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Ortsverband Rauenberg 60-jähriges Jubiläum
Feierstunde mit Ehrungen

5. März 2006

VdK-Ortsverband Rauenberg feierte sein 60jähriges Bestehen – Landesverbandsgeschäftsführer Hans-Josef Hotz hielt Festrede

Heuer darf der VdK-Ortsverband Rauenberg auf sein 60-jähriges Bestehen zurückschauen. Fürwahr ein Grund, dieses Ereignis im Rahmen eines Festaktes in würdiger Form zu feiern. Ort der Feierlichkeiten war das katholische Pfarrzentrum in Rauenberg, wo Vorsitzender Gerhard Filsinger am vergangenen Sonntagnachmittag neben vielen Mitgliedern, Gönnern und Freunden des VdK Rauenberg auch eine ganze Menge an Ehrengästen begrüßte. Er durfte den amtierenden Bürgermeister Frank Broghammer ebenso begrüßen, wie dessen Vorgänger Werner Kummer und den VdK-Landesgeschäftsführer Hans-Josef Hotz, der später die Festrede hielt.

Weitere Ehrengäste waren Bürgermeister Theo Sauer, die beiden Rauenberger Ehrenbürger Hermann Krug und Karl-Heinz Zimmermann, Pfarrer Hans-Georg Schmitz, Ortsvorsteher Hugo Seltenreich und Hauptamtsleiter Ludwig Sauer. Besondere Willkommensgrüße gingen an den Landtagsabgeordneten und Staatssekretär Michael Sieber.

Akkordeonclub Wiesloch

Den Auftakt der Jubiläumsfeierlichkeiten machte der Akkordeonclub Wiesloch mit seinem Dirigent Klaus-Jürgen Walter. Recht schwungvoll spielten die Musikerinnen und Musiker die "Spanischen Tänze" und leiteten mit dem "Allegro Comodo" auf die Ansprache des Rauenberger VdK-Chefs Gerhard Filsinger über.

Festansprache des Vorsitzenden Gerhard Filsinger

Dieser spannte den zeitlichen Bogen auf das Jahr 1946 zurück, als Deutschland nach dem verlorenen 2. Weltkrieg zerstört am Boden lag. Millionen von Soldaten verloren in den sechs Kriegsjahren ihr Leben oder kamen schwerverwundet aus dem Krieg zurück. Witwen und Waisen sowie Elternpaare mussten ohne ihre Ernährer und ohne ihre Söhne auskommen und waren auf die Kriegsopferversorgung des Staates angewiesen. Zunächst wurde die Versorgung der Kriegsbeschädigten und deren Hinterbliebenen durch die Besatzungsmächte verboten. Erst nach längeren Auseinandersetzungen gelang es, eine organisierte Kriegsopferversorgung ins Leben zu rufen.
Mitglieder aus dem ersten Weltkrieg, stellvertretend nannte Gerhard Filsinger das verstorbene Mitglied Hermann Schaubeck, haben in Rauenberg gemeinsam mit den Teilnehmern aus dem zweiten Weltkrieg, unter ihnen die verstorbenen Mitglieder Gebhard Ittemann, Fridolin Link, Alfred Fischer und noch lebende Zeitzeugen wie der später geehrte Lorenz Laier den Weg für den VdK-Ortsverband Rauenberg bereitet. Gebhard Ittemann übernahm zunächst den Vorsitz des neuen Verbandes. Ihm folgten die verstorbenen Mitglieder Karl Herzhauser, Adam Zöllner und Ernst Müller. Von 1962 bis 2002 leitete Hermann Krug den Ortsverband und führte ihn zu seiner heutigen Stärke. Sein unermüdliches Wirken wurde mit der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes und der Zuerkennung der Ehrenbürgerwürde honoriert. 1969 vollzog sich der Zusammenschluss mit dem VdK-Ortsverband Rotenberg. Waren es damals 13 Mitglieder, so zählt Rotenberg bis zum heutigen Tag über 40 Mitglieder.

