Sozialverband VdK Rheinland-Pfalz e.V.
30. November 2015
VdK-Befragung

90 Prozent der Arztpraxen nicht barrierefrei

VdK fordert von Gesundheitsbranche schärfere Regelungen

Nur zehn Prozent der Allgemeinmediziner oder Fachärzte sind für Ältere oder behinderte Menschen ohne Barrieren erreichbar. Das ergab eine VdK-Telefonbefragung unter 558 (zehn Prozent) der rund 5.400 Arztpraxen in Rheinland-Pfalz. „Barrierefreiheit ist das Thema der Zukunft“, sagte VdK-Landesverbandsvorsitzender Willi Jäger auch mit Blick auf den demografischen Wandel. „Deswegen muss sie stärker gefördert werden.“

VdK-Vorsitzender Willi Jäger (links) präsentierte die Ergebnisse der Telefonbefragung zu barrierefreien Arztpraxen gemeinsam mit dem Landesbehindertenbeauftraten Matthias Rösch (rechts). | © Michael Finkenzeller

Von den Akteuren forderte Jäger zielgerichtete Regelungen. „Erstens müssen Ärzte umfassender auf Barrierefreiheit achten – und zwar nicht nur in den Praxisräumen, sondern auch beim Gebäudezugang.“ Zweitens seien Kommunen aufgerufen, mehr behindertengerechte Parkplätze auszuweisen. Drittens solle die Landesregierung mehr über den Nutzen von Barrierefreiheit informieren. Viertens nahm Jäger die Krankenkassen und Kassenärztliche Vereinigung in die Pflicht. „Für Ärzte muss es sich lohnen, barrierefrei umzubauen. Das geht nur über Vereinbarungen und finanzielle Anreize.“


„Die Aktion des VdK begrüße ich. Gerade bei bestehenden Arztpraxen und auch therapeutischen Praxen haben wir große Probleme mit der Barrierefreiheit“, erklärte Matthias Rösch, Landesbeauftragter für die Belange behinderter Menschen. „Die Bundesregierung fordere ich zu einer Ergänzung des ‚Allgemeinen Gleichstellungsgesetzes‘ im Rahmen der aktuellen Novellierung des Bundesbehindertengleichstellungsgesetzes auf, um hier generell Abhilfe zu schaffen. In Rheinland-Pfalz werde ich mich für die Wiederaufnahme der Zielvereinbarungsverhandlungen für barrierefreie Arztpraxen einsetzen“, so Rösch.

Die Barrierefreiheit wurde mit vier Kriterien überprüft: Behindertengerechter Parkplatz, Gebäudezugang, Behandlungszimmer und Toilette. Ohne das Kriterium „Behindertenparkplatz“ gelten 45 Prozent der Arztpraxen in Rheinland-Pfalz als zumindest „überwiegend barrierefrei“. Eine digitale Pressemappe mit der Auswertung steht unter https://www.dropbox.com/sh/sasq18suremlwxe/AACEc0McD_iA-mVa9PlnUHCFa?dl=0

Die detaillierte Fassung unserer Umfrage finden Sie hier Barrierefreie Arztpraxen

Schlagworte Arztpraxen | Barrierefreiheit | Telefonbefragung

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