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Arbeitsbedingte Erkrankungen und Berufskrankheiten
erstellt von Paul Müller

Arbeitsbedingte Erkrankungen und Berufskrankheiten Die Gesundheit und damit auch die Lebensqualität der Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen wird ganz entscheidend durch die Arbeitsbedingungen geprägt.
Überhöhte Belastungen am Arbeitsplatz können schwerwiegende Folgen haben: Sie können

Krankheit oder Tod direkt verursachen,
Krankheit mitverschulden,
Krankheitsverläufe beeinflussen,
Krankheitsbewältigung erschweren oder verhindern.
Zu welchen Auswirkungen die vielfältigen Arbeitsbelastungen im Einzelfall führen, kann nicht pauschal beantwortet werden. Hier müssen in ganz besonderem Maße neben der Arbeits- und Arbeitsplatzgestaltung auch die persönlichen Voraussetzungen wie z. B. Fähigkeiten, Fertigkeiten, Eigenschaften und gesundheitliche Voraussetzungen, Alter oder Geschlecht, betrachtet werden.

Arbeitsschutzvorschriften begrenzen zwar die Belastungen, können aber mögliche Gefährdungen der Gesundheit nicht ausschließen. Mit zunehmendem Bewusstsein über die möglichen Wechselwirkungen zwischen Arbeit und Gesundheit sind arbeitsbedingte Erkrankungen und Berufskrankheiten - nicht zu Unrecht - in das Zentrum des gesundheitspolitischen Interesses gerückt.

Arbeitsbedingte Erkrankungen Der Begriff Arbeitsbedingte Erkrankungen wurde im Jahre 1973 mit dem Arbeitssicherheitsgesetz (ASiG) eingeführt. Er trägt in besonderem Maße der kumulativen Verursachung von Erkrankungen durch berufliche Einflüsse Rechnung. Als arbeitsbedingte Erkrankungen im Sinne der weiten Zielsetzung dieses Gesetzes sind alle Krankheiten zu bezeichnen, deren Auftreten in Verbindung mit der Arbeitstätigkeit stehen. Der präventivmedizinische Auftrag gemäß § 3 verlangt von den Betriebsärzten hierbei insbesondere die Ursachen arbeitsbedingter Erkrankungen zu untersuchen, um dem Arbeitgeber geeignete Maßnahmen zur Verhütung arbeitsbedingter Erkrankungen vorschlagen zu können.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist der so genannte Erweiterte Präventionsauftrag. Im siebten Buch des Sozialgesetzbuches (SGB VII) heißt es dazu: Die Unfallversicherungsträger haben mit allen geeigneten Mitteln für die Verhütung von Arbeitsunfällen, Berufskrankheiten und arbeitsbedingten Gesundheitsgefahren zu sorgen.

Die dritte Rechtsnorm von zentraler Bedeutung ist das Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG). Im § 2 werden die Maßnahmen des Arbeitsschutzes definiert. Sie sollen Unfälle bei der Arbeit und arbeitsbedingte Gesundheitsgefahren verhüten. Eingeschlossen sind Maßnahmen der menschengerechten Arbeitsgestaltung. Der Begriff Arbeitsbedingte Gesundheitsgefahren ist somit Gegenstand der betrieblichen Gesundheits-Prävention, für den die Arbeitgeber die Verantwortung tragen.
Berufskrankheiten Von arbeitsbedingten Erkrankungen streng zu unterscheiden sind daher alle Berufskrankheiten im Sinne des Unfallversicherungsrechts. Die Rechtsgrundlage ist auch hier das Sozialgesetzbuch. Die Bundesregierung wird mit dem § 9 Abs. 1 des SGB VII ermächtigt, in einer Rechtsverordnung solche Krankheiten als Berufskrankheit zu bezeichnen, die nach den Erkenntnissen der medizinischen Wissenschaft durch besondere Einwirkungen verursacht sind, denen bestimmte Personengruppen durch ihre versicherte Tätigkeit in erheblich höherem Grade als die übrige Bevölkerung ausgesetzt sind. Berufskrankheiten sind nach dem geltenden Recht von den Trägen der gesetzlichen Unfallversicherung zu entschädigen.