Im Vordergrund der Verbandsarbeit stand und steht die Betreuung und Beratung der Mitglieder. Setzte sich das Klientel des VdK in den Anfangsjahren hauptsächlich aus Kriegsbeschädigten, Witwen und Kriegerweisen zusammen, kamen in den letzten 20 Jahren auch Zivilbehinderte und Rentner hinzu. Mittlerweile wurde aus dem VdK ein moderner Dienstleistungsverband, dem jedermann/-frau als Mitglied beitreten kann. Gerhard Filsinger zeigte auf, dass der VdK-Ortsverband Rauenberg seinen Mitgliedern Hort und Familie ist. Dies belegen auch die regelmäßigen Gemeinschaftsfeiern, die Freude und Licht in das Dunkel des Alltags bringen. Betrug die Mitgliederzahl zum 50. Jubiläum (1996) 300, ist die Mitgliederzahl auf nunmehr 430 angewachsen.

Ehrengäste

Bei dieser Gelegenheit ging an Altbürgermeister Werner Kummer und an dessen Nachfolger ein herzliches Dankeschön. Beide sind dem VdK Ortsverband Rauenberg treue Mitglieder, Freunde und Förderer. Vorsitzender Filsinger: "Geboren aus der Not und dem Leid, in sich geschlossen durch Anteilnahme und Verantwortung, ist unser VdK zu einer sozialen Ordnungskraft geworden, anerkannt und geachtet."

Landesverbandsgeschäftsführer Hans-Josef Hotz

VdK-Landesgeschäftsführer Hans-Josef Hotz kam in seiner Festrede zunächst auf das Ehrenamt zu sprechen. Ohne das Ehrenamt würde die Gesellschaft verarmen und ohne das Ehrenamt müsste der Staat weitere Milliardenbeträge für die Betreuung der Menschen aufbringen, deshalb –so Hans-Josef Hotz- muss dieser ehrenamtliche Einsatz als das gewürdigt werden, was er ist: "Dienst für die Gemeinschaft und damit Dienst am Menschen." Daher fordert der Sozialverband VdK, dass mehr für die Aufwertung des Ehrenamtes getan wird, als bisher. Auch Hans-Josef Hotz ließ seine Gedanken in die Zeit zurückschweifen, als Deutschland in Schutt und Asche lag. Die Kriegsteilnehmer kehrten gebrochen an Leib und Seele und mit schweren Verwundungen in eine Heimat zurück, die ebenfalls unter den Folgen des unseligen zweiten Weltkrieges zu leiden hatte. Die Städte waren ausgebombt, viele Frauen in jungen Jahren zu Witwen und ihre Kinder zu Kriegsweisen geworden.
In den 60 Jahren nach Kriegsende wurde beim VdK nicht nur von Nächstenliebe geredet, sie wurde vielmehr praktiziert und wurde zu einer Art Gütezeichen des VdK. Doch in den vergangenen 60 Jahren hat sich vieles verändert. Der VdK ist inzwischen zu einer wichtigen Organisation mit über 1,4 Millionen Mitgliedern herangewachsen. Hans-Josef Hotz: "Die Basis sind die Ortsverbände, die in mühsamer Kleinarbeit die Betreuung übernommen haben und sie gelten auch heute noch als unser wesentlichstes Fundament."
Dann kam der VdK-Landesgeschäftsführer auf das heutige Erscheinungsbild des Sozialverbandes VdK zu sprechen. Er hat sich zu einem modernen Sozialverband entwickelt, der umfassend das soziale Rechtsgebiet als seinen Aufgabenbereich ansieht. Seit der Gründung der Bundesrepublik Deutschland im Jahre 1949 wurde kein bundesdeutsches Sozialgesetz verabschiedet, an dem der VdK nicht mitgearbeitet hätte. Als wesentliches Instrument des Sozialverbandes VdK nannte Hans-Josef Hotz den umfassenden Sozialrechtsschutz. Eindrucksvoll sind dabei die Nachzahlungen in Höhe von über elf Millionen Euro, die Jahr für Jahr durch die Sozialrechtsreferenten in Baden-Württemberg für die VdK-Mitglieder in über 9000 erledigten Verfahren erstritten werden.
Dann legte der Landesverbandsgeschäftsführer seine Finger in viele offene Wunden. Was spricht eigentlich dagegen, auch Abgeordnete in die Rentenversicherung einzahlen zu lassen? Hotz: "Bereits durch acht Jahre Zugehörigkeit zum Deutschen Bundestag sichert sich ein einfacher Abgeordneter eine monatliche Altersversorgung von über 2000 Euro, ohne selbst dafür einen einzigen Cent beizutragen." Der berühmte Eckrentner braucht dazu mehr als ein Erwerbsleben. Selbst nach 45 Beitragsjahren kommt er niemals auf diesen Betrag. Hans-Josef Hotz weiter: "Die Standartrente eines männlichen Rentners beträgt zirka 1000 Euro und die einer Frau gerade Mal 650 Euro." Der VdK hat in den mehr als 60 Jahren bewiesen, dass er für die Rechte Behinderter und von Behinderung bedrohter Menschen, für ältere Menschen, für Rentner und pflegebedürftige Menschen eintritt. Landesverbandsgeschäftsführer Hotz: "In diesem Sinne wollen wir auch weiterhin unsere Aufgaben wahrnehmen."

