Presse-Archiv

Im Saarland sind – mit steigender Tendenz – bereits 25 000 Menschen an Demenz erkrankt. Wenn demenzkranke Patienten im Krankenhaus behandelt werden müssen, stehen Ärzte, Pfleger, aber auch die pflegenden Angehörigen vor großen Herausforderungen.

Das Pilotprojekt „Dem-i-K“ (Demenz im Krankenhaus) in Trägerschaft der Arbeitsgemeinschaft katholischer Krankenhäuser im Saarland unter der Leitung von Thomas Jungen und in wissenschaftlicher Begleitung der Diplom-Soziologin Sabine Kirchen-Peters vom iso-Institut für Sozialforschung und Sozialwissenschaft in Saarbrücken, hat mit der Einrichtung von „Pilotkrankenhäusern zur Versorgung demenzkranker Patienten“ eine umfassende Verbesserung der Demenzversorgung in saarländischen Krankenhäusern zum Ziel. Die wissenschaftliche Begleitung wird vom saarländischen Gesundheits- und Sozialministerium begleitet.

Menschen mit einer Demenz können ihr Verhalten nur eingeschränkt an die Situation im Krankenhaus anpassen, fühlen sich desorientiert und bedroht, haben Angst und geraten oftmals in Panik, versuchen wegzulaufen und setzen sich zur Wehr. Dieses Verhalten kann den Behandlungsverlauf und auch den Krankenhausalltag erschweren und Mitpatienten stören.

Diplom-Soziologin Sabine Kirchen-Peters, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Sozialforschung und Sozialwirtschaft (iso) e.V. in Saarbrücken, forscht seit vielen Jahre zum Thema demenzkranke Patienten im Akutkrankenhaus und erläuterte im Gespräch mit unserer Zeitung das Pilotprojekt „Dem-i-K“ Demenz im Krankenhaus. | © VdK Saarland

Wie die Erfahrungen zeigen, kann sich ein Krankenhausaufenthalt für Demenzkranke schnell zur Krisensituation entwickeln, informiert Sabine Kirchen-Peters. „Die Behandlung demenzkranker Patienten im Akutkrankenhaus muss deshalb dringend verbessert werden. Größtes Problem ist, dass die Mitarbeiter immer noch zu wenig über Demenz wissen.“
Neben dem St. Nikolaus-Hospital in Wallerfangen erarbeiten derzeit die Caritas Klink St. Theresia in Saarbrücken, das Caritas-Krankenhaus Lebach sowie das Marienhaus Klinikum St. Elisabeth Saarlouis und das Marienkrankenhaus St. Wendel als „Vorreiter“ entsprechende Handlungskonzepte, die nach Abschluss des Projektes auf alle saarländischen Krankenhäuser übertragen werden sollen.

Patientenbezogene Maßnahmen wie ärztliche Konzile oder Patienten- beziehungsweise Angehörigenberatung, stehen ebenso im Mittelpunkt Projektes, wie Anstrengungen zur Qualifizierung und Entlastung des Krankenhauspersonals, so Sabine Kirchen-Peters. Es gelte aber auch, die pflegenden Angehörigen entsprechend aufzuklären. Diese könnten bereits vor der Klinikeinweisung das Krankenhauspersonal auf die Demenzerkrankung und damit auch auf bestimmte Ernährungsgewohnheiten und beruhigende Rituale hinweisen. Angehörige könnten zudem auch das Pflegepersonal entlasten, wenn es beispielsweise gelingt, ein „Rooming-in“ zu organisieren.

„Durch gezielte Weiterbildung von Ärzten und Pflegern, aber auch der Information pflegender Angehöriger wurde bis jetzt schon viel in der Bewusstseinsbildung hin zum demenzfreundlichen Krankenhaus erreicht“, erklärt Sabine Kirchen-Peters, verweist aber zugleich auf betriebswirtschaftliche Barrieren:. „Es ist allerdings ein sehr mühsamer Prozess, weil Krankenhäuser derzeit aufgrund ihrer Organisationsstruktur nicht den Anforderungen demenzkranker Patienten entsprechen. Demenzkranke brauchen Geduld und Zeit und die Kliniken auch entsprechendes Personal und erweiterte Finanzierungsmöglichkeiten. Wir erhoffen uns im Projektverlauf eine Finanzierungsregelung, in der der zusätzliche Aufwand berücksichtigt wird.“
Karin Löffler


INFO zum Projekt „Dem-i-K“ Demenz im Krankenhaus:

Beteiligte Krankenhäuser und Ansprechpartner:

Weitere Informationen:
Broschüre „Patienten mit einer Demenz im Krankenhaus“, Deutsche Alzheimer Gesellschaft e.V. Selbsthilfe Demenz, Friedrich-Straße 236, 10969 Berlin, Telefon (030) 2 59 37 95-0, info@deutsche-alzheimer.de
In diesem Begleitheft zum "Informationsbogen für Patienten mit einer Demenz bei Aufnahme ins Krankenhaus“ wird erläutert, wie Informationen über Bedürfnisse und Verhaltensweisen demenzkranker Patienten genutzt werden können, um Stress, Missverständnisse und Überforderung für Patienten, Pflegepersonal und Angehörige zu vermeiden.

Pressestelle des VdK Saarland

Neugeländstraße 11
66117 Saarbrücken
Telefon 0681 58459 - 141
Telefax 0681 58459 - 150
presse.saarland@vdk.de


VdK-Zeitung
Mit einer Auflage von 1,5 Millionen Exemplaren bundesweit und knapp 30.000 im Saarland gehört die VdK-Zeitung zu den größten Mitgliederzeitungen Deutschlands. Die VdK-Zeitung berichtet in ihrer Saarland-Ausgabe über Themen aus Sozialpolitik und Sozialrecht, Service und Verbandsleben. | weiter
Kontakt für Pressefragen und Öffentlichkeitsarbeit:
presse.saarland@vdk.de
VdK INTERNET-TV


Presse
Zeitung, Radio, Fernsehen, Internet - der VdK Saarland bringt seine Positionen und Projekte offensiv in die Medien. Hier findet sich eine Auswahl an aktuellen Beiträgen.
Der VdK Saarland
Symbolfoto: Eine Frau im Rollstuhl arbeitet an einem Notebook.
Der VdK ist mit 1,8 Millionen Mitgliedern bundesweit und mehr als 43.000 im Saarland Deutschlands größter Sozialverband. Er ist unabhängig, aber nicht unpolitisch. Erfahren Sie mehr.
Service
Symbolfoto: Eine Statue der Justitia
Die Juristen des VdK sind auf Sozialrecht spezialisiert. Als Herzstück des Sozialverbands VdK Saarland beraten sie Mitglieder auf den Gebieten Rente, Behinderung, Gesundheit und Pflege und vertreten sie vor Gericht.
Mitglied werden!
Symbolfoto: Eine glueckliche Familie, bestehend aus drei Generationen
Sie interessieren sich für eine Mitgliedschaft im Sozialverband VdK Saarland? Hier finden Sie zehn wirklich gute Gründe für eine Mitgliedschaft. Überzeugen Sie sich selbst!
Aktuelles
Tipps und kurze Meldungen finden Sie in der Rubrik "Aktuelles".