1. März 2018

Zwei Versicherte aus Hessen klagten, um gegenüber ihrer Krankenkasse eine versuchsweise Therapie mit Cannabis durchzusetzen.

Dabei bestimmte das Gericht genauer, in welchen Fällen ein solcher Versuch möglich ist.
Der Bundestag hatte bereits im Januar 2017 ein Gesetz verabschiedet, das Cannabis in Einzelfällen als Medizin zulässt und die Erstattung durch die gesetzliche Krankenversicherung ermöglicht. Demnach sollen Schwerkranke nicht nur fertige Cannabisprodukte, sondern auch getrocknete Cannabisblüten in kontrollierter Qualität in den Apotheken erhalten. Den Anbau kontrolliert das Bundesinstitut für Arzneimittel mit seiner „Cannabisagentur“, wissenschaftliche Studien sollen dabei Daten erheben und den Erfolg kontrollieren.


Das Landessozialgericht Hessen hat im Fall eines Klägers entschieden, der an der schmerzhaften Muskelerkrankung Fibromyalgie leidet. Bei ihm hatte sich durch schulmedizinische Versorgung, zum Beispiel Schmerztherapie und Physiotherapie, bereits eine leichte Besserung ergeben. Der Patient wünschte sich aber auch eine testweise Versorgung mit Cannabisblüten. Das Gericht lehnte diesen Antrag endgültig ab, da die tatsächlichen Ursachen der Fibromyalgie unbekannt seien und andere Therapieformen zur Verfügung stünden. Die Voraussetzungen zur Verschreibung von Cannabis seien damit nicht erfüllt (LSG Hessen, Beschluss vom 16.Oktober 2017, L 8 KR 366/17 B ER).

Ganz anders liegt der Fall bei einem Kläger vor demselben Gericht, der an einer chronischen Entzündung der Bauchspeicheldrüse erkrankt ist, und gegen dessen starke Schmerzen auch Morphium in hohen Dosen nicht half. Hier steht keine dem medizinischen Standard entsprechende Leistung zur Verfügung, weshalb ein Therapieversuch mit einem Cannabisspray gewährt wurde (LSG Hessen, Beschluss vom 28. September 2017 – L 8 KR 288/17 B ER).

Voraussetzung ist also laut Gericht, dass bisherige klassische Therapien nicht erfolgreich waren und eine Verordnung von Cannabis eine Besserung der Symptome verspricht. Zu den Empfängern können beispielsweise Patientinnen und Patienten mit Multipler Sklerose oder mit starken Schmerzen gehören; eine abschließende Liste von Krankheitsbildern gibt es allerdings nicht. Das grundsätzliche Verbot von Cannabis als Droge wird durch diese Regelungen übrigens nicht angetastet.

Moritz Ehl

Schlagworte Krankenversicherung | Arzneimittel | Cannabis

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