Staatssekretär Michael Sieber

Mit der "Tritsch -Tratsch-Polka" leitete der Akkordeonclub auf die Rede von Staatssekretär und MdL Michael Sieber über. Dieser übermittelte dem VdK-Ortsverband Rauenberg neben den persönlichen Glückwünschen auch die der Landesregierung von Baden-Württemberg. Den VdK bezeichnete der Politiker als Anwalt für Kriegsopfer, für chronisch Kranke und für ältere Menschen. Seit Einführung des Schwerbehindertengesetzes hat er darüber hinaus auch das Mandat für behinderte Menschen übernommen. Vor den Leistungen des VdK selbst zollte der Staatssekretär seinen Respekt und seine Anerkennung. Bereits im April 2005 hat Michael Sieber auf dem Verbandstag des VdK-Kreisverbandes Heidelberg in der Mannaberghalle gesagt, dass die Zukunft des Sozialstaates für die Menschen in Deutschland von entscheidender Bedeutung ist. Insbesondere auch für den sozialen Frieden. Michael Sieber: "An dieser Überzeugung hat sich nichts geändert." Dem VdK-Landegeschäftsführer rief er zu: "Lassen Sie in Ihrem Engagement nicht nach, die Menschen zählen auf Sie!"
Dann nutzte der Staatssekretär die Gunst der Stunde, um seinen Abschied aus der aktiven Politik bekannt zu geben. Er versprach jedoch, auch weiterhin mit dem VdK auf das Engste verbunden zu bleiben.

Pfarrer Schmitz

Pfarrer Hans-Georg Schmitz gratulierte ebenfalls zum 60-jährigen Jubiläum des VdK-Ortsverbandes Rauenberg, lobte dessen Arbeit im Sinne der Nächstenliebe und wünschte für die Zukunft Gottes Segen.

Rauenbergs Bürgermeister Frank Broghammer

Bürgermeister Frank Broghammer sagte, dass eine Gemeinschaft auf Dauer nur dann wirklich funktionieren kann, wenn alle ihre Mitglieder für einander Verantwortung übernehmen und Verantwortung tragen. Hilfe geben bedeutet dabei keineswegs nur finanzielle Unterstützung, sondern vor allem auch, den behinderten Menschen als gleichberechtigten Partner in der Gesellschaft anzuerkennen. Alsdann ging Rauenbergs Stadtoberhaupt auf die wichtige Funktion und Arbeit des VdK ein. Seine Ausführungen gipfelten in der Feststellung, dass der VdK ein unverzichtbarer Bestandteil in der Bundesrepublik Deutschland und deren soziales Gewissen ist. Aber auch in Rauenberg hat sich der VdK zu einem unverzichtbaren Bestandteil im kulturellen Leben gemacht – angefangen von den Sprechstunden für ratsuchende Bürgerinnen und Bürger bis hin zu den familiären Veranstaltungen. Frank Broghammer: "In Rauenberg ist jedes Jahr besonders die Initiative des Ortsverbandes am Volkstrauertag beeindruckend und ich fühle mich dieser Initiative verbunden und sehe es jährlich als eine wichtige und von mir gern erfüllte Pflicht an, den VdK in seiner Erinnerung an das Unrecht des Krieges zu unterstützen, zumal die heutige Generation nach 60 Jahren Frieden vergessen könnte, welche furchtbaren Konsequenzen das Kriegswesen hat." Als Jubiläumsgeschenk hatte der Bürgermeister einen Umschlag mit diversem Inhalt dabei, den er dem Vorsitzenden Gerhard Filsinger übergab.