Die mehrmals geänderte Berufskrankheiten-Verordnung(BKV) beinhaltet die grundlegenden Verfahrensregelungen wie z. B. die Verpflichtung des Arbeitgebers, mögliche Berufskrankheiten seiner Beschäftigten gegenüber dem Unfallversicherungsträger anzuzeigen und die Einschaltung der für den medizinischen Arbeitsschutz zuständigen staatlichen Stellen (Gewerbearzt/Landesgewerbearzt). In einer Anlage sind alle Krankheiten aufgeführt, die von der Bundesregierung zu Berufskrankheiten erklärt wurden.

Daneben werden bestimmte medizinische Krankheitsbilder beschrieben. Zum Teil wird die Anerkennung einer Berufskrankheit auch von den Umständen der Beschäftigung oder einer bestimmten Exposition abhängig gemacht. Als rechtliche Anerkennungsvoraussetzung wird bei einzelnen Berufskrankheiten (z. B. Hauterkrankungen BK-Nr. 5101 oder obstruktiven Atemwegserkrankungen BK-Nr. 4301/ 4302?) das Unterlassen aller Tätigkeiten gefordert, die für die Entstehung, die Verschlimmerung oder das Wiederaufleben der Krankheit ursächlich waren oder sein können.

An die in der Berufskrankheiten-Liste getroffenen Festlegungen sind die gesetzlichen Unfallversicherungen rechtlich gebunden. Es ist ihnen verwehrt, andere als die aufgelisteten Krankheitsbilder als Berufskrankheiten anzuerkennen. Ausnahmen sind möglich bei Krankheiten, zu denen entsprechend neue Erkenntnisse vorliegen. Eine Veränderung (Erweiterung) der Berufskrankheitenliste ist nur politisch durchzusetzen.

Liste der Berufskrankheiten (BKNr. / Bezeichnung)

1 Durch chemische Einwirkungen verursachte Krankheiten

11 Metalle oder Metalloide

1101 Erkrankungen durch Blei oder seine Verbindungen

1102 Erkrankungen durch Quecksilber oder seine Verbindungen

1103 Erkrankungen durch Chrom oder seine Verbindungen

1104 Erkrankungen durch Cadmium oder seine Verbindungen

1105 Erkrankungen durch Mangan oder seine Verbindungen

1106 Erkrankungen durch Thallium oder seine Verbindungen

1107 Erkrankungen durch Vanadium oder seine Verbindungen

1108 Erkrankungen durch Arsen oder seine Verbindungen

1109 Erkrankungen durch Phosphor oder seine anorganischen Verbindungen

1110 Erkrankungen durch Beryllium oder seine Verbindungen

12 Erstickungsgase

1201 Erkrankungen durch Kohlenmonoxid

1202 Erkrankungen durch Schwefelwasserstoff

13 Lösemittel, Schädlingsbekämpfungsmittel (Pestizide) und sonstige chemische Stoffe

1301 Schleimhautveränderungen, Krebs oder andere Neubildungen der Harnwege
durch aromatische Amine

1302 Erkrankungen durch Halogenkohlenwasserstoffe

1303 Erkrankungen durch Benzol, seine Homologe oder durch Styrol

1304 Erkrankungen durch Nitro oder Aminoverbindungen des Benzols oder seiner Homologe oder ihrer Abkömmlinge

1305 Erkrankungen durch Schwefelkohlenstoff

1306 Erkrankungen durch Methylalkohol (Methanol)

1307 Erkrankungen durch organische Phosphorverbindungen

1308 Erkrankungen durch Fluor oder seine Verbindungen

1309 Erkrankungen durch Salpetersäureester

1310 Erkrankungen durch halogenierte Alkyl, Aryl oder Alkylaryloxide

1311 Erkrankungen durch halogenierte Alkyl, Aryl oder Alkylarylsulfide

1312 Erkrankungen der Zähne durch Säuren

1313 Hornhautschädigungen des Auges durch Benzochinon

1314 Erkrankungen durch para-tertiär-Butylphenol

1315 Erkrankungen durch Isocyanate, die zur Unterlassung aller Tätigkeiten gezwungen haben, die für die Entstehung, die Verschlimmerung oder das Wiederaufleben der Krankheit ursächlich waren oder sein können

