23. März 2017

Wo kein Arzt, da kein Apotheker

Flächendeckende Versorgung im Land gefährdet

Die Zahl der Apotheken in Rheinland-Pfalz sinkt und sinkt – und das hat auch mit der Schließung von Landarzt-Praxen zu tun.

© Anne Bermüller/pixelio.de

„Wo Ärzte sich ansiedeln, haben Apotheken eine Chance, weil die Patienten dann Rezepte einlösen. Das gilt auch umgekehrt: Dort, wo es keine Ärzte gibt, haben Apotheken es schwer“, sagt Frank Eickmann vom Apothekerverband in Rheinland-Pfalz. Noch gebe es 26 Apotheken pro 100.000 Einwohner, das ist etwas besser als im Bundesschnitt. Rechnerisch kommen also 3960 Einwohner auf eine Apotheke. In Orten, die kleiner sind, werde es schwierig, sagt Eickmann.

Und dennoch: In der Zweitausend-Seelen-Gemeinde Rhaunen (Landkreis Birkenfeld) im Hunsrück führt Johannes Jaenicke die Adler-Apotheke in der dritten Generation. Dass er die Apotheke „ohne Selbstausbeutung“ betreiben kann, sagt er, verdanke er einem jungen Ärztepaar. Vor sechs Jahren sei überraschend der Landarzt in Rhaunen gestorben. Die Kassen­ärztliche Vereinigung wollte daraufhin die Zulassung der Praxis, die noch sechs Monate gültig war, nicht verlängern, erzählt Jaenicke. „Da hängen Sie als Apotheker in der Luft.“ Nach einem knappen halben Jahr entschied sich ein junges Ärztepaar dazu, aufs Land zu ziehen und die Praxis zu übernehmen. Das habe die Apotheke vor einem Umsatzeinbruch von 50 Prozent bewahrt.

„Das Verhältnis zwischen Arzt und Apotheker ist eine Symbiose“, sagt Jaenicke. Gerade auf dem Land arbeite man eng zusammen und sei aufeinander angewiesen. 80 Prozent seines Umsatzes mache er durch ärztliche Verordnungen. Laufkundschaft, so wie es sie in Städten gibt, sei auf dem Land nicht vorhanden.

Kleine und abgelegene Apotheken unter Druck


Laut Eickmann vom Landesapothekenverband schließen vor allem kleine Apotheken, also jene, die einen Jahresumsatz von höchstens 1,2 Millionen Euro haben. Diese liegen nicht nur in entlegenen Regionen des Hunsrück oder Westerwald, sondern auch im Speckgürtel von großen Städten. Und in Schlafdörfern, aus denen die Bewohner jeden Tag in die Städte pendeln.

Uta Reimann-Schreiber ist Apothekerin im Alsenztal im Donnersbergkreis. In Alsenz profitiere sie zwar von einem kleinen Einkaufszentrum in der Nähe, sagt sie. Langfristig rechnet die Apothekerin aber damit, dass die Kunden vermehrt in die Apotheken in den Mittelzentren gehen – dort, wo sie im Alltag einkaufen. „Mit dem falschen Standort sind Sie weg vom Fenster“, meint Reimann-Schreiber. Es gebe durchaus auch Neugründungen – aber hauptsächlich in Städten, etwa in neuen Wohngebieten, sagt Eickmann. Außerdem komme es häufig vor, dass eine aufgegebene Apotheke von einem anderen Apotheker als Filiale übernommen wird.

Durch das Apothekensterben müssen die Apotheker, die noch da sind, häufiger Notdienste in den Nächten und an den Wochenenden übernehmen. Denn die Menschen sollen höchstens 15 bis 20 Kilometer fahren müssen, sagt Doris Wettmann von der Landesapothekerkammer, die die Notdienste organisiert. „Im Worst Case sind es auch mal 25 Kilometer.“ In dünn besiedelten Regionen müssen die Apotheker dann bis zu 50 solche Notdienste leisten. „Es geht uns um eine flächendeckende Versorgung“, sagt Wettmann. Eickmann bestätigt, dass die Belastung oft sehr hoch sei. „Unter einer 70-Stunden-Woche kommt ein Apotheker normalerweise nicht raus.“

Dennoch ist der Beruf weiter attraktiv. Zwar seien zwölf Prozent der Mitglieder im Landesapothekerverband älter als 65, aber ebenso viele seien jünger als 35 Jahre, sagt Eickmann. „Es gibt nach wie vor genügend Pharmaziestudenten. Bislang haben wir keine Nachwuchssorgen.“ Sorgen machten ihm hingegen die geringe Zahl an pharmazeutisch-technischen Assistenten und pharmazeutisch-kaufmännischen Angestellten in der Ausbildung. „Es wird für Apotheker zunehmend schwer, ausreichend Personal zu finden“, erklärt er. „Gerade im ländlichen Bereich.“

Christian Kretschmer/Doreen Fiedler

Schlagworte Apotheken

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