stellv. Kreisverbandsvorstand Theo Sauer

Theo Sauer ist nicht nur Bürgermeister von Helmstadt-Bargen, sondern auch zweiter Vorsitzender des VdK-Kreisverbandes Heidelberg. In dieser Eigenschaft gratulierte er dem VdK-Ortsverband Rauenberg zum 60jährigen Bestehen. Wenngleich die Kriegsopfer immer mehr abnehmen, klettern die Mitgliederzahlen dennoch unaufhaltsam in die Höhe. Den VdK-Ortsverband Rauenberg mit seinen 430 Mitgliedern bezeichnete Sauer als "Schwergewicht" im VdK-Kreisverband Heidelberg. Und was dem VdK-Funktionär besonders imponiert: Rauenberg steht mit seiner jungen Vorstandschaft ganz vorne. Ein Lob gab es für den Ehrenvorsitzenden Hermann Krug, der schon zu Lebzeiten eine Institution im VdK-Kreis- und Landesverband darstellt. Theo Sauers Schlussworte: "Die Behinderten und Schwachen in unserer Gesellschaft dürfen nicht die Verlierer unserer Globalisierung werden. Glück auf und Gottes Segen für die Zukunft!"

Mit bekannten Melodien aus den Musicals "Die Schöne und das Biest" sowie "Starlight Express" leitete der Akkordeonclub auf einen weiteren Höhepunkt der Jubiläumsfeier über, nämlich auf die Ehrung verdienter Mitglieder.
Landesverbandsgeschäftsführer Hans-Josef Hotz freute sich, einen Mann ehren zu dürfen, der zu den Gründungsvätern des VdK-Ortsverbandes Rauenberg gehört. Die Rede ist von Lorenz Laier, dem Hotz für seine 60jährige Mitgliedschaft zum Sozialverband VdK das große goldene Treueabzeichen mit Stern ans Revers heften durfte. Männer wie Lorenz Laier zählen zu den noch wenigen Zeitzeugen.

Willi Kretz

Für seine hervorragenden Leistungen für Menschen mit Behinderungen, Rentnerinnen und Rentner wurde Willi Kretz mit der silbernen Ehrennadel ausgezeichnet. Gertrud Schremser, Rosemarie Hamm und Hannelore Maier haben sich um den Aufbau des Verbandes und für den ihnen anvertrauten Personenkreis verdient gemacht und wurden mit der goldenen Verdienstnadel geehrt.

v.l. Willi Kretz, Michael Sieber, Rosemarie Hamm, Hans-Josef Hotz, Gertrud Schremser,Theo Sauer, Hannelore Maier, Frank Broghammer, Lorenz Laier, Gerhard Filsinger

Mit einem Dankschön an alle Redner, Geehrten sowie Helfern und Helferinnen vor und hinter der Theke leitete Vorsitzender Filsinger auf den gemütlichen Teil der Jubiläumsfeier über. Was bei der Feier angenehm auffiel: Es war keine Jubiläumsfeier der lauten Töne, sondern eine besinnliche Stunde, um die sechs Jahrzehnte des VdK-Ortsverbandes Rauenberg in würdiger Form vorüberziehen zu lassen.

Reinhold Stegmeier

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