1316 Erkrankungen der Leber durch Dimethylformamid

1317 Polyneuropathie oder Enzephalopathie durch organische Lösungsmittel oder deren Gemische

2 Durch physikalische Einwirkungen verursachte Erkrankungen

21 Mechanische Einwirkungen

2101 Erkrankungen der Sehnenscheiden oder des Sehnengleitgewebes sowie der Sehnen oder Muskelansätze, die zur Unterlassung aller Tätigkeiten gezwungen haben, die für die Entstehung, die Verschlimmerung oder das Wiederaufleben der Krankheit ursächlich waren oder sein können

2102 Meniskusschäden nach mehrjährigen andauernden oder häufig wiederkehrenden, die Kniegelenke überdurchschnittlich belastenden Tätigkeiten

2103 Erkrankungen oder Erschütterung bei Arbeit mit Druckluftwerkzeugen oder gleichartig wirkenden Werkzeugen oder Maschinen

2104 Vibrationsbedingte Durchblutungsstörungen an den Händen, die zur Unterlassung aller Tätigkeiten gezwungen haben, die für die Entstehung, die Verschlimmerung oder das Wiederaufleben der Krankheit ursächlich waren oder sein können

2105 Chronische Erkrankungen der Schleimbeutel durch ständigen Druck

2106 Druckschädigung der Nerven

2107 Abrissbrüche der Wirbelfortsätze

2108 Bandscheibenbedingte Erkrankungen der Lendenwirbelsäule durch langjähriges Heben oder Tragen schwerer Lasten oder durch langjährige Tätigkeiten in extremer Rumpfbeugehaltung, die zur Unterlassung aller Tätigkeiten gezwungen haben, die für die Entstehung, die Verschlimmerung oder das Wiederaufleben der Krankheit ursächlich waren oder sein können

2109 Bandscheibenbedingte Erkrankungen der Halswirbelsäule durch langjähriges Tragen schwerer Lasten auf der Schulter, die zur Unterlassung aller Tätigkeiten gezwungen haben, die für die Entstehung, die Verschlimmerung oder das Wiederaufleben der Krankheit ursächlich waren oder sein können

2110 Bandscheibenbedingte Erkrankungen der Lendenwirbelsäule durch langjährige, vorwiegend vertikale Einwirkung von Ganzkörperschwingungen
im Sitzen, die zur Unterlassung aller Tätigkeiten gezwungen haben, die für die Entstehung, die Verschlimmerung oder das Wiederaufleben der Krankheit ursächlich waren oder sein können

2111 Erhöhte Zahnabrasionen durch mehrjährige quarzstaubbelastende Tätigkeit

22 Druckluft

2201 Erkrankungen durch Arbeit in Druckluft

23 Lärm

2301 Lärmschwerhörigkeit

24 Strahlen

2401 Grauer Star durch Wärmestrahlung

2402 Erkrankungen durch ionisierende Strahlen

3 Durch Infektionserreger oder Parasiten verursachte Krankheiten sowie Tropenkrankheiten

3101 Infektionskrankheiten, wenn der Versicherte im Gesundheitsdienst, in der Wohlfahrtspflege oder in einem Laboratorium tätig oder durch eine andere Tätigkeit der Infektionsgefahr in ähnlichem Maße besonders ausgesetzt war

