bei Behördengängen oder Veranstaltungen – oder auch im beruflichen Bereich, in Schule oder Ausbildung. „Viele wissen nicht, dass sie so einen Anspruch auf Kommunikationshilfe haben“, sagt Schwan. „Und viele wissen noch nicht, dass es uns jetzt gibt.“ Deshalb wollen die Schriftdolmetscherinnen nun auf „Werbe-Tour“ gehen und sich vorstellen. „Wir sind jederzeit für Aufträge bereit“, sagt Schwan. Auch Infoveranstaltungen beim VdK sind geplant.

Weitere Infos zu den Schriftdolmetschern Saarland bei Erika Schwan, Telefon (0171) 6 94 04 82, per E-Mail an: info@schriftdolmetscher-saar.de oder im Internet unter www.schriftdolmetscher-saar.de

Frauke Scholl

Schlagworte Schriftdolmetscher | Bosenberg-Kliniken | Hörgeschädigte | Inklusion | Behinderung

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