3102 Von Tieren auf Menschen übertragbare Krankheiten

3103 Wurmkrankheit der Bergleute, verursacht durch Ankylostoma duodenale oder Strongyloides stercoralis

3104 Tropenkrankheiten, Fleckfieber

4 Erkrankungen der Atemwege und der Lungen, des Rippenfells und Bauchfells

41 Erkrankungen durch anorganische Stäube

4101 Quarzstaublungenerkrankung (Silikose)

4102 Quarzstaublungenerkrankung in Verbindung mit aktiver Lungentuberkulose (Siliko-Tuberkulose)

4103 Asbeststaublungenerkrankung (Asbestose) oder durch Asbeststaub verursachte Erkrankungen der Pleura

4104 Lungenkrebs oder Kehlkopfkrebs

?in Verbindung mit Asbeststaublungenerkrankung (Asbestose)
?in Verbindung mit durch Asbeststaub verursachter Erkrankung der Pleura oder
?bei Nachweis der Einwirkung einer kumulativen Asbestfaserstaub-Dosis am Arbeitsplatz von mindestens 25 Faserjahren {25x 106 [(Fasern/m3) x Jahre]}
4105 Durch Asbest verursachtes Mesotheliom des Rippenfells, des Bauchfells oder des Pericards

4106 Erkrankungen der tieferen Atemwege und der Lungen durch Aluminium oder seine Verbindungen

4107 Erkrankungen an Lungenfibrose durch Metallstäube bei der Herstellung oder Verarbeitung von Hartmetallen

4108 Erkrankungen der tieferen Atemwege und der Lungen durch Thomasmehl (Thomasphosphat)

4109 Bösartige Neubildungen der Atemwege und der Lungen durch Nickel oder seine Verbindungen

4110 Bösartige Neubildungen der Atemwege und der Lungen durch Kokereirohgase

4111 Chronische obstruktive Bronchitis oder Emphysem von Bergleuten unter Tage im Steinkohlebergbau bei Nachweis der Einwirkung einer kumulativen Dosis von in der Regel 100 Feinstaubjahren {(mg/m3) x Jahre}

4112 Lungenkrebs durch die Einwirkung von kristallinem Siliziumdioxid (SiO2) bei nachgewiesener Quarzstaublungenerkrankung (Silikose oder Siliko-Tuberkulose)

42 Erkrankungen durch organische Stäube

4201 Exogenallergische Alveolitis

4202 Erkrankungen der tieferen Atemwege und der Lungen durch Rohbaumwoll, Rohflachs oder Rohhanfstaub (Byssinose)

4203 Adenokarzinome der Nasenhaupt und Nasennebenhöhlen durch Stäube von Eiche oder Buchenholz

43 Obstruktive Atemwegserkrankungen

4301 Durch allergisierende Stoffe verursachte obstruktive Atemwegserkrankungen (einschließlich Rhinopathie), die zur Unterlassung aller Tätigkeiten gezwungen haben, die für die Entstehung, die Verschlimmerung oder das Wiederaufleben der Krankheit ursächlich waren oder sein können

4302 Durch chemischirritativ oder toxisch wirkende Stoffe verursachte obstruktive Atemwegserkrankungen, zur Unterlassung aller Tätigkeiten gezwungen haben, die für die Entstehung, die Verschlimmerung oder das Wiederaufleben der Krankheit ursächlich waren oder sein können

5 Hautkrankheiten

5101 Schwere oder wiederholt rückfällige Hauterkrankungen, die zur Unterlassung aller Tätigkeiten gezwungen haben, die für die Entstehung, die Verschlimmerung oder das Wiederaufleben der Krankheit ursächlich waren oder sein können

5102 Hautkrebs oder zur Krebsbildung neigende Hautveränderungen durch Ruß, Rohparaffin, Teer, Anthrazen, Pech oder ähnliche Stoffe

6 Krankheiten sonstiger Ursache

6101 Augenzittern der Bergleute

Weitere Information:
www.hvbg.de
www.baua.de

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